Wirtschaft

Tesla ist ihr Meisterstück Cathie Wood, die Königin der Wall Street

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Die Meinung von Cathie Wood ist an der Wall Street gefragt.

(Foto: Alex Flynn, Bloomberg)

2014 gründet Cathie Wood ihre eigene Investmentgesellschaft. Sieben Jahre später verwaltet die 65-Jährige mit Ark Invest knapp 60 Milliarden Dollar. Vor allem junge Anleger liegen ihr zu Füßen. Weil sie auf Innovation setzt - und ihr Wissen kostenlos mit allen teilt.

Wenn es an der Wall Street ein Gesicht für die neue Anleger-Generation gibt, ist es Cathie Wood. Und zwar im wörtlichen Sinne: Junge Reddit- und Robinhood-Anleger bestellen T-Shirts und Pullover mit dem Bild der vermeintlich besten Investorin der Welt und ihrer Firma Ark Invest darauf und laufen damit stolz durch die Straßen. "Um die 65-Jährige existiert ein gewisser Personenkult", sagt auch Sandra Navidi, ntv-Finanzmarkt-Expertin im ntv-Podcast "Wieder was gelernt". "Sie sticht heraus an der Wall Street, weil es meistens nur Männer an der Spitze von Investmentfirmen gibt."

Ark Invest ist erst sieben Jahre alt, aber bisher eine absolute Erfolgsstory. Wer auf Youtube nach Cathie Wood sucht, findet Dutzende Videos mit ihr oder über sie. Und wenn die geschiedene dreifache Mutter in ihrem eigenen Kanal oder bei den großen amerikanischen Börsenportalen von Bloomberg, CNBC oder Yahoo erklärt, welchen Unternehmen und Ideen die Zukunft gehört, was sie vom Gamestop-Wahnsinn und von Bitcoin hält, und wie sie die Situation an den Märkten einschätzt, kleben Millionen Menschen an ihren Lippen. Und kaufen, was sie empfiehlt.

"Sie verkörpert diesen typischen New Yorker, der extrem smart und gut ausgebildet, aber auch in jedem Lebensstadium und Lebensalter wahnsinnig ambitioniert und hoch motiviert ist", sagt Navidi. "Sie hat drei Kinder und war schon vorher in ihrer beruflichen Laufbahn sehr erfolgreich. Sie hätte sich auch zur Ruhe setzen und sich ein paar schöne Jahre machen können. Stattdessen hat sie sich mit Mitte 50 selbstständig gemacht und anfangs viele Millionen von ihrem eigenen Geld in ihre Firma gesteckt."

Ein Meisterstück namens Tesla

"Cathie kann mir sagen, dass ich von einer Brücke springen soll, und ich mache das", ist die Art von Kommentar, die man häufiger auf Youtube oder bei den "WallStreetBets", dem berühmt-berüchtigten Anlageforum auf Reddit, über Wood liest. Denn die 65-Jährige hat erfolgreich eine Nische besetzt: Innovation.

"Sie investiert in Disruptoren. Das sind Firmen, die meist mit ganz neuer Technik und einem ganz neuen Konzept an den Markt kommen", erklärt Sandra Navidi. "Nehmen wir Tesla: Elon Musk hat nicht versucht, das Auto neu zu konzipieren. Er kam mit der Perspektive: Ich kreiere einen Computer, der Räder hat. Ein ganz anderer Denkansatz."

Tesla ist das Meisterstück von Cathie Wood. Anfang 2018 war eine Aktie des Autobauers ungefähr 300 Dollar wert. Elon Musk sprach damals ganz offen von einer "Produktionshölle" und baute vor dem Werk im kalifornischen Fremont eine Montagelinie in einem Zelt auf, um genügend Model 3 produzieren zu können. Von diesen Hiobsbotschaften ließ sich Wood nicht abschrecken. Stattdessen sorgte sie mit einer für damalige Verhältnisse aberwitzigen Prognose für Kopfschütteln an der Wall Street: In fünf Jahren werde eine Tesla-Aktie 4000 Dollar wert sein, sagte sie voraus. Man habe die neuen KI-Chips des Unternehmens genau unter die Lupe genommen, war einer der Gründe, den sie anführte. Tesla habe die Konkurrenz um drei, wenn nicht sogar vier Jahre abgehängt.

Wert im Krisenjahr verzwanzigfacht

Ihre Prognose war ein Volltreffer: Im vergangenen Sommer führte Tesla einen Aktiensplit durch. Aus einer wurden fünf Aktien, der Wert wurde durch fünf geteilt. Im Januar erreichte sie die neue Zielmarke von 800 Dollar. Cathie Wood behielt schon nach drei, nicht erst nach fünf Jahren recht.

Eine mutige Wette, die sich ausgezahlt hat: Parallel zum Kurs der Tesla-Aktie haben auch die fünf Fonds, die sie und ihr Team bei Ark aktiv managen, unglaublich an Wert gewonnen. 2020, im Corona-Krisenjahr, haben sie ihn von drei auf 60 Milliarden Dollar verzwanzigfacht.

