Wirtschaft

Kein Betriebsrat - keine Probleme Servus TV sagt doch nicht Servus

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Schreck lass nach: Betriebsrat vom Tisch - Mateschitz lässt Servus TV weiter senden.

picture alliance / dpa

Die Ankündigung für das Aus des Senders Servus TV kommt überraschend. Und die neuerliche Kehrtwende ebenso. Offenbar hat die Drohung von Firmengründer Dietrich Matschitz gewirkt: Die Beschäftigten verzichten auf eine Selbstorganisation.

Überraschende Wende bei Servus TV: Die Ankündigung von Red-Bull-Eigentümer Dietrich Mateschitz, den Sender vom Netz nehmen zu wollen und alle Mitarbeiter zu kündigen, ist vom Tisch. Nach Gesprächen hätten sich alle Beteiligten dazu geeinigt, den Privatsender fortzuführen,teilte Servus TV in einer schriftlichen Stellungnahme mit.

Der Kanal mit Sitz in Salzburg sei wirtschaftlich nicht tragbar, hatte es in der Begründung für das Aus noch am Vortag geheißen. Außerdem habe die Initiative einiger Mitarbeiter, einen Betriebsrat gründen zu wollen, Mateschitz erzürnt. Die Idee eines Betriebsrates soll nun aber vom Tisch sein. Die überwiegende Mehrheit der Mitarbeiter würden einen solchen ablehnen: "Die Fortsetzung der partei-politischen unabhängigen Linie wird von allen Beteiligten begrüßt", hieß es.

Hinweise, wonach eine versuchte Betriebsratsgründung der Auslöser war, wurden der österreichischen Nachrichtenagentur APA zufolge von Mateschitz bestätigt: Es habe eine Initiative per anonymer E-Mail gegeben - "unterstützt von Gewerkschaft und Arbeiterkammer". Das habe dem Prinzip der Unbeeinflussbarkeit und Eigenständigkeit des Senders widersprochen.

"Akzeptanz", "Respekt" und "Verständnis"

Dem Kurswechsel war den Angaben zufolge ein Treffen von Arbeiterkammer, Gewerkschaft und dem Unternehmen Red Bull vorausgegangen. "Basierend auf gegenseitiger Akzeptanz und Respekt sowie dem Verständnis der jeweiligen Positionen und Standpunkte kam es zu einem konstruktiven Gespräch betreffend Servus TV", hieß es. weiter. Die Einigung biete eine gute Basis, um die jeweiligen Ziele zu erreichen. Für die mehr als 260 Mitarbeiter geht es nun weiter.

Bereits kurz nach Bekanntwerden der geplanten Schließung hatten sich in einem offenen Brief mehr als 200 betroffene Mitarbeiter zu Wort gemeldet. Sie schrieben, zu keiner Zeit einen Betriebsrat geplant zu haben.Gleichzeitig dankten sie dem "visionären Unternehmer" Mateschitz für sein langes Engagement.

Der Sender war 2009 gegründet worden. Auch in Deutschland sind die Programme zu sehen. Allerdings blieb der Sender trotz hoher Investitionen bestenfalls ein Nischenprodukt. Über zwei Prozent Marktanteil im Monatsschnitt ging es seit der Gründung kaum hinaus. Der gebürtige Steirer Mateschitz schuf mit "Red Bull" ein weltweites Getränkeimperium. Die Koffeinbrause ist in mehr als 160 Ländern erhältlich und gilt als wertvollste Marke Österreichs. Red Bull ist bekannt für geschickte Marketing-Aktionen und für das Sponsoring von unzähligen Sportarten. Neben Fußballvereinen besitzt Mateschitz auch ein erfolgreiches Formel-1-Team.

Quelle: n-tv.de, jwu/dpa

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