Wirtschaft

China: Fluch oder Segen? Solarbranche im Umbruch

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(Foto: picture alliance / dpa)

Die Preise für Solarzellen brechen ein. Allein 2011 fallen sie um bis zu 50 Prozent. Das Resultat: Der weltweite Konkurrenzkampf wächst - und deutsche Unternehmen haben immer mehr das Nachsehen. Solon ist pleite, Sunways bald in chinesischer Hand. Weitere Kooperationen sind denkbar. Aber sind sie auch die Lösung des Problems?

Für die einen ist es ein Fluch, für einige andere ein Segen: Die Stärke der chinesischen Solarunternehmen bereitet vielen hiesigen Branchenvertretern arge Probleme. Die Hersteller aus China drängen dank staatlicher Unterstützung mit Billigangeboten in den ohnehin schwachen Markt und sorgen für Preiseinbrüche. Für Solarzellen fielen sie laut Experten 2011 um bis zu 50 Prozent. Einigen deutschen Vertretern kommen die Chinesen aber wie gerufen. Jüngstes Beispiel: Die chinesische LDK Solar will die süddeutsche Sunways übernehmen.

Der Einstieg von LDK Solar als einer der umsatzstärksten Photovoltaik-Konzerne der Welt kommt Sunways gelegen. Das Unternehmen aus Konstanz, das unter anderem Photovoltaik-Installationen für Gebäudefassaden baut, schrieb in den ersten neun Monaten 2011 einen Verlust von 8,7 Mio. Euro. Den Chinesen geht es um die Marke. Eine Investition in ein deutsches Unternehmen erleichtert den Markteintritt hierzulande. Auch andere deutsche Vertreter - etwa Wackelkandidat Conergy - können sich eine Kooperation mit Chinesen vorstellen.

Reiz der starken Marke

Die Frage ist Experten zufolge aber, ob sich Interessenten aus der Volksrepublik finden. Zwar hat etwa Branchenriese Suntech generelles Interesse an deutschen Herstellern bekundet, getan hat sich aber bislang nichts. Wolfgang Hummel vom Zentrum für Solarmarktforschung rechnet somit nicht mit einer Übernahmewelle aus Fernost.

Da viele Chinesen ohnehin auf deutschen Anlagen produzierten, liege der Reiz selten im Technologietransfer, sondern eben auf der starken Marke. Hummel verweist auf den kürzlich in die Pleite gerutschten Berliner Hersteller Solon, für den sich kein Interessent fand. Auch Q-Cells ist bei seiner Partnersuche bisher nicht vorangekommen.

Experten rechnen mit weiteren Insolvenzen

Auf der anderen Seite stehen die Unternehmen, die erbittert gegen die Konkurrenz aus China kämpfen, allen voran die Bonner Solarworld. Das Unternehmen geht in den USA rechtlich gegen Dumpingpreise aus China vor und hofft, dass bald Zölle auf chinesische Lieferungen eingeführt werden. Offizielle Mitstreiter im Kampf gegen die Billiganbieter aus Fernost findet Solarworld auf die Schnelle aber weder in Deutschland noch in den USA - zu sehr sind die Unternehmen schon heute mit den Chinesen in Handelsbeziehungen verwoben.

So oder so wird auch das Jahr 2012 für die Solarunternehmen zur Herausforderung. Experten rechnen mit weiteren Insolvenzen, zuletzt traf es Ende Dezember den Solarthermie-Spezialisten Solar Millennium. Neben Preisdruck und Überkapazitäten kämpfen die Hersteller mit Finanzierungsproblemen. Zuletzt wurden aus den Reihen von Union und FDP zudem Stimmen für eine Deckelung der Solarförderung lauter.

Die Photovoltaik trägt bisher 3 Prozent zum gesamten Strommix bei, alle erneuerbaren Energien zusammen genommen kommen auf 20 Prozent. Die Bevölkerung steht einer aktuellen Umfrage zufolge weiter dahinter. 61 Prozent der Deutschen würden für den Ausbau der Erneuerbaren höhere Strompreise in Kauf nehmen, ergab die Befragung des Forsa-Instituts - frühere Umfragen hatten jedoch zum Teil noch eine höhere Bereitschaft ermittelt.

Quelle: n-tv.de, Nadine Murphy, dpa

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