Wirtschaft

Athen bandelt mit Moskau an Putins Griechenland-Plan wird scheitern

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Wladimir Putin hat Griechenland nur wenig zu bieten.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die EU treibt Athen mit ihrer Krisenpolitik geradewegs in Putins Arme. Außer Provokation eint Moskau und Athen aber kaum etwas. Dass Russland Griechenlands Probleme lösen könnte, ist höchstens neue Putin-Propaganda.

Glaubt man den Berichten, wird in Griechenland bald alles gut. Weil Athen bei seinen Geldgebern in der EU auf Granit beißt, sucht es nun die Annäherung an Russland, berichtet Spiegel Online. Energieminister Panagiotis Lafazanis will demnach am Montag in Moskau um eine Senkung der Gaspreise für Griechenlands Haushalte bitten. Zudem will Athen erreichen, dass das russische Importverbot für EU-Lebensmittel für griechische Produkte aufgehoben wird. Am 8. April reist dann Regierungschef Alexis Tsipras selbst nach Moskau.

Athens verzweifelter Vorstoß ist ein deutliches Zeichen, wie sehr die EU Griechenland mit ihrer Krisenpolitik in die Ecke drängt. Kreml-Chef Wladimir Putin nutzt jede Gelegenheit, Propagandasiege gegen den Westen einzufahren. Die EU macht es ihm dabei leicht. Die Initiative ist eine neue Finte, um den Druck auf Brüssel zu erhöhen. Kreml-Chef Putin und Griechenlands Premier Tsipras, zwei Meister der politischen Inszenierung, tun sich zusammen, um gegen die EU zu stänkern. Viel mehr als das dürfte dabei aber nicht herauskommen.

Stänkern als Strategie

Aus Moskaus Sicht macht die vermeintliche Annäherung an Athen Sinn. Sie ist ein weiterer Versuch Putins, mit Illusionen über seine gescheiterte eigene Strategie hinwegzutäuschen. Pseudo-Allianzen und Prestige-Projekte in der Türkei, China und Nordkorea können bereits jetzt kaum überdecken, wie sehr die westlichen Sanktionen Russland treffen. Im Tausch gegen Rindfleisch liefert der Kreml-Chef neuerdings auch ein paar Bomber nach Argentinien, damit es im Falkland-Konflikt mit Großbritannien mit den Säbeln rasseln kann. Den Griechen die Gaspreise zu senken ist da doch noch eine vergleichsweise ernstzunehmende Maßnahme.

Auch für Griechenlands Linksregierung versucht mit der Russland-Initiative ihren EU-Verhandlungsgegnern Sand in die Augen zu streuen. Man müsse endlich aufhören sich zu beleidigen und aufeinander zu gehen, warnt Finanzminister Yanis Varoufakis wortgewaltig im Handelsblatt: "Von diesem toxischen Schwarze-Peter-Spiel profitieren einzig Europas Feinde. Es muss aufhören." Dabei treibt Griechenland genau dieses Spiel mit seiner Moskau-Initiative voran. Denn aus Athens Sicht wird ein Einlenken der EU umso wahrscheinlicher, je mehr es danach aussieht, dass Griechenland noch andere Geldquellen hat.

Drohkulisse statt Devisenquelle

Dass Russland Griechenlands Geldprobleme löst, kann niemand ernsthaft glauben. Für die anderen Europäer werde eine Drohkulisse aufgebaut, sagte der SPD-Finanzexperte im Europaparlament Udo Bullmann im RBB Inforadio. Denn wie sollte ausgerechnet die kollabierende Kreml-Wirtschaft Griechenland vor der Pleite retten? Sie steht selbst am Abgrund. Moskau geht wegen der westlichen Sanktionen das Geld aus. Die Wirtschaft schrumpft, der Kreml streicht das Budget zusammen. Seine Banken und Ölriesen hält er nur noch mit Staatshilfen über Wasser. Seinen eigenen Beamten hat Putin das Gehalt gekürzt. Griechenlands Haushalten die Gaspreise zu senken würde bedeuten, dass Russland auf noch mehr Einnahmen verzichten muss, die es so dringend braucht.

Auch im Agrarbereich dürfte die angedachte Zusammenarbeit verpuffen. Athen exportiert zwar jede Menge Lebensmittel, Tierprodukte und Gemüse, 2012 für insgesamt rund sechs Milliarden Dollar. Nach Russland gingen davon aber weniger als fünf Prozent, gerade mal rund 290 Millionen Dollar. Der Großteil der griechischen Lebensmittelproduktion ist vom russischen Importstopp also gar nicht betroffen, sondern geht nach Italien, Deutschland und in andere EU-Länder. Welchen Sinn würde es für griechische Bauern machen, ihr Gemüse künftig lieber nach Russland zu verkaufen und dafür weiche Rubel zu kassieren statt harte Euros?

Symbolpolitik gegen die Staatspleite

Griechenlands Finanzminister Varoufakis hätte zudem kaum etwas davon. Wenn überhaupt wäre eine Kooperation mit Russland eine langfristige Hilfe für Griechenlands Wirtschaft. Was Athen aber braucht, sind Kredite in womöglich zweistelliger Milliardenhöhe, um die Pleite in den nächsten Wochen und Monaten zu verhindern. Solche großzügigen Geldgeschenke sind von Putin kurzfristig nicht zu erwarten.

Dass es bei den Russland-Plänen vor allem um Symbolpolitik und Flucht vor der Realität geht, hat Griechenland selbst klargemacht. Premierminister Tsipras und Finanzminister Varoufakis haben schon vor zwei Wochen gesagt, dass sie bei Putin nicht um Finanzhilfen bitten wollen. Viel mehr als Athens vermeintliche Annäherung an Moskau sollte der EU daher zu denken geben, wie sehr Griechenland mit dem Rücken zur Wand stehen muss, wenn es sich ernsthaft an solche Strohhalme klammert.

Quelle: ntv.de

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