Wirtschaft

Rettung in letzter Minute Praktiker sichert Finanzierung

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(Foto: picture alliance / dpa)

Nach langen Verhandlungen sichert die Baumarktkette Praktiker ihr Überleben. Großaktionär Semper Constantia gibt frisches Geld, das noch am Dienstag fließen soll, auch Banken helfen mit. Die eigentliche Arbeit ist jedoch noch lange nicht getan. Um wieder auf die Beine zu kommen, will Praktiker sich nun neu erfinden.

Die angeschlagene Baumarktkette Praktiker kann vorerst aufatmen: Die lebensnotwendige Refinanzierung ist größtenteils unter Dach und Fach. Die komplizierte Transaktion, die ein Darlehen, eine Kapitalerhöhung sowie die Verlängerung von Bankkrediten beinhaltet, hing monatelang in der Schwebe. Nachdem der ursprünglich geplante Kreditgeber, der US-Investor Anchorage, abgesprungen war, hatte Praktiker mit seinen österreichischen Großaktionären über die Finanzierung verhandelt.

Die von der österreichischen Privatbank Semper Constantia beratene Investorengruppe gewährt Praktiker nun ein besichertes Darlehen von 40 Mio. Euro, das noch an diesem Dienstag ausgezahlt wird. Fonds sowie das von Semper Constantia beratene Investmentvehikel Maseltov halten zusammen knapp 15 Prozent der Praktiker-Aktien. Des Weiteren hat ein Kreditinstitut zusätzliche Mittel von 20 Mio. Euro verbindlich zugesagt, wenn die geplante Kapitalerhöhung durchgeführt wurde.

Eine bestehende Kreditlinie im Volumen von 40 Mio. Euro wurde zudem um drei Jahre verlängert. Und auch die Warenkreditversicherer leisten ihren Beitrag zur Sanierung: Sie haben sich bereit erklärt, den Restrukturierungsprozess durch entsprechende Limitzusagen gegenüber Lieferanten zu unterstützen.

Letzter Baustein des Fremdfinanzierungspakets ist ein weiteres Darlehen über 15 Mio. Euro, über das noch verhandelt wird. Die Gespräche sollen jedoch "kurzfristig" abgeschlossen werden, teilte Praktiker mit.

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Praktiker-Chef Kay Hafner.

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Alle Beteiligten hätten ihren Willen zur Kooperation bestätigt, zeigte sich Vorstandsvorsitzender Kay Hafner, der Praktiker übergangsweise führt, erleichtert. "Weil der Abstimmungsbedarf zwischen den verschiedenen Finanzierungsparteien recht komplex war, haben wir etwas mehr Zeit gebraucht als zunächst erwartet."

Mit dem Finanzierungspaket im Rücken könne sich Praktiker nun wieder auf das operative Geschäft konzentrieren, so Hafner. Die Neuausrichtung soll zügig vorangetrieben werden. Praktiker kämpft mit hohen Verlusten und hat in kurzer Zeit mehrere Strategieschwenks hinter sich und dabei mehrere Vorstandsvorsitzende verschlissen.

Gewinne auf der Strecke geblieben

Kernproblem ist die über Jahre gesunkene Rentabilität von Praktiker Deutschland. Ein starkes und expansives Auslandsgeschäft sowie die Max-Bahr-Übernahme 2007 übertünchten lange Zeit Schwierigkeiten bei der Kernmarke. Deren Rabattaktionen ließen zwar jahrelang die Umsätze steigen, die Profitabilität blieb jedoch auf der Strecke. Die Marke Praktiker wird nun stark geschrumpft: Die Mehrheit der 234 Praktiker-Märkte wird auf die Marke Max Bahr umgeflaggt. Die restlichen Praktiker-Märkte sollen als reine Discounter fortgeführt werden.

Die erste Welle der Umstellung von Praktiker-Standorten auf die ertragsstärkere Marke Max Bahr läuft derzeit, die Neueröffnung der ersten sieben Märkte fand am 27. September statt. Die zweite Welle mit ebenfalls sieben Marktumstellungen soll in wenigen Wochen folgen. Gleichzeitig werden die Arbeiten am Prototyp eines neuen Praktiker-Marktes forciert, neue Serviceelemente bei Max Bahr eingeführt sowie die notwendigen Verhandlungen zur Einbindung der Lieferanten in die Konzeptarbeit aufgenommen. Im Oktober soll zudem der Aufbau der neuen Konzernzentrale in Hamburg abgeschlossen werden.

Quelle: ntv.de, nne/DJ