Wirtschaft

Anleger warten auf Appel Post kramt in den Büchern

Für die Deutsche Post schlägt Anfang kommender Woche die Stunde der Wahrheit: Konzern-Chef Frank Appel stellt die Ergebnisse aus dem Auftaktquartal vor. Analysten hoffen auf eine klare Ansage zur Online-Strategie des ehemaligen Staatskonzerns.

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Post-Chef Frank Appel: Hier auf dem Podium der Hauptversammung Ende April.

(Foto: REUTERS)

Die anziehende Konjunktur dürfte der Deutschen Post im ersten Quartal 2010 steigende Umsätze und einen Gewinnsprung beschert haben. So zumindest lautet der Konsens der Analysteneinschätzung zu den Ergebnissen der ersten drei Monate des Jahres. Die Post will ihre Zahlen für die Zeit von Januar bis März am 11. Mai vorlegen.

Der Konzern habe bei Erlösen von 11,77 Mrd. Euro das operative Ergebnis (Ebit) auf 364 Mio. Euro gesteigert, schätzten Experten im Mittel. Im ersten Quartal 2009 hatte der Logistiker 11,5 Mrd. Euro umgesetzt, das Ebit lag bei 27 Mio. Euro.

Die Analystenschätzung für den Gewinn nach Steuern und Anteilen Dritter schnellte zudem auf 1,5 Mrd. Euro in die Höhe - ein Resultat aus der Einbeziehung von Optionen aus dem Postbank-Verkauf an die Deutsche Bank.

Konzernchef Frank Appel hatte bereits bei der Hauptversammlung im April gesagt, die Post registriere Anzeichen einer wirtschaftlichen Erholung, von der der Konzern "überdurchschnittlich profitieren" werde. Daneben muss sich Appel vor allem mit dem Wegfall des Steuerprivilegs auseinandersetzen. Der harte Schnitt mit dem Relikt aus den Tagen als Staatsunternehmen wirkt sich auch auf die Post-Pläne zur Einführung eines Online-Briefs aus. Der Bonner Konzern beantragte einem Sprecher zufolge bei der Bundesnetzagentur nun ein Porto von 39 Cent für die Zustellung ausgedruckter Online-Briefe - sieben Cent weniger, als die Post zuvor beantragt und bereits genehmigt bekommen hatte.

Abschied von alten Privilegien

Nachdem die Bundesregierung das Mehrwertsteuerprivileg der Post gekippt hat, muss der ehemalige Staatskonzern auf den Portopreis die Mehrwertsteuer aufschlagen. Bei einem Ausgangspreis von 46 Cent wäre der Gesamtpreis für den Online-Brief für die Kunden damit aus Sicht der Post offenbar zu hoch gewesen - ein herkömmlicher Brief kostet 55 Cent. Die Post erklärte Anfang Mai, sie erwarte eine Entscheidung des Regulierers über den neuen Antrag in den nächsten Wochen.

Ihr neues Online-Briefangebot will die Post im Sommer vorstellen. Mit dem Konzept für das Netzzeitalter will sie das Briefgeheimnis auch bei der Kommunikation über das Internet sicherstellen. Über den Personalausweis registrierte Teilnehmer sollen ähnlich wie bei E-Mails über das Internet Briefe versenden und so vertrauliche Sendungen wie ihre Geschäftspost oder den Behördenverkehr abwickeln können. Absender und Empfänger sollen durch die Registrierung klar erkennbar sein. Auch eine Spam-Flut soll es anders als bei herkömmlicher elektronischer Post nicht geben.

Wenn ein Empfänger eines Internet-Briefs nicht registriert ist, soll der Brief ausgedruckt, in Umschläge verpackt und in den Briefkasten des Adressaten zugestellt werden. In diesem Zusammenhang ist von sogenannten "Hybrid-Briefen" die Rede. Für diese gilt der Antrag eines Portos von 39 Cent, zu dem dann noch die Mehrwertsteuer kommt. Der "Hybrid-Brief" ist vor allem für die vielen Millionen Empfänger-Haushalte gedacht, die noch keinen Internet-Anschluss haben oder ihn nicht für Postsendungen nutzen.

Mit den Konzepten Online-Brief und Hybrid-Brief will der Konzern seiner Briefsparte wieder auf die Sprünge helfen, die unter zurückgehenden Sendungsmengen und schrumpfenden Gewinnen leidet.

Quelle: ntv.de, dpa/rts