Wirtschaft

Alstom-Allianz als Schutz vor GE Paris ruft nach Siemens

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Um Alstom ist das große Taktieren ausgebrochen.

(Foto: REUTERS)

Zur Abwehr einer Milliarden-Offerte des US-Mischkonzerns GE für eine Sparte des französischen Technologiekonzerns Alstom wendet sich Frankreich an den deutschen Konkurrenten Siemens. Die Münchener sind bereit, sich die Sache anzuhören. Denn der GE-Vorstoß richtet sich auch gegen sie.

Im Ringen um die Zukunft von Alstom hat Siemens dem französischen Mischkonzern Gesprächsbereitschaft über eine Kooperation signalisiert. Siemens übermittelte nach eigenen Angaben dem Verwaltungsrat von Alstom ein Schreiben und bekundete darin "Gesprächsbereitschaft über strategische Fragen zukünftiger Zusammenarbeit". Der Konzern bitte um Verständnis, zum gegenwärtigen Zeitpunkt keine weiteren Ausführungen dazu zu machen, heißt es weiter.

Am Samstag hatte "Le Figaro" berichtet, dass die Regierung in Paris an das Münchener Unternehmen herangetreten sei und es um ein Gegengebot für den Geschäftsbereich von Alstom gebeten hatte, um den sich derzeit der US-Mischkonzerns General Electric bemüht. Die französische Regierung lehnte einen Kommentar ab.

GE will das Filetstück

Der Verwaltungsrat von Alstom kommt Medienberichten zufolge an diesem Sonntag zusammen, um über einen Verkauf der Kernsparte für Energietechnik an den US-Rivalen zu beraten. Die Energiesparte, die Kraftwerksturbinen herstellt, steht für drei Viertel des Geschäfts von Alstom und könnte rund neun Milliarden Euro erlösen.

Obwohl eine offizielle Bestätigung für den Deal noch aussteht, alarmierte er die französische Regierung. Alstom ist extrem abhängig von staatlichen Aufträgen, der Konzern stellt unter anderem die TGV-Hochgeschwindigkeitszüge für die Staatsbahn SNCF her und beliefert den Kraftwerksbetreiber EdF. Aus Kreisen verlautete, dass GE-Chef Jeff Immelt diesen Sonntag mit dem französischen Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg zusammenkommt. Zudem will er Alstom-Chef Patrick Kron sowie andere Konzernvertreter treffen und möglicherweise auch mit Präsident François Hollande oder Ministerpräsident Manuel Valls sprechen.

Stechen zwischen GE und Siemens?

Eine Übernahme Alstoms wäre zumindest eine Kampfansage von GE an Siemens. Die Amerikaner, vor allem in den USA stark, liegen in manchen Bereichen vor Siemens und verdienen gemessen am Umsatz deutlich mehr Geld. In Europa, vor allem in Deutschland hat Siemens die Nase vorn - und bietet GE auf dem US-Markt Paroli, etwa mit milliardenschweren Windkraftaufträgen oder bei Zügen. Siemens hat mit rund 60.000 Mitarbeitern in den USA Schlagkraft.

Angeblich hat sich GE im Bemühen um Alstom bereits die Unterstützung des französischen Mischkonzerns Bouygues gesichert, der 29 Prozent an Alstom hält, wie Bloomberg unter Berufung auf informierte Kreise geschrieben hatte. Eine Bestätigung gibt es auch dafür nicht.

Alstom war 2004 in ernsthafte wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten und vom Staat gerettet worden. Damals war in den Verhandlungen mit EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti bereits ein Verkauf der Energiesparte an Siemens erwogen worden. Der damalige französische Präsident Nicolas Sarkozy sorgte jedoch dafür, dass ein solcher Deal nicht zustande kam.

Quelle: n-tv.de, sla/dpa/rts

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