Wirtschaft

"Es wird noch Jahre dauern" Spanien verliert Bestnote

Die Ratingagentur Moody's entzieht den Spaniern den begehrten Status als Top-Schuldner am Finanzmarkt. Der Zeitpunkt ist pikant: Erst am Vortag hatten IWF-Experten gefordert, die Macht der Ratingagenturen zu beschneiden.

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Folklore hin oder her: Spanien muss seine Probleme im Immobilienmarkt lösen.

(Foto: REUTERS)

Die Schuldenkrise vertreibt Spanien aus dem Kreis der kreditwürdigsten Staaten. Nach S&P und Fitch hat nun auch die Ratingagentur Moody's ihre Bestnote für spanische Staatsanleihen zurückgezogen. Das Land kämpft mit den Auswirkungen der Konjunkturflaute, einer auf die Baubranche ausgerichteten Wirtschaftsstruktur und hohen Schulden. Die Bonität werden nicht mit mehr mit der Bestnote "Aaa" bewertet, sondern um eine Stufe auf "Aa1" gesenkt, teilte Moody's mit. Weitere Herabstufungen drohen vorerst nicht: Der Ausblick sei "stabil".

Die Analysten der Ratingagentur begründeten ihren Schritt mit der schwindenden Finanzkraft des Staates und den schlechten Konjunkturaussichten. Es werden noch Jahre dauern, bis sich Spanien von seiner Abhängigkeit vom Bausektor lösen könne. Bis zum Ausbruch der Finanzkrise hatte Spanien einen kräftigen Aufschwung erlebt, der von einem beispiellosen Bauboom befeuert wurde. Die Wirtschaft werde in den kommenden Jahren im Schnitt nur um ein Prozent wachsen können, hieß es.

Bis zum Ausbruch der Finanzkrise hatte Spanien einen kräftigen Aufschwung erlebt, der von einem beispiellosen Bauboom befeuert wurde. Das Platzen der Blase am Immobilienmarkt hatte die Folgen der Krise in Spanien dann zusätzlich verstärkt. Im Kampf gegen die hohe Verschuldung will Regierungschef Jose Louis Rodriguez Zapatero demnächst seinen Sparhaushalt für 2011 im Parlament vorstellen. Der Entwurf sieht unter anderem einen Abbau der Nettoschuldenaufnahme von zuletzt 76,2 Mrd. Euro auf 43,3 Mrd. Euro vor. An der Prognose eines Wachstums von 1,3 Prozent im kommenden Jahr hält die Regierung fest.

Der Rückfall droht

Volkswirte befürchten allerdings, dass Spanien in die Rezession zurückfallen könnte. Der spanischen Notenbank zufolge hat sich die ohnehin nur schleppende Erholung im laufenden Quartal weiter abgeschwächt. Moody's-Analystin Kathrin Mühlbronner mahnte daher zusätzliche Schritte der Minderheitsregierung an. "Spanien wird weitere Strukturreformen brauchen, um sein Defizit zu senken", sagte sie. Die Regierung kritisierte die Wachstumsprognose von Moody's als "sehr pessimistisch".

"Wir sind beim Defizit-Abbau auf dem richtigen Weg", sagte Wirtschaftsministerin Elena Salgado. Gegen die Sparpläne der Regierung laufen die Gewerkschaften allerdings Sturm. Am Vortag erst hatten sie mit dem ersten Generalstreik in Spanien seit acht Jahren ihre Muskeln spielen lassen. Trotz der Konjunkturkrise geht Moody's aber davon aus, dass die Regierung das Staatsdefizit wie geplant senken kann. Sie will den Fehlbetrag bis 2013 mit Hilfe eines Sparprogramms auf drei Prozent des Bruttoinlandsproduktes drücken, in diesem Jahr wird er sich auf etwa 9,3 Prozent belaufen.

Stabil auf Stufe 2

Die Herabstufung Spaniens war am Markt bereits erwartet worden. Offen blieb bis zuletzt allerdings, ob Moody's die Note um eine oder zwei Stufen senken wird. Positiv aufgenommen wurde der stabile Ausblick. "Damit dürfte da erst einmal Ruhe im Karton sein", meinte n-tv Korrespondent Frank Meyer.

Erst am Vortag hatten Experten des Internationalen Währungsfonds (IWF) Regeln für den Umgang mit Ratings gefordert. Ratingagenturen sollten demnach deutlich weniger Einfluss als bisher auf Wertpapiergeschäfte von Investoren und staatlichen Institutionen haben. "Weil Ratings in verschiedenen Regeln, Regularien und Auslösemechanismen eingebettet sind, kann eine Herabstufung zu destabilisierenden Folgeeffekten führen", hieß es in einer IWF will Einfluss beschränken .

Quelle: n-tv.de, mmo/rts

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