Wirtschaft

Insolvenzverwalter rechtfertigt sich Schickedanz schweigt

Nach dem endgültigen Aus für das Traditionsunternehmen Quelle hat sich erstmals die Familie Schickedanz zu Wort gemeldet. Der Ehemann von Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz, Leo Herl, sagte der "Bild"-Zeitung: "Meine Frau gibt derzeit keinen Kommentar ab. Wir fürchten, dass alles missverstanden würde." Dabei habe seine Frau "doch alles getan, was sie tun konnte".

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Madeleine Schickedanz neben ihrem Ehemann Leo Herl.

(Foto: dpa)

Auf die Frage, wann sich Schickedanz zu dem Aus für das Unternehmen äußern werde, sagte Herl: "Das hängt vom Gesundheitszustand meiner Frau ab." Dem Bericht zufolge soll die Tochter des Quelle-Firmengründers nach ihrem Schwächeanfall, den sie im Juni nach dem Insolvenzantrag erlitten haben soll, gesundheitlich angeschlagen sein.

Görg weist Schuld von sich

Der Quelle-Insolvenzverwalter hat derweil Vorwürfe über mangelnde Transparenz beim Verkaufsprozess für das insolvente Versandhaus zurückgewiesen. Die beteiligten Ministerien und Gremien seien die ganze Zeit über den aktuellen Stand informiert gewesen, sagte Thomas Schulz, Sprecher von Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg. Lediglich in den letzten Stunden, als die Verhandlungen überraschend scheiterten, sei es aus Zeitgründen nicht mehr möglich gewesen, alle Beteiligten zu informieren.

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Nach dem Aus für Quelle wird Kritik an Insolvenzverwalter Görg laut.

(Foto: dpa)

Die bayerische Arbeitsministerin Christine Haderthauer (CSU) hatte den Verkaufsprozess als intransparent bemängelt und gesagt, es seien viele Fragen an den Insolvenzverwalter offen. Auch Betriebsrat und die Gewerkschaft Verdi äußerten sich ähnlich.

Schulz sagte, der Insolvenzverwalter habe soweit wie möglich "alle Mühlsteine weggeräumt": "Doch dann blieb das Thema Factoring." Dabei geht um die Vorfinanzierung des Versandgeschäfts durch die Banken. Die Investoren hätten Sicherheit für das gesamte Jahr 2010 gefordert, doch dazu seien die beteiligten Banken nicht bereit gewesen.

Bei Quelle gehe es nun darum, den Ausverkauf zu organisieren, sagte Schulz. "Das ist eine Riesenaufgabe. Wir müssen Klarheit darüber gewinnen, wie man den Ausverkauf von 18 Millionen Warenteilen auf 25 000 Paletten in die Tat umsetzen kann." Nach ersten Schätzungen werde man dafür in den kommenden Wochen noch etwa 3000 Mitarbeiter brauchen.

Für die Filetstücke der Primondo-Gruppe wie das Quelle- Auslandsgeschäft gebe es eine Reihe von Interessenten. "Die Drähte laufen heiß", sagte Schulz. Der Insolvenzverwalter spreche mögliche Investoren an, andere meldeten sich von selbst. Quelle ist Marktführer im Versandhandel in einer Reihe von osteuropäischen Märkten. Als interessante Unternehmensteile gelten daneben die Call Center, der Technische Kundendienst Profectis und der Homeshopping- TV-Sender HSE24.

Bundesagentur rüstet sich

Bei der Bundesagentur für Arbeit laufen unterdessen die Vorbereitungen für den erwarteten Ansturm von Quelle-Arbeitslosen auf Hochtouren. Die Bundesagentur rechnet mit rund 4000 Menschen, die zum 1. November in die Arbeitslosigkeit gehen. Bereits an diesem Freitag solle es eine Info-Börse für die rund 120 Auszubildenden des insolventen Versandhauses geben, sagte der Sprecher der Nürnberger Arbeitsagentur, Matthias Klar. Vom kommenden Montag an werden die Mitarbeiter in einer eigenen Außenstelle im Quelle-Versandzentrum in Fürth betreut.

Auch im Logistikzentrum Leipzig sowie im Quelle-Call-Center Magdeburg berät die Arbeitsagentur die Betroffenen. Im Einsatz in Leipzig seien etwa 15 Mitarbeiter, sagte Sprecher Hermann Leistner. Der Arbeitsagentur stünden fünf Räume zur Verfügung, in denen sie den 150 bereits Gekündigten Hilfe und Beratung anbiete. "Es gibt Stellen, aber leider zu wenige", sagte er. Der Leiter der Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen der Bundesagentur für Arbeit, Kay Senius, sagte: "Wir wollen den mehr als 800 Betroffenen vor Ort schnell und unbürokratisch helfen.

Quelle: n-tv.de, AFP/dpa

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04.09.09