Wirtschaft

Von Q-Cells bis Conergy Solarbranche am Wendepunkt

Der wachsende Konkurrenzdruck in der Solarindustrie macht den deutschen Branchenvertretern zu schaffen. Die einstigen Pioniere kämpfen mit zum Teil deutlichen Verlusten. Aber es gibt auch die berühmte Ausnahme von der Regel.

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Der Heimatmarkt macht Deutschlands Solarfirmen zu schaffen. Das Auslandsgeschäft ist hart umkämpft - aber es muss gestärkt werden.

(Foto: picture alliance / dpa)

Förderkürzungen im weltweit größten Solarmarkt Deutschland treffen die einheimischen Vertreter ins Mark. Die Branche reagiert und stärkt ihr Auslandsgeschäft. Der Konkurrenzdruck ist dort aber groß und so fällt der Start ins Jahr 2011 bei Q-Cells, Conergy und Solarworld höchst unterschiedlich aus.

Wie aus den aktuellen Quartalsberichten hervorgeht, kommt das Photovoltaik-Unternehmen Solarworld am besten mit den verschärften Marktbedingungen zurecht. Die Gesellschaft konnte Umsatz und Gewinn von Januar bis März im Vergleich zum Vorjahreszeitraum steigern. Der Erlös kletterte von 226 Mio. auf 233 Mio. Euro. Unter dem Strich erwirtschaftete das Bonner Unternehmen 12,5 Mio. Euro, nach zuvor 5,3 Mio. Euro. Die meisten Analysten hatten einen niedrigeren Gewinn erwartet.

Solarworld, stark in den USA vertreten, deckt die gesamte Wertschöpfungskette ab - vom Silizium bis zu Solarmodulen - und hat damit die Kosten besser im Griff. Zum Ausblick äußerte sich Solarworld dennoch nicht. Vor wenigen Wochen hatte Vorstandschef Frank Asbeck gesagt, dieses und kommendes Jahr solle es Umsatzsteigerungen geben. Eine Gewinnprognose wollte der Chef des im TecDax notierten Unternehmens damals mit Blick auf die unsichere Preisentwicklung nicht abgeben.

China drückt

Vor allem chinesische Anbieter machen den deutschen Herstellern das Leben schwer. Sie haben niedrigere Personalkosten und einen durch den Staat unterstützten Zugang zu Finanzmitteln. Daher baut Solarworld vor allem das Geschäft in den USA aus.

Conergy, die seit Jahren ums Überleben kämpfende Gesellschaft wies einen Verlust von 20,7 Mio. Euro aus. Das ist viermal schlechter als vor einem Jahr. Dank des wachsenden Auslandsgeschäfts stieg der Umsatz aber um 8,6 Prozent auf 163,3 Mio. Euro.

"Wie schwierig der Markt derzeit ist, hat uns auch der Start in das zweite Quartal gezeigt, in dem die Erholung und Belebung des Marktes nicht so früh kommt wie erwartet", sagte Conergy-Finanzchef Sebastian Biedenkopf.

Schwierige Zeiten

An seiner Prognose, das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) in diesem Jahr von 30,1 Mio. Euro"«auf einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag" steigern zu wollen, hält Conergy noch fest. Allerdings machte das Unternehmen deutlich, dass sich der Markt schlechter als erwartet entwickelt. Vor allem der Preisdruck sei größer. Damit werde das Erreichen der Ergebnisziele schwieriger.

Das Conergy-Management plant, die Schulden mit Hilfe einer Kapitalerhöhung um 188 Mio. auf zunächst rund 135 Mio. Euro zu senken und das Unternehmen so von Zinslasten zu befreien. In der Folge dürfte die Gesellschaft von Hedgefonds kontrolliert werden, die Conergy in der Vergangenheit mit Krediten unterstützt hatten.

Q-Cells kassiert Prognose

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Wenig Konkretes von Q-Cells.

(Foto: picture alliance / dpa)

Auch Q-Cells hält sich mit einem Ausblick bedeckt: Wegen "der bestehenden hohen Unsicherheiten über die weitere Entwicklung von Einkaufs- und Verkaufspreisen" kassierte der Vorstand die Jahresprognose. Aussagen über das operative Ergebnis im laufenden Jahr könnten derzeit nicht gemacht werden, teilte das Unternehmen in Bitterfeld-Wolfen mit.

Bisher war das Unternehmen offiziell von einem Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) "in etwa auf Höhe des Vorjahres" (82,3 Mio. Euro) ausgegangen. Wenn die Marktnachfrage im zweiten Halbjahr 2011 anziehe, die Verkaufspreise sich stabilisierten, die Preise für Wafer und Silber nachgäben sowie die geplanten Projekte im Systemgeschäft realisiert werden könnten, sei von einem positiven operativen Ergebnis für das Gesamtjahr auszugehen, hieß es nun.

Umsatz fast halbiert

Beim Umsatzausblick äußerte sich Q-Cells nur wenig konkreter: "Das Ziel des Unternehmens, einen Umsatz in etwa auf Höhe des Vorjahresniveaus zu erreichen, steht unter der Voraussetzung einer stärkeren Marktnachfrage im zweiten Halbjahr 2011 und einer entsprechenden Auslastung der Produktionskapazitäten." 2010 hatte Q-Cells einen Rekordumsatz von 1,35 Milliarden Euro erzielt.

Im ersten Quartal verlief die Entwicklung überwiegend enttäuschend. Aufgrund der "schwachen Marktnachfrage" brach der Umsatz um rund 46 Prozent zum entsprechenden Vorjahreszeitraum auf 125,1 Mio. Euro ein. Analysten hatten hingegen nur mit einem Rückgang auf 155 Mio. Euro gerechnet.

Anlagenbauer sind die Gewinner

Anders als die Modul- und Zellhersteller gehören die Solarausrüster wie Manz und Centrotherm zu den Gewinnern. Sie profitieren von der steigenden Nachfrage der mit ihren Kosten ringenden Firmen nach effizienten Produktionsanlagen. So konnte Manz seinen Erlöse im ersten Quartal verdreifachen. "Wir vespüren derzeit eine gute Nachfrage in allen Geschäfsbereichen", betonte Finanzvorstand Martin Hipp.

Gleichlautend hatte sich Centrotherm-Finanzvorstand Thomas Riegler in den vergangenen Tagen geäußert. "Wir haben einen sehr starken Zuspruch für die Erneuerung mit modernsten Technolgien".

Quelle: n-tv.de, Thomas Badtke mit dpa/rts

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