Die Fonds sind klar nach Ideen und Branchen aufgeteilt: Im größten und wichtigsten, im Flaggschiff, finden sich 35 bis 55 Unternehmen aus dem Bereich Innovation wieder, der Lebensader von Ark. Im zweiten dreht sich alles um autonome Technologien und Robotik. Die anderen drei beschäftigen sich mit der nächsten Generation des Internets, Genomik und Fintech-Innovationen. Zwei Index-Fonds decken außerdem die 3D-Druck-Branche und die israelische Startup-Szene ab.

Wetten auf Square, Shopify, Zoom und Bitcoin

Das meiste Vertrauen hat Cathie Wood immer noch in Tesla. Das schöne Elektroauto ist die Oberfläche des Unternehmens von Elon Musk. Darunter entwickelt es Hochleistungschips für autonomes Fahren, bietet seinen Kunden eigene Versicherungen an und arbeitet an Ideen wie der, volle Batterien des Autos und speziell hergestellte Powerwalls als Stromspeicher und Notstromaggregate fürs eigene Zuhause zu benutzen. Tesla ist Autohersteller, KI-, Versicherungs- und Batterieunternehmen in einem. Und die Aktie laut einer neuen Analyse von Ark deshalb im besten Falle schon in vier Jahren 4000 Dollar oder das sechsfache ihres aktuellen Kurses wert.

Aufgrund dieser Aussichten ist Tesla in gleich drei Fonds von Ark mit jeweils knapp elf Prozent die mit Abstand größte Position. Jede einzelne ist eine Wette auf die Zukunft. Genauso, wie die anderen Firmen und Konzerne, die sich darin wiederfinden: zum Beispiel Square, das Finanz-Startup von Twitter-Chef Jack Dorsey. Oder Shopify, der unscheinbare Amazon-Herausforderer aus deutscher Hand. Die Videotelefonie-Software Zoom, die zum Homeoffice dazu gehört wie die Jogginghose. Und natürlich Bitcoin- und Blockchain.

Informationen frei verfügbar

"Es sind Technologien, die unsere Welt nachhaltig und sehr schnell verändern können", sagt ntv-Börsenexpertin Navidi. "Aber nicht nur unser Leben, sondern die gesamte Gesellschaft. Viele Unternehmen kosten Arbeitsplätze, weil sie ganze Branchen überflüssig machen - zum Beispiel das Taxigewerbe durch Uber. Auf diese Innovationen sind wir gesellschaftlich, politisch und wirtschaftlich schlecht eingestellt."

"Wieder was gelernt"-Podcast

"Wieder was gelernt" ist ein Podcast für Neugierige: Bekommt die Deutsche Bank ihr Geld von Donald Trump zurück? Warum müssen manche Berufspiloten Geld für ihren Job zahlen? Warum ist Chiphersteller TSMC das wichtigste Unternehmen auf der Welt? Hören Sie rein und werden Sie dreimal die Woche ein bisschen schlauer.

Alle Folgen finden Sie in der ntv-App, bei Audio Now, Apple Podcasts und Spotify. Für alle anderen Podcast-Apps können Sie den RSS-Feed verwenden. Kopieren Sie die Feed-URL und fügen Sie "Wieder was gelernt" einfach zu Ihren Podcast-Abos hinzu.

Um zu erkennen, welche Ideen und welche Unternehmen unsere Welt auf den Kopf stellen können, beschäftigt Ark eine kleine Armee von Analysten. Die kommen aber selten aus der Finanzbranche, stattdessen haben viele einen naturwissenschaftlichen Hintergrund. Es sind junge Frauen und Männer mit Abschlüssen in Mathematik, kognitiver Neurowissenschaft, Politik und öffentlicher Gesundheit. Epidemiologen, Statistiker, Chemie- und Biomolekular-Ingenieure, die Startups wie große Konzerne und deren Ideen auf Herz und Nieren prüfen und mit ihren Einschätzungen nicht hinter dem Berg halten: Ihre Recherchen stellen sie kostenlos ins Netz. Artikel über die neuen KI-Chips von Tesla sind für kleine Privatanleger genauso einsehbar wie Berichte über die besten Ideen des Jahres und über die Ideen, die man für schlecht oder überholt hält.

Die Trends der Zukunft

Physische Bankfilialen und der Frachtverkehr auf der Schiene? Für Ark sind das Errungenschaften der Vergangenheit. Telemedizin, virtuelle Gesundheitsvorsorge, Genom-Forschung, 3D-Druck und die Raumfahrt - das sind die Branchen, in denen die Naturwissenschaftler das nächste große Ding erwarten. Branchen, in denen viel schiefgehen und in denen es Jahre dauern kann, bis sich erste Erfolge einstellen - wenn überhaupt.

Eine riskante Strategie. Eine, die der Vermögensverwaltung, für die Cathie Wood früher gearbeitet hat, zu riskant war. Deshalb hat sie sich mit Mitte 50 selbstständig gemacht. Bisher erfolgreich. Aber sie kann auch sehr gefährlich sein: Allein in diesem Jahr haben kleine und große Anleger schon mehr als 15 Milliarden Dollar in die fünf Fonds von Ark investiert. Aber je mehr Geld die einsammeln, desto größer wird der Druck für die vermeintlichen Revoluzzer zu liefern. Was, wenn sie nicht können?

Quelle: ntv.de

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