Wirtschaft

Auf der Suche nach Plan B Q-Cells nähert sich der Insolvenz

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Q-Cells kämpft um die Existenz.

(Foto: dpa)

Der ums Überleben ringende Solarkonzern Q-Cells gibt seinen Sanierungsplan auf. Möglicherweise will er sich nun mit einer Insolvenz von der erdrückenden Schuldenlast befreien. Es wäre nach Solarhybrid, Solar Millennium und Solon die vierte größere Pleite in der deutschen Solarbranche.

Die Zukunft von Q-Cells hängt an einem seidenen Faden. Hintergrund ist ein Streit des Vorstandes einer Minderheit von Gläubigern, die vor Gericht gezogen sind. Das Rettungskonzept des Solarkonzerns droht deshalb zu scheitern, das Management sucht nach Alternativen. Der Vorstand könne am Montag oder Dienstag kommender Woche beim Amtsgericht Dessau einen Insolvenzantrag stellen, berichtet das "Manager Magazin". Damit wäre ein viertes größeres Solarunternehmen in Deutschland insolvent – nach Solarhybrid, Solar Millennium und Solon.

Die deutsche Solarbranche leidet seit einiger Zeit unter Förderkürzungen und einem immensen Preisverfall, der vor allem durch starke Konkurrenz aus China ausgelöst wurde.

Streit mit Gläubigern

Q-Cells
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Dem Bericht zufolge strebt Q-Cells eine so genannte Insolvenz in Eigenverwaltung an. Dann könnte das Unternehmen seine komplizierten Anleihe-Konstruktionen rechtlich nach England verlegen und nach dortigem Recht erneut eine Einigung mit den Gläubigern herbeiführen, hieß es.

Der Konzern plant einen radikalen Schulden- und Kapitalschnitt, in dessen Folge die Gläubiger das Ruder übernehmen sollen. Die Aktionäre, die somit weitgehend aus dem Unternehmen gedrängt würden, müssen noch auf einer Hauptversammlung im Mai oder Juni zustimmen. Auch drei Gläubigerversammlungen - es geht um drei Wandelanleihen im Volumen von insgesamt 580 Mio. Euro - stehen noch aus. Die Gläubiger sollten am Ende des Restrukturierungsprozesses 95 Prozent der Unternehmensaktien besitzen, für die Aktionäre sollen nur noch 5 Prozent bleiben.

Gegen den Plan hatte ein Anleihe-Gläubiger Klage beim Oberlandesgericht Frankfurt eingereicht. Das Gericht hatte am Dienstag die Sanierungspläne von Pfleiderer gekippt, die ähnlich wie bei Q-Cells zur Rettung unter anderem den Verzicht der Anleihegläubiger auf ihre Ansprüche vorsahen. Nach dem abschlägigen Gerichtsurteil meldete Pfleiderer Insolvenz an.

Angesichts des Urteils sei dem Restrukturierungskonzept die Basis entzogen worden, teilte Q-Cells mit. Es sei nicht anzunehmen, dass das Gericht seine Ansicht ändere."Vor diesem Hintergrund geht der Vorstand davon aus, dass die Fortführungsprognose zurzeit nicht gegeben ist", hieß es weiter.

Der Düsseldorfer Anwalt Peter Dreier, der mehrere Gläubiger von Q-Cells vertritt und gegen das Unternehmen klagt, begrüßte den Schritt des Konzerns, nach Alternativen zu suchen: "Das halte ich für konsequent." Er verlangt für seine Mandanten - die zusammen Anleihen in Hohe von rund drei bis fünf Mio. Euro haben - die Auszahlung des Geldes. Q-Cells müsse jetzt versuchen, einen neuen Restrukturierungsplan vorzulegen.

Hohe Verluste

Der Solarkonzern aus Bitterfeld-Wolfen kämpft seit Jahren ums Überleben. Inzwischen ist das Eigenkapital aufgezehrt, mehrere Anleihen drohen zu platzen. Nach einem Verhandlungsmarathon gewährten die Gläubiger einer Ende Februar fälligen Anleihe über 200 Mio. Euro im letzten Moment einen Zahlungsaufschub bis Ende April. Bis dahin wollte sich Vorstandschef Nedim Cen mit den Zeichnern zweier weiterer Wandelanleihen verständigen, die bis 2014 und 2015 laufen. Anschließend sollte die 2012er-Anleihe nochmals bis Ende des Jahres verlängert werden. Bis dahin sollte das Sanierungskonzept stehen. Im Zuge dessen sollen die Zeichner der Bonds größtenteils auf die Rückzahlung verzichten und dafür Aktien erhalten.

Q-Cells hatte 2011 unter dem Strich einen Verlust von 846 Mio. Euro erwirtschaftet. Die Erlöse brachen um ein Viertel auf gut eine Mrd. Euro ein. In Sachsen-Anhalt sind mehrere tausend Menschen in der Solarbranche beschäftigt, viele Dienstleistungsunternehmen sind von den Solarfirmen abhängig.

Das Industriegebiet "Solar Valley" in Bitterfeld-Wolfen, dessen Kern Q-Cells ist, gehört laut Branche zu den größten seiner Art in Europa. Mit dem Strukturwandel in der Chemie und dem Aus des Braunkohlebergbaus in der Region nach 1990 wurden Q-Cells und andere Firmen der jungen Industrie zu den Hoffnungsträgern.

Quelle: ntv.de, jga/rts/dpa