Wirtschaft

Banken bereit für die nächste Krise? Tester beklatschen den Test

Nach dem Stresstest im Bankensektor bleiben die befürchteten Turbulenzen aus. Die Märkte nehmen die Ergebnisse gelassen zur Kenntnis. Die Organisatoren atmen auf - und schicken den Ergebnissen Worte der Zufriedenheit und Zuversicht hinterher. Doch auch kritische Stimmen werden laut.

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Bundesbankvize Franz-Christoph Zeitler betritt lachend den Raum, um die deutschen Ergebnisse des EU-weiten Stresstests für Banken auf einer Pressekonferenz in Frankfurt zu präsentieren.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die umfangreich angelegte Belastungsprobe im europäischen Bankensektor scheint an Märkten ihre erhoffte Wirkung zu erzielen. Den am Vorabend veröffentlichten Ergebnissen zufolge sind die meisten Geldhäuser Europas ausreichend für eine neue Krise gerüstet. Beim Stresstest der europäischen Banken fielen lediglich sieben der 91 getesteten Banken durch. Von den 14 deutschen Häusern scheiterte nur der verstaatlichte Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate (HRE) an den Kriterien des Tests.

Die deutsche HRE befindet sich damit in Gesellschaft von fünf spanischen Sparkassen und der griechischen Atebank, die den Test ebenfalls nicht bestanden hatten. Die Kapitalprobleme der betroffenen Häuser waren . Insgesamt ergab der Test des europäischen Aufsichtsgremiums einen Kapitalbedarf von 3,5 Mrd. Euro für die durchgefallenen Banken - deutlich weniger als von Experten erwartet. Allein die vom Bund mit mehr als 100 Mrd. Euro an Kapital und Garantien vor dem Aus gerettete HRE braucht eigenen Angaben zufolge weitere zwei Milliarden Euro.

In einer Erklärung des CEBS hieß es, man erwarte von den sieben Banken nun Pläne, wie die zutage getretenen Schwächen ausgeglichen werden könnten. Das schließe insbesondere die Frage ein, ob eine Erhöhung des Eigenkapitals der Banken nötig sei.

Viele zufriedene Köche

Die Bundesregierung, die Europäische Zentralbank (EZB) und der Internationale Währungsfonds (IWF) begrüßten die Ergebnisse der Tests und deren Veröffentlichung. "Deutsche Banken erweisen sich als robust und widerstandsfähig", urteilten die Bundesbank und die Finanzaufsicht Bafin in einer gemeinsamen Erklärung. Die Institute seien in den vergangenen Jahren seit Ausbruch der Finanzkrise bei der Reparatur ihrer Bilanzen ein gutes Stück vorangekommen, sagte Bundesbank-Vizepräsident Franz-Christoph Zeitler.

Die durchschnittliche Kernkapitalquote im deutschen Bankensystem - die für die Kapitalausstattung der Institute zentrale Kennziffer - stieg seit Anfang 2008 um knapp zwei Prozentpunkte auf fast elf Prozent. Hierzu trug auch der Staat massiv bei, der unter anderem die Commerzbank mit Milliardensummen vor dem Aus bewahrt hatte.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble sprach von einem insgesamt erfreulichen Ergebnis. Der EU-Bankensektor könne auch künftig große Belastungen verkraften. Zugleich bekräftigte er seine Forderung nach Fusionen der teils schwer angeschlagenen Landesbanken, die mit Milliardensummen ihrer Eigner gestützt werden mussten. Diese Kapitalspritzen halfen den Instituten nun bei den Belastungstests. Schäuble nannte das Ergebnis "ein positives Signal".

Regierungssprecher Ulrich Wilhelm erklärte, die Veröffentlichung der Testergebnisse stelle einen "wichtigen Schritt für mehr Vertrauen auf den Märkten" dar. Ähnlich äußerte sich IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn in einer Erklärung. Die EZB in Frankfurt am Main erklärte, die Ergebnisse bestätigten die "Widerstandsfähigkeit" des Bankensystems in der EU und in der Euro-Zone angesichts größerer wirtschaftlicher oder finanzieller Schocks.

Offene Worte von Sanio

Mit den Tests wollten die Aufseher angesichts der Schuldenkrise in vielen Ländern Europas die Märkte beruhigen - nach dem Vorbild der USA, wo dies 2009 gelungen ist. Selbst von den Aufsehern kommt aber Kritik an der Ausgestaltung der Tests. Neue Erkenntnisse hätten die Prüfungen den deutschen Behörden nicht gebracht, sagte BaFin-Chef Jochen Sanio. "Das ist nur eine Operation zur Beruhigung der Märkte." Klaus Abberger vom Münchener Ifo-Institut monierte, dass ein Szenario eines staatlichen Zahlungsausfalls nicht durchgespielt worden sei. "Ich erkenne wenig Stress in diesem Test", kritisierte Stephen Pope, Aktienmarktstratege beim Brokerhaus Cantor.

Im Rahmen des Tests wurden die Auswirkungen verschiedener Stressbedingungen auf die Kapitalausstattung der Banken untersucht. Neben einer zwei Jahre dauernden Rezession unterstellten die Aufseher auch unterschiedlich kräftige Abschläge auf Staatsanleihen europäischer Länder. Als bestanden galt die Prüfung, wenn die Kernkapitalquote unter diesen Bedingungen nicht unter sechs Prozent rutschte. Die Aufseher betonten, die Szenarien seien härter gewesen als in den USA im vergangenen Jahr.

Kuscheltest ohne "Worst Case"?

Die Stresstests sollten die Widerstandsfähigkeit von Banken gegen mögliche weitere Krisen überprüfen. Dabei wurde durchgerechnet, wie sich das Kapital der Banken in drei Szenarien verhält: Im ersten Szenario bei guter, im zweiten bei schlechter wirtschaftlicher Entwicklung. Im dritten Szenario kamen zur schlechten Wirtschaftsentwicklung auch noch massive Wertverluste von Staatsanleihen hinzu.

Getestet wurden insgesamt 14 deutsche Banken. Einige deutsche Institute bestanden den Test nur knapp, darunter mehrere Landesbanken und die Postbank, mit rund 14 Millionen Kunden größte deutsche Privatkundenbank. Die Hypo Real Estate ist in Deutschland absolutes Schlusslicht mit einer Kernkapitalquote unter Stress von nur noch 4,7 Prozent. Das Institut läuft laut Bafin aber "außer Konkurrenz", da es in den nächsten Monaten bis zu 210 Milliarden Euro an toxischen Papieren auslagern will. Dies konnte in den Prüfungen noch nicht berücksichtigt werden.

Knapp am Sitzenbleiben vorbeigeschrammt sind die NordLB und die Postbank mit 6,2 beziehungsweise 6,6 Prozent. Beide Häuser stärken bereits seit einiger Zeit mit einigen Maßnahmen ihre Kapitalausstattung - so hat die Postbank für die nächsten Jahre die Dividende gestrichen. Laut Bundesbank-Vize Zeitler braucht neben der HRE keine weitere deutsche Bank frisches Eigenkapital - zumindest aus Sicht der Aufsicht. Es könne aber sein, dass die Märkte dies anders sähen, räumte er ein.

Die Postbank erklärte in einer ersten Reaktion, sie wolle sich weiter stärker auf ihr Geschäft mit Kundeneinlagen konzentrieren und risikoreiche Anlagen reduzieren.

Quelle: ntv.de, mmo/AFP/dpa/rts