Wirtschaft

Angst vor Ansteckung Reißt die Krise arme Länder mit?

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Die Repräsentanten der BRICs, die aus Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika bestehenden Gruppe.

(Foto: REUTERS)

Noch haben Entwicklungs- und Schwellenländer nicht allzu viel abbekommen von den Krisen in Europa und den USA. Doch die Sorge wächst, dass es bald soweit sein könnte. Immer lauter werden die Rufe in Richtung Industrienationen, endlich Lösungen anzubieten.

Arme Staaten und Schwellenländer fürchten ein Übergreifen der Krisen in den Industrienationen und fordern vor allem von der Eurozone entschiedenere Schritte im Kampf gegen das Debakel. In der Vergangenheit hätten sie wichtige Beiträge zur weltweiten Wirtschaftserholung geleistet, erklärten die in der Gruppe der G24 zusammengeschlossenen Länder nach einer Konferenz in Washington. Nun aber "sind wir besorgt über die Risiken eines ausgedehnten Abschwungs als Folge eines widrigen globalen Umfeldes".

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Weltbank-Präsident Robert Zoellick.

(Foto: REUTERS)

Sie stehen mit ihren Befürchtungen nicht allein da: Zu den obersten Mahnern zählt Weltbank-Präsident Robert Zoellick. Seine Aussichten sind düster: "Bis vor kurzem waren die Entwicklungsländer noch das Erfreulichste an der Weltwirtschaft", konstatierte der Amerikaner. "Sie haben die Hälfte des globalen Wachstums beigesteuert, während Europa, Japan und die USA unter hohen Schulden und hoher Arbeitslosigkeit ächzen."

Zoellick: "Signale der Ansteckung"

Inzwischen seien aber schon "Signale der Ansteckung" auszumachen, erkennbar in den Zuckungen der Anleihe- und Aktienmärkten. Fallende Exporte bereiteten bereits Sorgen. Schmieren die Märkte weiter ab, trübt sich das Vertrauen weiter ein, könnten Investitionen einen Dämpfer bekommen, während Verbraucher ihre Brieftaschen nur noch zögernd öffnen.

Die Staatengruppe der G24 rief zu "eiligen, gemeinsamen und abgestimmten Maßnahmen" auf, um der "Vertrauenskrise in den Industrienationen" sowie ihren Auswirkungen auf arme und aufstrebende Staaten zu begegnen. Die G24 forderten überdies die internationale Gemeinschaft sein, ihre Entwicklungsfinanzierung aufzustocken.

Die Eurozone müsse "schnell und wagemutig" handeln, sagte der brasilianische Finanzminister Guido Mantega. Sonst drohe die Gefahr eine "großen Krise".

BRICS würden Euroland helfen

Zugleich boten sie Hilfe über internationale Institutionen an. Die aus Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika bestehenden Gruppe sei "nötigenfalls bereit zu erwägen, Unterstützung über den IWF oder andere internationale Finanzinstitutionen zu leisten, um den gegenwärtigen Herausforderungen für die globale Finanzstabilität zu begegnen", hieß es in einer Mitteilung nach einem Treffen in der US-Hauptstadt. Zu anderen denkbaren Hilfen wie etwa Käufen von Anleihen der Problemländer äußerte sie sich nicht.

In der Gruppe der G24 fanden sich im Jahr 1971 Schwellen- und Entwicklungsländer aus Asien, Afrika und Lateinamerika zusammen, um gemeinsam finanzpolitische Positionen - unter anderem gegenüber Weltwährungsfonds und Weltbank - zu vertreten. Das Treffen in Washington fand am Rande der Jahrestagung von IWF und Weltbank statt 

Quelle: n-tv.de, dpa

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