Wirtschaft

Paukenschlag in Softwarebranche Software kauft IDS Scheer

Die Software AG will den Entwickler und Dienstleister IDS Scheer übernehmen und dafür 482 Mio. Euro auf den Tisch legen. Dies sind 15 Euro je Aktie und damit ein Aufschlag von fast 40 Prozent zu den am Montag gezahlten Preisen für eine IDS-Scheer-Aktie.

"Wir haben jetzt ein Premium von um die 35 Prozent bezahlt und ich glaube, das ist für diese exzellente Firma, die ja Weltmarktführer ist bei ihrem Segment, ein absolut angemessenes Premium", sagte Software-AG-Chef Karl-Heinz Streibich gegenüber n-tv. "Ich bin aber überzeugt, dass es auch für die Aktionäre attraktiv sein wird." An der Börse stiegen IDS-Scheer-Aktien um 38,4 Prozent auf 14,95 Euro und notierten damit fast auf dem Übernahmeangebot von 15 Euro je Aktie. Software AG fielen dagegen um 3,8 Prozent auf 48,30 Euro.

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Firmensitz der Software AG in Darmstadt.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Branchenexperten äußerten sich in ersten Kommentaren skeptisch. Die Commerzbank senkte ihre Anlageempfehlung auf "hold" von "add" und reduzierte ihr Kursziel deutlich auf 48 von 55 Euro. Das Geschäft verwässere das Gewinnprofil der Software AG, schrieben die Analysten. Dagegen werten die Analysten das Angebot aus Sicht der IDS als attraktiv. Sowohl die DZ Bank als auch die LBBW rieten ihren Kunden zur Annahme.

Hälfte schon erworben

Deutschlands zweitgrößter Softwarehersteller, der derzeit an der Börse mit 1,4 Mrd. Euro bewertet wird, hat sich bereits knapp 48 Prozent der Anteile und die Unterstützung der IDS-Gründer gesichert. "Wir haben natürlich die IDS Scheer schon seit längerem im Blickfeld gehabt, gar keine Frage", gab Streibich zu. Es hänge natürlich immer davon ab, ob man auch die Chance hat und die Chance kriegt, sie zu kaufen. "Wir haben sie jetzt gehabt. Es war ein 'window of opportunity' da und wir haben zugeschlagen." Das Angebot an die übrigen Aktionäre soll noch in diesem Quartal vorgelegt werden.

Die Software AG verspricht sich von der Übernahme bereits ab 2010 einen höheren operativen Gewinn je Aktie. "Die gemeinsame Strategie wird klar auf Wachstum ausgerichtet sein." Durch die Übernahme entstehe ein Hersteller für Infrastruktur-Software und Geschäftsprozess-Management mit mehr als 6.000 Mitarbeitern und mehr als einer Milliarde Euro Umsatz.

Die Produkte der beiden Unternehmen ergänzten sich, hieß es. Dadurch könne sich das Unternehmen im sich konsolidierenden Softwaremarkt eine gestärkte Wettbewerbsposition sichern. Die Übernahme will die Software AG zum größten Teil mit Schulden finanzieren. Für den 487 Mio. Euro schweren Zukauf sollen 385 Mio. Euro an Schulden aufgenommen werden, die das Darmstädter Unternehmen bis 2012 zurückzahlen will. Die restlichen 107 Mio. Euro sollten aus dem Barmittelbestand gezahlt werden. Eine Kapitalerhöhung sei derzeit nicht geplant, hieß es. Die Stiftung der Software AG wolle 45 Mio. Euro zur Finanzierung beitragen.

Die Darmstädter Software AG hatte zuletzt rund 3.600 Mitarbeiter in 70 Ländern. Das 1969 gegründete Unternehmen kam 2008 auf einen Umsatz von 721 Mio. Euro und will diesen im laufenden Jahr trotz Wirtschaftskrise leicht steigern. Zuletzt hatte das Unternehmen zudem angekündigt, bis 2011 einen Umsatz von mehr als eine Milliarde Euro anzupeilen. Dies hätte das Unternehmen mit der Übernahme auf einen Schlag erreicht. Das fusionierte Unternehmen soll bis 2011 eine Umsatzrendite im mittleren 20-Prozent-Bereich erreichen.

IDS im Umbruch

Das vom derzeitigen Bitkom-Präsidenten August-Wilhelm Scheer gegründete Unternehmen IDS Scheer hatte zuletzt mit sinkendem Umsatz und rückläufigen Margen zu kämpfen. Der seit vergangenem Herbst amtierende Chef Peter Gerard krempelt das Unternehmen, das rund 2.800 Mitarbeiter hat, derzeit kräftig um. Die Aktionäre honorierten diesen Kurs zuletzt bereits. Das Papier stieg im Laufe des Jahres um knapp 80 Prozent und damit deutlich stärker als der TecDAX.

August-Wilhelm Scheer hält derzeit 41 Prozent der Aktien und leitet den Aufsichtsrat des Unternehmens. Er hat dem Gebot über 15 Euro ebenso zugestimmt wie der Mitgründer und stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende Alexander Posay, der auf sieben Prozent der Anteile kommt. Sollten die übrigen Aktionäre der Offerte zustimmen, wird IDS Scheer rund zehn Jahre nach dem Börsengang wieder vom Kurszettel verschwinden. Mit der Übernahme von IDS Scheer würde eine weiteres Unternehmen der Neue-Markt-Zeit verschwinden.

Quelle: ntv.de, sla/dpa

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