Wirtschaft
Sonntag, 14. November 2010

Piëch macht Druck: Scania soll MAN übernehmen

Volkswagen treibt den Umbau seiner Nutzfahrzeug-Geschäfte voran. Nach dem Willen der Wolfsburger soll einem Medienbericht zufolge MAN bei Scania eingegliedert werden. Damit würde eine vor geraumer Zeit erhobene Forderung von VW-Patriarch Piëch erfüllt. Dieser hat ein Zusammenrücken von MAN und Scania "angeregt".

Kommen beide Lkw-Bauer zusammen?
Kommen beide Lkw-Bauer zusammen?(Foto: picture-alliance/ dpa)

Neue Runde in den Spekulationen über den künftigen Zuschnitt der Lkw-Sparte von Volkswagen: Der Wolfsburger Autokonzern plant dem "Spiegel" zufolge, dass die schwedische Lkw-Tochter Scania den Münchner MAN-Konzern übernehmen soll.

Scania solle den übrigen Aktionären des im Dax notierten Traditionsunternehmens MAN ein Übernahmeangebot unterbreiten. VW hält bereits große Beteiligungen an beiden Lkw-Herstellern und hat eine Neuordnung seiner Nutzfahrzeug-Geschäfte und eine engere Verbindung zwischen Scania und MAN angekündigt.

VW hält an Scania knapp 46 Prozent der Kapitalanteile und etwas über 70 Prozent der Stimmrechte. An MAN ist Volkswagen wiederum mit knapp unter 30 Prozent beteiligt. Die Münchner halten ihrerseits etwa 17 Prozent an den Schweden. An der Börse sind 70 Prozent an MAN mehr als acht Milliarden Euro wert. Leisten könnte sich Europa größter Autobauer eine solche Großübernahme: Dank stark anziehender Absatzzahlen hat VW bis Ende September eine Nettoliquidität von fast 20 Milliarden Euro angehäuft.

Schnelle Kooperation möglich

MAN-Finanzvorstand Frank Lutz sagte der "Börsen-Zeitung", vor allem im Einkauf könnten sich für die beiden Lkw-Hersteller Scania und MAN recht schnell Kooperationsmöglichkeiten ergeben. Allerdings würden die möglichen Synergien von kartellrechtlichen Vorgaben begrenzt. Außerdem seien Synergien auf der Produktseite "ein Ingenieursthema", das sich wohl erst in einer kommenden Fahrzeuggeneration intensiv umsetzen lasse. Um die Markenidentität bei MAN und Scania zu wahren, müsse man dabei Gemeinsamkeiten bei Motor und Fahrerkabine ausschließen.

MAN hatte 2006 versucht, Scania zu schlucken, war aber am Widerstand aus Schweden und aus der VW-Zentrale in Wolfsburg gescheitert. Schließlich hatte Volkswagen selbst die Mehrheit an Scania übernommen.

Piëch werkelt im Hintergrund

Seit langem wird über die Zukunft des Lkw-Geschäfts von Volkswagen spekuliert. VW- und MAN-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch hatte Anfang des Jahres auf der MAN-Hauptversammlung den Druck auf beide Firmen erhöht und ein engeres Zusammenrücken der beiden verbandelten Rivalen gefordert. Seither prüfen MAN und Scania Möglichkeiten zur technischen Zusammenarbeit.

Ferdinand Piëch zieht die Fäden.
Ferdinand Piëch zieht die Fäden.(Foto: dpa)

Weitere Nahrung erhielten die Gerüchte durch die Berufung des VW- Managers Jochem Heizmann zum Chef des Vorstandsressorts "Nutzfahrzeuge". Über die genauen Pläne Piëchs wird seit langem gerätselt. Wahrscheinlich ist nach Ansicht von Experten, dass der VW- Patriarch unter dem Dach von VW eine Lastwagenholding errichten will, aufgebaut aus Scania und MAN. Wie genau dieses Konstrukt aussehen könnte, ist aber unklar.

Quelle: n-tv.de