Wirtschaft

Wall-Street-Proteste gehen weiter Soros versteht die Demonstranten

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Wall-Street-Proteste jetzt auch in LA

(Foto: AP)

Die Wall-Street-Proteste halten nicht nur an, sondern breiten sich sogar über die USA aus. Auch in Boston, Chicago und Los Angeles machen die Demonstranten ihrem Ärger über die Finanzkrise Luft. Unterstützung kommt jetzt von unerwarteter Seite: Börsenspekulant George Soros äußert Verständnis für die Bewegung.

Die Protestbewegung gegen die Übel des Kapitalismus breitet sich allmählich in den USA aus. Die zumeist jugendlichen Demonstranten geben die unterschiedlichsten Auskünfte, was sie zur Teilnahme bewegt - Verärgerung über Rettungspläne für reiche Banken, Finanznot von Studenten und kleinen Leuten, Polizeistaat-Methoden.

Sie ziehen Parallelen zum Umbruch in der arabischen Welt, zu den Protestcamps der "Indignados" ("Empörten") in Spanien und zur Anti-Vietnamkriegs-Bewegung in den 1960er Jahren. Die Auskünfte mögen vielfältig sein, die Wall-Street-Protestbewegung tritt indes in ihre dritte Woche ein. Und sie hat Nachahmer über New York hinaus gefunden, etwa in Boston, Chicago und Los Angeles.

Prominente Unterstützung

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Verständnisvoll: George Soros

(Foto: AP)

Unerwartet erhielten die Wall-Street-Protestler am Montag Unterstützung vom Milliardär George Soros. "Offen gesagt kann ich ihre Gefühle verstehen", sagte der Finanzguru. Auf der einen Seite müssten Kleinunternehmer mit immer höheren Zinsen kämpfen, auf der anderen Seite fahre die Finanzbranche riesige Gewinne ein und habe Spielraum für üppige Bonuszahlungen.

Zuvor hatten sich andere Prominente wie Schauspielerin Susan Sarandon oder Filmemacher Michael Moore als Sympathisanten geoutet. Die Protestbewegung hofft nun auf Rückenwind von den Gewerkschaften. Auf täglichen Vollversammlungen wird darüber beraten, wohin die Reise gehen soll.

Damals Vietnam, heute Wall Street

"Es hat noch immer klein angefangen", sagt die 61-jährige Eleanor Buckley, die an Jugendliche in Chicago Getränke und Essen verteilt. "In unserer Generation gingen die Leute wegen Vietnam auf die Straße - und wir haben die Dinge verändert. Jetzt passiert hier dasselbe." Die Zeit werde zeigen, welches Ausmaß die Proteste noch annähmen.

Auf die unterschiedlichsten Weisen stärken Passanten den Protestierenden den Rücken. Autofahrer hupen aufmunternd, und eine regelrechte Spendenflut hat eingesetzt. Die Unterstützer seien "sehr großzügig", schwärmt die Kunststudentin Victoria Sobel, die spontan ins Finanzkomitee delegiert wurde. "Wir haben wohl schon an die 35.000 Dollar erhalten."

Als die ersten Aktivisten vor zwei Wochen im Zuccotti-Park, unweit von der Wall Street, ihre Transparente und Schlafsäcke ausrollten, waren zunächst die Vergleiche mit den Protesten am Tahrir-Platz in Kairo in aller Munde. Inzwischen ist klar, dass die Parallelen zum Umbruch in den arabischen Staaten eher minimal sind. Die Zahl der Demonstranten bleibt überschaubar, der Sturz der Regierung steht nicht auf dem Programm, die Sicherheitskräfte schießen nicht auf die Protestteilnehmer. Da gibt es schon eher Gemeinsamkeiten mit den Protesten in Spanien, Italien und Griechenland. Denn die Kritik entzündet sich vor allem an der Unfähigkeit der westlichen Regierungen, mit der Finanzkrise fertig zu werden.

Viele Gründe, gleicher Ärger

Bei alledem bleibt es schwer, die Konturen der Protestbewegung nachzuzeichnen. Frust über Arbeitslosigkeit mischt sich mit Verärgerung über die ungleiche Einkommensverteilung, Erderwärmung und Ellenbogengesellschaft. "Jeder hat andere Gründe, andere Ziele, warum er hier ist", sagt der 28-jährige Anthony. Er kümmert sich bei den Protesten nahe der Wall Street um organisatorische Fragen, will aber nicht als Verantwortlicher angesehen werden. Was ihm vorschwebt, klingt nach einer realen Utopie: "Ein sicherer Ort, autonom und unabhängig von den Gesetzen der Außenwelt."

Einer der Impulsgeber ist die kanadische Bewegung gegen Konsumterror Adbusters. Sie forderte vor zwei Wochen zum Marsch auf die Wall Street in New York auf - das Symbol des Finanzkapitalismus schlechthin. Die Polizei jedoch sperrte alle Straßen nahe der Börse in Manhattan ab und ließ keine Demonstranten durch. Die Organisatoren ließen sich von dem ersten Misserfolg nicht beeindrucken. Am Samstag schwoll die Bewegung so stark an, dass sie die Brooklyn Bridge blockieren konnte. Das ging der Obrigkeit zu  weit. Rund 700 Teilnehmer der Proteste wurden vorübergehend festgenommen, viele müssen damit rechnen, wegen Störung der öffentlichen Ordnung vor Gericht zitiert zu werden.

Quelle: ntv.de, sla/AFP

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