Wirtschaft

Joint Venture mit AT&T? Telekom arbeitet an Plan B

Der Widerstand der US-Wettbewerbshüter gegen den Verkauf von T-Mobile USA an den US-amerikanischen Branchenriesen AT&T lässt die Deutsche Telekom über Alternativen nachdenken. Statt eines Verkaufs könnte man auch zusammengehen.

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(Foto: Reuters)

Die Deutsche Telekom und AT&T erwägen einem Zeitungsbericht zufolge, auf dem US-Mobilfunkmarkt ein Gemeinschaftsunternehmen zu gründen. Die Kooperation werde als Alternative zu der von den Kartellbehörden kritisch gesehenen geplanten Übernahme von T-Mobile USA durch AT&T diskutiert, berichtete das "Wall Street Journal".

Die Zeitung berief sich bei ihrer Darstellung auf eingeweihte Personen, schränkte aber gleichzeitig ein, der Plan sei noch nicht weit gediehen. Außerdem sei es unklar, wie eine Zusammenarbeit genau aussehen könnte, um die nötige Genehmigung zu bekommen. Ein Telekom-Sprecher sagte, der Konzern konzentriere sich weiter darauf, die Zustimmung für den Deal zu erhalten.

Die Telekom will T-Mobile USA für 39 Mrd. Dollar an AT&T verkaufen, trifft jedoch damit auf Widerstand bei den US-Kartellbehörden. Sowohl die US-Telekommunikationsaufsicht als auch das Justizministerium hatten Bedenken gegen den Deal geäußert, weil AT&T bereits eine starke Position im US-Markt hat.

Viele Fachleute vermuten, dass das Geschäft nicht zustande kommt. Erst am Dienstag hatte die Ratingagentur Standard & Poor's erklärt, dass sie nicht mehr davon ausgehe, dass die Transaktion genehmigt werde.

AT&T will die Übernahme

T-Mobile ist der viertgrößte Mobilfunk-Anbieter in den USA. AT&T würde mit der Übernahme zur klaren Nummer eins vor Verizon Wireless. AT&T wirbt für das Geschäft mit dem Versprechen, neue Arbeitsplätze zu schaffen und den Kunden ein besseres Netz zu bieten. Die Aufsichtsbehörde FCC stellte diese Versprechungen in einem jüngst veröffentlichten Bericht jedoch infrage.

Wenn der Verkauf platzen würde und stattdessen tatsächlich ein Gemeinschaftsunternehmen geformt werden sollte, müsste T-Mobile wohl als eigenständiger Spieler auf dem Markt bleiben, um die Bedenken der Wettbewerbshüter zu zerstreuen. T-Mobile USA gilt als günstig im Vergleich zu den größeren Konkurrenten, was die Kartellwächter immer wieder betont hatten. Sie fürchten bei einer Übernahme höhere Preise für die Handynutzer. Denkbar wäre indes, dass T-Mobile und AT&T sich ihre Netze teilen.

AT&T versucht derzeit aber vor allem, die Übernahmegenehmigung vor Gericht doch noch zu bekommen. Dabei müsste der US-Konzern eventuell Zugeständnisse machen. Nach Informationen von US-Medien steht AT&T in Kontakt mit kleineren Mobilfunkanbietern wie Leap Wireless, um Frequenzen oder Kunden an sie abzutreten.

Ein Scheitern der Übernahme könnte für AT&T teuer werden: Der US-Konzern müsste der Deutschen Telekom einen Ausgleich zahlen und Mobilfunk-Frequenzen abtreten. AT&T stellte bereits 4 Mrd. Dollar dafür zurück. Für die Telekom wäre dies allerdings nur ein schwacher Trost, denn es stünden über kurz oder lang milliardenschwere Investitionen in den Netzausbau an. T-Mobile USA kämpfte zuletzt mit einem Kundenschwund.

Quelle: n-tv.de, jga/rts/dpa

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