Wirtschaft

Barroso: Mehr Geld für den Euro Rettungsschirm soll wachsen

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EU-Kommissionspräsident Barroso fordert größeren Rettungsschirm.

(Foto: REUTERS)

EU-Kommissionspräsident Barroso bringt eine erneute Aufstockung des 440 Mrd. Euro schweren Krisenfonds EFSF ins Gespräch. Er fordert die Regierungen zu einer "raschen Überprüfung aller Elemente des EFSF" auf. Die Regierungen müssten sicherstellen, dass der Fonds "über die Mittel verfügt, um Ansteckungsgefahren zu bekämpfen".

Wegen der unvermindert grassierenden Schuldenkrise will EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso den Euro-Rettungsschirm erneut auf den Prüfstand stellen. Die Gemeinschaft müsse die Wirkung ihrer Hilfsmechanismen verbessern, um eine Ansteckung weiterer Staaten zu verhindern, schrieb Barroso in einem Brief an die EU-Staats- und Regierungschefs. Alle Elemente des EFSF sollten auf den Prüfstand gestellt werden, auch eine Ausweitung der bisherigen Kreditsumme, sagte eine Kommissionssprecherin.

Der Vorschlag habe aber nichts mit den Marktturbulenzen zu tun, in die zuletzt Spanien und Italien geraten sind, betonte die Sprecherin. An den Finanzmärkten stehen die beiden Südländer derzeit im Fokus. Sollten die dritt- und viertgrößte Volkswirtschaft der Eurozone unter den Rettungsschirm schlüpfen müssen, hätte dies unabsehbare Folgen. Bislang nehmen Griechenland, Portugal und Irland EU-Hilfen in Anspruch, deren Volumen aber gemessen an der Größe der Volkswirtschaften überschaubar sind. Der EFSF umfasst bislang ein Volumen von 440 Mrd. Euro. Die Griechenland-Hilfen werden nicht vom EFSF finanziert, sondern laufen über ein gesondertes Programm.

Nachfrage übersteigt Angebot

Für Spanien wird die Finanzierung am Kapitalmarkt immer teurer. Bei einer Anleihe-Auktion musste das Land am Donnerstag erneut höhere Zinsen zahlen. Insgesamt sammelte Spanien 3,3 Mrd. Euro frisches Geld für die bis 2014 und 2015 laufenden Bonds ein. Für die bis 2014 laufenden Anleihen lag die durchschnittliche Rendite mit 4,813 Prozent deutlich über dem Niveau der vorherigen Auktion mit 4,037 Prozent. Die Nachfrage der Investoren überstieg das Angebot um das 2,1-Fache. Zuletzt lag das Interesse noch 2,5-fach höher.

Spaniens Wirtschaftsministerin Elena Salgado sagte am Mittwochabend zwar, der Druck an den Finanzmärkten sei besorgniserregend, aber "ich würde die Situation nicht als sehr ernsthaft bezeichnen". Auch Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi hatte am Mittwoch versucht, die Märkte zu beruhigen. Dies zeigte am Donnerstag erste Wirkung: So gingen die Renditen für zehnjährige italienische Anleihen zurück.

"EZB als Feuerwehrmann"

Die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) forderte wegen der Turbulenzen an den Anleihemärkten die Europäische Zentralbank zum Handeln auf. "Wir brauchen jemanden, der interveniert", sagte der Chefökonom für Europa, Jean-Michel Six, dem französischen Radiosender Inter radio. "Der einzige Feuerwehrmann, der uns schnell aus dem brennenden Haus tragen kann, ist die EZB, die seit Beginn der Krise bei der Beruhigung der Märkte eine bewundernswerte Rolle gespielt hat."

Seit Mai 2010 hat die EZB für gut 74 Mrd. Euro Staatsanleihen von Schuldenländern gekauft. Das entsprechende Programm ruht aber seit 18 Wochen. Der EZB-Rat kam am Donnerstag zu seiner turnusgemäßen Sitzung zusammen. Wie erwartet, beließ das Gremium den Leitzins in der Eurozone bei 1,5 Prozent.

Quelle: n-tv.de, rts

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23.05.09