Wirtschaft

Rückzieher kurz vor der Linie Talanx bläst Börsengang ab

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Nicht zu jedem Preis an den Markt: Der Hauptsitz der Versicherungsgruppe Talanx in Hannover-Lahe.

(Foto: dpa)

Der deutsche Versicherungsriese Talanx legt seine von langer Hand geplanten Börsenpläne überraschend auf Eis. Talanx-Chef Haas zieht wenige Wochen vor dem Starttermin die Notbremse. Er spricht von unterschiedlichen Preisvorstellungen zwischen Anteilseignern und Investoren.

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Muss kurz vor dem Ziel die Zügel herumreißen: Herbert Haas (Archivbild).

(Foto: picture alliance / dpa)

Der Versicherungskonzern Talanx bläst seinen seit Jahren vorbereiteten Börsengang ab. Es habe sich herausgestellt, dass die Preisvorstellungen der Investoren und des Unternehmens zu weit auseinanderliegen, teilte Talanx überraschend am Abend mit. Die Interessenten unter den Großanlegern hätten zu große Abschläge für die Aktien verlangt, hieß es.

"Die Höhe des von den Investoren geforderten Abschlags auf den Unternehmenswert war weder für uns noch für unseren Anteilseigner akzeptabel", sagte Vorstandschef Herbert Haas. Der Sprung aufs Parkett war eigentlich für den Herbst geplant. Finanzkreisen zufolge sollte es bereits Ende September losgehen.

"Wir haben immer betont, dass wir die Aktien nicht zu jedem Preis an den Markt bringen werden", erklärte Haas weiter. Analysten hatten für Talanx einen Firmenwert von mehr als fünf Milliarden Euro errechnet.

Noch am Wochenende hatte Haas gesagt, nur eine Katastrophe wie ein Erdbeben könne Talanx von seinen Börsenplänen abhalten. Potenzielle Käufer waren bereits für Freitag zu Präsentationen mit dem Management geladen worden. Der Vorstand wollte anschließend in Frankfurt, London, New York, aber auch in Paris und in der Schweiz auf die übliche "Roadshow" gehen.

Federführend begleitet wurde der Talanx-Börsengang früheren Angaben zufolge von der Citigroup, der Deutschen Bank und JP Morgan. In der zweiten Reihe standen unterstützend Barclays und Berenberg bereit. Rothschild wurde als Berater engagiert.

"Die Erstnotiz ist noch in diesem Monat geplant - das sollten wir schaffen", hieß es noch am Morgen aus dem Umfeld der beteiligten Banken. Mit dem Schritt an die Börse wollte Talanx rund 700 Mio. Euro bei Investoren einsammeln, dazu sollten 300 Mio. Euro vom japanischen Partner Meiji Yasuda kommen, der eine Wandelanleihe in Aktien tauschen wollte. Ausgegeben werden sollten nur neue Aktien aus einer Kapitalerhöhung.

Talanx ist Deutschlands drittgrößter Versicherungskonzern mit schwergewichtigen Töchtern wie Hannover Rück. Talanx ist mit 50,2 Prozent an der Nummer vier unter den weltweiten Rückversicherern beteiligt, die mehr als die Hälfte zum operativen Gewinn von Talanx beisteuert.

Der "Eisbrecher" kehrt um

Der überraschende Rückzug dürfte an den Börsen für Aufsehen sorgen: Talanx wäre der erste klassische Börsengang eines deutschen Unternehmens in diesem Jahr gewesen. Viele Börsenkandidaten hatten wegen der unsicheren Aktienmärkte im Zuge der Staatsschuldenkrise ihre IPO-Pläne auf Eis gelegt.

Auch Talanx hatte den Sprung schon für Ende Juni konkret geplant, das Vorhaben aber nie öffentlich gemacht. Der Rüstungskonzern Rheinmetall macht Rückzieher hatte die Börsenpläne für seine Autozuliefer-Tochter KSPG im Juni bereits zum zweiten Mal binnen eines Jahres gestoppt. Siemens will seine Licht-Tochter Osram will 3000 Jobs streichen zwar Anfang 2013 an die Börse bringen, die Aktien aber nur an die eigenen Aktionäre ausgeben.

Für das vierte Quartal dieses Jahres hat auch die spanische Telefonica für ihre deutsche Mobilfunk-Tochter O2 soll an die Börse einen Börsengang in Aussicht gestellt.

Der US-Konzern Rockwood hat ähnliche Pläne für seine deutsche Chemie-Tochter Sachtleben öffentlich gemacht. Als Börsenkandidat weiterhin gehandelt wird auch der Chemiekonzern H.C. Starck, der dem Finanzinvestor Advent gehört.

Quelle: n-tv.de, dpa/rts

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23.04.09