Wirtschaft

Weitere Institute dicht Russlands Banken leiden

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Russlands Zentralbank hat bereits zahlreichen Banken die Lizenz entzogen.

(Foto: AP)

Die russische Zentralbank schließt nahezu im Wochentakt Geldinstitute. Daran wird sich zunächst wohl kaum etwas ändern. Sanktionen und Wirtschaftskrise setzen der Branche schwer zu.

Inmitten der russischen Wirtschaftskrise müssen weitere vier Banken dichtmachen - die Zentralbank entzog ihnen die Lizenz. Begründung: fehlende Kapitalausstattung und "zweifelhafte Transaktionen". Seit Beginn des Jahres haben bereits mehr als 60 Geldinstitute geschlossen.

Das russische Banksystem mit hunderten verschiedenen Instituten steckt spätestens seit dem Rubel-Absturz Ende 2014 in einer schweren Krise, als Russland wegen der vom Westen verhängten Finanzsanktionen und dem Verfall des Ölpreises in die Rezession gerutscht war.

Die Folge: Die Banken vergeben wenig Kredite. Zum einen zögern viele Unternehmen und Haushalte angesichts der unsicheren wirtschaftlichen Perspektiven, sich Geld zu leihen. Zum anderen halten sich die Banken aus dem gleichen Grund mit der Kreditvergabe zurück. Der Leitzins liegt bei 11 Prozent, auch das macht Kredite teuer.

Für den Kreml ist das ein großes Problem. Denn er setzt darauf, dass einheimische Investitionen für Wachstum sorgen. Denn niedriger Ölpreis und Finanzsanktionen sorgen dafür, dass Russland in der Rezession steckt. Der Internationale Währungsfonds, die Weltbank und die russische Zentralbank gehen davon aus, dass das Bruttoinlandsprodukt im kommenden Jahr weiter sinkt.

Zudem steigt die Arbeitslosigkeit. Niedriger Ölpreis und das russische Einfuhrverbot für westliche Lebensmittel heizen die Inflation an. Sie lag im Oktober bei 15,6 Prozent und sorgt dafür, dass die Kaufkraft der Russen zurückgeht.

Immer mehr faule Kredite

Dass Russlands Banken in naher Zukunft vor diesem Hintergrund die Kreditvergabe spürbar steigern, ist unwahrscheinlich. Die Ratingagentur Moody's bestätigte jüngst ihren negativen Ausblick auf den russischen Bankensektor. Das Umfeld bleibe in den kommenden 12 bis 18 Monaten "herausfordernd", sagte Moody's-Vizepräsident Irakli Pipia. Im Schnitt sei bei 14 Prozent der Kredite in den Banken-Portfolios die Rückzahlung ungewiss, so Moody's. Ende des vergangenen Jahres seien es noch 9,5 Prozent gewesen.

Dazu kommt: Wegen der Sanktionen sind Russlands Banken weitgehend von westlichen Finanzierungsquellen ausgeschlossen.

Während die Zentralbank kleinere Akteure schließt, stützt sie die großen staatlichen Banken. Sie setzt darauf, dass das Bankensystem schrumpft und kleinere Institute mit zweifelhaften Geschäftsmethoden vom Markt verschwinden.

Russlands Präsident Wladimir Putin gibt sich derweil demonstrativ optimistisch: Der Höhepunkt der Wirtschaftskrise sei erreicht, die Lage stabilisiere sich. In den nächsten Jahren müssten aber einige Wirtschaftszweige aus der "Depression" geholt und eine "positive Dynamik" geschaffen werden.

Quelle: n-tv.de, jga

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