Wirtschaft

"Mehr auf Ausführung fokussieren" Sanofi schmeißt seinen Chef raus

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Viehbacher leitete Sanofi seit Dezember 2008.

(Foto: REUTERS)

Die Tage von Christopher Viehbacher als Chef des französischen Pharmakonzerns Sanofi sind gezählt: Der Verwaltungsrat setzt den Deutsch-Kanadier vor die Tür. Aus dem Kommentar zur Entlassung lassen sich heftige Vorwürfe entnehmen.

Der französische Pharmariese Sanofi hat seinen Chef Christopher Viehbacher entlassen. Der Verwaltungsrat des Konzerns habe "einstimmig" für eine Entlassung des 54-jährigen Deutsch-Kanadiers gestimmt, teilte Sanofi mit. Notwendig sei ein Management, "das mehr Talente zusammenführt, sich mehr auf die Ausführung fokussiert und eng und vertrauensvoll mit dem Verwaltungsrat zusammenarbeitet".

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Viehbacher leitete Sanofi, einen der größten Konzerne Frankreichs, seit Dezember 2008. Er führte den Pharmakonzern erfolgreich durch eine schwere Phase, als die Patente für mehrere seiner wichtigsten Medikamente ausliefen, und Sanofi auf wichtigen Zukunftsmärkten platziert.

Gerüchte um eine wackelnde Zukunft von Viehbacher bei Sanofi hatte es schon seit einiger Zeit gegeben. Der Ex-Chef soll im Sommer ohne Absprache eine Initiative gestartet haben, ein acht Milliarden US-Dollar schweres Paket verschiedener Arzneimittel zu verkaufen. Medienberichten zufolge warf ihm der Verwaltungsrat aber auch vor, den Konzern von Boston in den USA aus zu leiten. Manche Verwaltungsratsmitglieder fürchteten, dass der Konzern seinen Schwerpunkt immer mehr in die USA verlegen könnte, unter anderem nach dem Kauf des US-Biotechnologieunternehmens Genzyme.

Bis ein Nachfolger für Viehbacher als geschäftsführender Generaldirektor gefunden ist, wird der Verwaltungsratsvorsitzende Serge Weinberg die Geschicke des Konzerns leiten. Nach der Ankündigung von Viehbachers Entlassung sank der Kurs der Sanofi-Aktie an der Pariser Börse am Vormittag um vier Prozent. Wegen schlechter Quartalszahlen war der Kurs bereits am Dienstag um mehr als zehn Prozent abgesackt.

Quelle: ntv.de, kst/AFP