Wirtschaft

Finstere Aussichten Solar Millennium brechen ein

Die prognostizierten 350 Mio. Euro Umsatz gehören der Geschichte an. Auch die Gewinnprognose kassiert Solar Millennium ein. Die Gründe dafür sind vielschichtig und beziehen auch den umstrittenen Ex-Chef Utz Claassen mit ein. Den Anlegern ist's egal: Der Aktienkurs sackt ab.

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Wie lange dauert die sprichwörtliche Sonnenfinsternis bei Solar Millennium? Umsatz- und Gewinnprognosen wurden kassiert.

Erneut muss der Solarkraftwerksentwickler Solar Millennium seine Ziele für 2010 eindampfen. Als Grund nannte der Vorstand Verzögerungen beim Finanzierungsabschluss für geplante Solarkraftwerke in Kalifornien. Wie die Firma mitteilte, wird in diesem Jahr nur noch mit einem Umsatz von 150 Mio. Euro gerechnet statt 350 Mio. Euro. Operativ werde das Ergebnis (Ebit) bestenfalls ausgeglichen sein.

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Solar Millennium hat Probleme mit Ex-Chef Utz Claassen.

(Foto: REUTERS)

An der Börse überwog indes die Enttäuschung: Die Titel stürzten um über 16 Prozent ab bei 15,73 Euro. Damit sind sie rund 65 Prozent weniger wert als noch zu Jahresbeginn. Damals sorgte der Amtsantritt von Firmenchef Utz Claassen für Kursfantasien. Der ehemalige EnBW-Vorstand wollte aus Solar Millennium einen "größeren Konzern" machen. Doch bereits nach wenigen Wochen warf Claassen bei Solar Millennium das Handtuch.

Mit seinem überraschenden Abgang Mitte März kamen Zweifel an der Rechtmäßigkeit der Solar-Millennium-Bilanzen auf. Eine Sonderprüfung ergab Korrekturbedarf bei Konzernabschlüssen vergangener Jahre. Zudem brockte die Millionen-Antrittsprämie für Ex-Chef Claassen und der Geschäftsausbau in den USA der Firma - die unter anderem auch bei dem internationalen Wüstenstromprojekt Desertec teilnimmt - zur Jahresmitte einen Verlust ein. Der Vorstand musste die Ebit-Prognose für 2010 um 15 Mio. auf 30 Mio. kappen.

Analysten geschockt

"Das ist eine furchtbare Nachricht, insbesondere im Hinblick darauf, dass sie kürzlich ihre Prognose bestätigt hatten", sagte ein Händler des Brokerhauses Alpha. Dies könne der Beginn eines ernsthaften Kursrückganges bei den Aktien des Unternehmens sein.

In den kommenden Jahren soll die Geschäftsentwicklung in ruhigeren Bahnen verlaufen: "Eine erfolgreiche Umsetzung der Kraftwerke in Blythe sollte uns über die nächsten Jahre hinweg einen bedeutenden Teil des operativen Geschäfts mit kontinuierlichen und stabilen Umsatzerlösen sichern", erklärte Finanzvorstand Oliver Bamberger.

Quelle: ntv.de, DJ/rts