Wirtschaft

Für Sonnenanbeter wird's zappenduster Solar Millennium ist pleite

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Das Sterben in der deutschen Solarbranche geht weiter. Eine Woche nach der Insolvenz von Solon streckt der Solarkraftwerk-Hersteller Solar Millennium die Flügel. Damit verdüstern sich die Perspektiven für die gesamte einstige Vorzeigebranche immer weiter. Für Schlagzeilen hatte Solar Millennium jedoch schon vor der Pleite gesorgt.

Der Kraftwerkbauer Solar Millennium kam in den vergangenen Jahren einfach nicht auf einen grünen Zweig: Nach zahllosen schlechten Nachrichten und einer verwirrenden Gemengelage aus ständigen Führungswechseln, aufsehenerregenden Prozessen sowie Gerüchten über Bilanztricks und Insidergeschäfte hat das Erlanger Unternehmen Insolvenz angemeldet.

Dabei ist die zugrundeliegende Geschäftsidee angesichts der Energiewende eigentlich sehr aussichtsreich. Mit Hohlspiegeln wollte Solar Millennium die Strahlen der Sonne auf Rohre lenken und darin Flüssigkeit erhitzen. Der dabei entstehende Dampf treibt Turbinen an - so kann gerade an sonnenreichen Standorten viel Energie entstehen. Dass das klappt, hatte Solar Millennium bei Pilotprojekten in Spanien bewiesen - sogar der Energiekonzern RWE beteiligte sich an einem Kraftwerk. Die Franken sollten auch das Wüstenstromprojekt Desertec mit Technik versorgen.

Milliardeninvestitionen zu ambitioniert

Den endgültigen Durchbruch versprach sich das börsennotierte Unternehmen vom Bau eines gigantischen Großkraftwerks im kalifornischen Blythe: Mit 1000 Megawatt sollte es die Leistung eines Atomkraftwerks erreichen - das wäre Weltrekord gewesen. Doch die Gesamtinvestitionen von rund 2,8 Mrd. Euro waren für das kleine Unternehmen gigantisch hoch. Auch wenn die US-Regierung das Projekt großzügig fördern wollte, kam es immer wieder zu Verzögerungen - vor allem fehlten weitere Investoren. Erst Ende vergangenen Jahres folgte der Spatenstich.

Im August dann die überraschende Wende: Statt der so lange angepriesenen Solarthermie sah sich Solar Millennium auf einmal dazu gezwungen, auf herkömmliche Photovoltaik zu setzen - auch wenn das Unternehmen bis dato gar keine Erfahrungen mit den Modulen hatte. Eine Kreditgarantie der US-Regierung ging daraufhin verloren. "Die Solarthermie ist durch den Preisverfall im Photovoltaik-Bereich nicht mehr konkurrenzfähig", erläuterte Wolfgang Hummel vom Zentrum für Solarmarktforschung.

Auch Solon pleite

Nicht nur einzelne Unternehmen, sondern die gesamte deutsche Solarbranche steckt in einer massiven Krise. Vor allem die Billigkonkurrenz aus China macht den Firmen zu schaffen, doch auch staatliche Förderkürzungen. Erst Mitte Dezember hatte der Berliner Solarmodulhersteller Solon Insolvenz angemeldet. Auch in den USA war es zu mehreren Pleiten gekommen.

Solar Millennium war zum Zeitpunkt des Technologiewechsels schon mit 40,7 Mio. Euro im Minus, ein Anstieg um 42 Prozent im Vergleich zum ersten Halbjahr des vorhergehenden Geschäftsjahres. Dass die Finanzen nicht gerade solide sind, schlossen Beobachter auch aus den immer wieder verschobenen Terminen für Mitteilungen und Prognosen. Da bei Solar Millennium immer lange Zeit wenig, dann aber auf einen Schlag sehr viel Geld floss, waren die Stichtage entscheidend.

Wenige Wochen nach dem Technologieschwenk im Prestigeobjekt Blythe folgte die Nachricht, dass sich Solar Millennium komplett vom schwierigen US-Markt zurückziehe und den Bau des Großkraftwerks einem anderen Unternehmen überlasse. Auch bei anderen Projekten prüfe man den Wechsel auf die neue, wesentlich billigere Photovoltaik, hieß es wenig später.

Personalakte Claasen

Auch einer der spektakulärsten Rücktritte der vergangene Jahre deutete darauf hin, dass bei Solar Millennium schon länger einiges im Argen lag: Nach nur 74 Tagen im Amt des Vorstandschefs warf der frühere EnBW-Manager Utz Claassen im März 2010 das Handtuch. Die genauen Gründe blieben damals unklar. Eine Sonderprüfung des Unternehmens ergab jedoch keine Bilanzunregelmäßigkeiten.

Es folgte ein zäher und teils mit schwerem Geschütz ausgetragener Rechtsstreit um die Rechtmäßigkeit der Kündigung sowie um 9,2 Mio. Euro, die Claassen im Rahmen seines Antrittes erhalten hatte - auch dies eine schwere Hypothek für den kriselnden Kraftwerkbauer. Darüber hinaus setzte sich nach Claassens Rücktritt ein bemerkenswertes Personalkarussell in Bewegung.

Zum Jahresbeginn 2011 übernahm der ehemalige McKinsey-Mann Christoph Wolff das Ruder - er hielt bis Oktober durch. Noch am gleichen Tag wurde das bisherige Vorstandsmitglied Jan Withag zum Chef ernannt. Damit reduzierte sich der Vorstand auf nur noch zwei Personen. Nur wenige Tage vor diesem Wechsel war auch Solar-Millennium-Gründer und -Aufsichtsratsmitglied Hannes Kuhn zurückgetreten, nachdem mehrere Strafanzeigen wegen Untreue, Insidergeschäften, Prozessbetrug und Urkundenfälschung gegen ihn eingegangen waren. Kuhn selbst nannte eine Medienkampagne als Grund seines Rücktritts.

Jüngst gab Solar Millennium dann zwei Nachrichten bekannt, die offenbar der finale Schlag für das taumelnde Unternehmen waren: Die Verhandlungen über den Verkauf von Blythe verzögerten sich, in diesem Jahr sei nicht mehr mit einem Abschluss zu rechnen. Und: Die Finanzierung des Projekts Ibersol in Spanien über einen öffentlichen Fonds sei gescheitert. Die Gelder der oftmals privaten Anleger liegen nun auf einem Treuhandkonto. Die Aktie des Unternehmens krachte bis zum Abend auf nur noch 44 Cent.

Quelle: ntv.de, nne/dpa