Wirtschaft

Abzocke von Bitcoin-Betrügern So funktioniert der virtuelle Enkeltrick

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Bitcoins sind begehrt.

(Foto: picture alliance / Eibner-Pressefoto)

Mit verblüffend simplen Methoden zocken Bitcoin-Betrüger auf Twitter und Youtube naive Krypto-Fans ab. Die können den Geldstrom anschließend zwar nachverfolgen, den Übeltäter aber nicht zwingen, das virtuelle Geld zurückzugeben - das ist der Nachteil der Bitcoin-Philosophie.

Der Stundenlohn eines Bitcoin-Betrügers ist beachtlich. Gut 1650 Dollar pro Stunde hat dieser hier verdient. Wie hat er das gemacht? Er hat auf Youtube einfach darum gebeten, ihm Bitcoin zu überweisen. Erstaunlich viele Menschen sind seinem Aufruf gefolgt. Knapp 24 Stunden später hatte er 40.000 Dollar in seiner virtuellen Geldbörse.

"Dieser Betrug klingt total banal", sagt Leon Berghoff von Sixtant, einer Hochfrequenz-Handelsfirma für Kryptowährungen. "Aber wenn man die komplette Welt mit so etwas erreichen kann, sind immer einige Leute dabei, die darauf hereinfallen."

Die allermeisten Bitcoin-Betrügereien funktionieren nach dem immer gleichen, verblüffend simplen Prinzip: In den allermeisten Fällen erstellt man sich auf Twitter einen Account, der genauso aussieht und heißt wie der eines berühmten Nutzers. "Zum Beispiel Bill Gates", sagt Krypto-Experte Berghoff. "Im Vornamen wird ein L aber durch ein großes i ersetzt. Mit einem passenden Bild sieht es aus wie der Account des echten Bill Gates."

Aus eins, mach zwei ...

Microsoft-Gründer Bill Gates kennt jeder. Cathie Wood, die derzeit vermutlich angesagteste Investorin der Wall Street, in der Börsen- und Krypto-Szene auch. Ihren Namen hatte sich der Youtube-Betrüger Mitte März für seine Abzocke "geliehen". Eine eckige Klammer vor ihren Namen, eine dahinter. Dann ein paar alte Videos von ihr in Dauerschleife abspielen, und schon sieht es auf den ersten Blick tatsächlich so aus, als ob die Bitcoin-Verfechterin gerade live auf Youtube sendet und über ihre neuesten Anlage-Tipps spricht.

Und dann gibt es da noch diese kleine Textbox in dem Video, die die Zuschauer zu einem Gewinnspiel einlädt: Jeder, der Bitcoins überweist, erhält die doppelte Menge zurück. Für einen halben bekommt man einen ganzen. Überweist man einen ganzen, gibt es zwei zurück und so weiter und so fort. Es ist die moderne Version des Enkeltricks. Virtuell, aber genauso billig und plump. Gerichtet an Nutzer, die so unerfahren wie gierig sind - und vom schnellem Geld träumen.

"Es ist überall das gleiche", sagt Leon Berghoff. "Wenn Elon Musk twittert, sieht man darunter in den Kommentaren Leute, die sein Bild kopieren und anderen Leute anbieten, ihre Krypto-Währung zu verdoppeln. Auf diese Weise wurden Menschen wahrscheinlich schon um Millionen von US-Dollar oder Euro gebracht. Das muss man einfach verstehen, dass Personen wie Elon Musk oder Bill Gates fremden Menschen nicht einfach Geld schenken. Man muss erklären, wie Krypto-Währungen und die Blockchain funktionieren, damit unerfahrene Nutzer keine Fehler begehen."

Wer ist zuständig? Niemand

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Beim Youtube-Betrug mit Cathie Wood im März war ein Bitcoin 61.000 Dollar wert. Wer also einen halben überwiesen hat, war wenige Sekunden später um gut 30.000 Dollar ärmer. Wo das Geld gelandet ist, weiß niemand, obwohl die Betrüger ganz offen angeben, wo die Bitcoins bitte hingeschickt werden sollen. Auf Webseiten wie blockchain.com kann sogar nachverfolgt werden, welche Adresse wann wie viele Bitcoins erhalten hat.

"Das ist eine der Eigenarten von Krypto-Währungen", sagt Berghoff. "Man kann jede Transaktion nachverfolgen. Aber wenn man die Adresse auf der Blockchain nicht mit einem Menschen in Verbindung bringen kann, hat man eigentlich keine Chance, denjenigen zu finden."

Und wenn man jemandem - absichtlich oder unabsichtlich - zu viele oder überhaupt Bitcoin geschickt hat, gibt es keinen Kundenservice, an den man sich wenden kann. Weigert sich der neue Besitzer, den Betrag zu erstatten, ist man aufgeschmissen. Der Staat ist nicht zuständig, es gibt keine Blockchain- oder Bitcoin-Aufsicht, und auch keinen privaten Aufseher.

Unrühmlicher Tag für Twitter

Es ist eine philosophische Frage: Wie viel Kontrolle soll der Staat über das eigene Vermögen haben? Im Falle von Bitcoin gar keine. "Das ist der Kern", sagt Krypto-Experte Berghoff. "Es geht darum, Intermediäre wie Banken auszuschalten oder zu umgehen. Das ist der Unterschied zu normalen Währungssystemen, bei denen ein Staat oder regulierte Unternehmen als zentrale Instanz dazwischen stehen."

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Vergangenen Sommer hat ein damals 17-Jähriger aus dem US-Bundesstaat Florida einen Mitarbeiter von Twitter reingelegt und die Kontrolle über gleich mehrere weltbekannte Accounts übernommen. Plötzlich warben der spätere US-Präsident Joe Biden, sein Vor-Vorgänger Barack Obama, Tesla-Chef Elon Musk, Bill Gates, Amazon-Gründer Jeff Bezos, der Unternehmens-Account von Apple und auch Kim Kardashian für das bekannte Modell: Schickt mir einen Bitcoin, ich schicke zwei zurück. Innerhalb weniger Stunden war der Teenager um 117.000 Dollar reicher.

Es war ein unrühmlicher Tag für Twitter und für die Bitcoin-Gemeinschaft. Aber der Teenager hatte einen Fehler gemacht, sein Name konnte mit seiner digitalen Portemonnaie-Adresse in Verbindung gebracht werden. Mitte März hat er vor Gericht ein Geständnis abgelegt und drei Jahre Gefängnis akzeptiert. Der nächste Bitcoin-Betrüger ist bestimmt nicht so doof. Seien Sie es auch nicht.

Quelle: ntv.de

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