Wirtschaft

Im Auftrag Ihrer Majestät Pfund wird schwachgeredet

pfund.jpg

Das britische Pfund hat im bisherigen Jahresverlauf deutlich an Wert eingebüßt, der kriselnden Inselwirtschaft sollte das eigentlich auf die Sprünge helfen.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Währungskrieg? Yen, Yuan, Dollar vielleicht, aber das britische Pfund Sterling doch nicht. Die Bank of England hält sich mit direkten Eingriffen am Devisenmarkt zurück. Dieser Tradition bleibt auch Notenbankchef King treu. Er schwächt die Währung anders.

In der aktuellen Diskussion über einen möglichen Währungskrieg zeigen Beobachter gerne mit dem Finger auf Japan oder die USA. Großbritannien fliegt dagegen bislang unter ihrem Radar hindurch, obwohl die Bank von England (BoE) ebenfalls mit einer Geldschwemme die heimische Wirtschaft aufzupäppeln und den Kurs des Pfund Sterling zu drücken versucht.

Das verdankt Großbritannien vor allem dem Geschick des Notenbank-Gouverneurs Mervyn King, wie Marc Chandler sagt, Chef-Devisenstratege der Investmentbank Brown Brothers Harriman. "Es gibt keinen Zweifel daran, dass King den Pfund-Kurs fallen sehen will." Allerdings halte sich die BoE anders als die Bank von Japan (BoJ) mit direkten Interventionen am Devisenmarkt traditionell zurück. King beschränke sich darauf, das Pfund Sterling schwach zu reden, fügt Chandler hinzu.

King hatte vergangene Woche betont, dass Staaten das Recht hätten, ihre jeweilige Wirtschaft anzukurbeln - unabhängig von den Konsequenzen für den Wechselkurs. Außerdem sprach er sich dafür aus, die Notenpresse noch schneller rotieren zu lassen. Vor diesem Hintergrund rutschte der Pfund-Kurs binnen weniger Tage um 2,3 Prozent ab. Das ist der größte Wochenverlust seit eineinhalb Jahren.

Verblasster Glanz

Die britische Währung ist aber schon seit längerem auf Talfahrt. Das Minus seit An fang Januar summiert sich auf 6,8 Prozent. Das ist der schlechteste Jahresauftakt seit 1992. Zum Wochenauftakt markierte das Pfund mit 1,5074 Dollar ein Zweieinhalbjahrestief. Ein Ende der Talfahrt ist nicht in Sicht, betont Hans Redeker, Chef-Devisenstratege der US-Bank Morgan Stanley. Er sieht das Pfund in den kommenden Quartalen auf bis zu 1,40 Dollar fallen.

Ein weiterer Grund für die aktuelle Pfund-Schwäche ist Börsianern zufolge die Beruhigung der europäischen Schuldenkrise. Damit verliere die britische Währung ihre Attraktivität als "sicherer Anlagehafen". Außerdem gelte das Vereinigte Königreich auf dem Weltmarkt immer weniger als ernsthafter Konkurrent.

"AAA"-Verlust schmerzt

Aussagen des britischen Notenbankers Martin Weale untermauern diese Einschätzung: Die britischen Exporte stagnieren seit 2008, obwohl das Pfund seither gut 20 Prozent seines Wertes eingebüßt hat. "Die BoE ist - ebenso wie wir - ein bisschen verwundert, dass die Abwertung des Sterling nicht zu einer deutlichen Erholung der britischen Exporte geführt hat", betont Analystin Anna Leach vom Arbeitgeber-Verband CBI.

Daran wird sich nach Einschätzung der Ratingagentur Moody's auch so bald nichts ändern. Sie entzog Großbritannien am Freitag die Spitzen-Bonitätsnote "AAA". Die Experten begründen ihren Schritt neben den trüben Konjunkturaussichten mit der hohen Verschuldung. Sie hat sich in den vergangenen fünf Jahren verdoppelt und liegt aktuell bei 90 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP).

Quelle: ntv.de