Wirtschaft

ThyssenKrupp zieht Notbremse Transrapid-Werk macht dicht

Zwei Jahre hat der Standort Kassel vergeblich auf große Aufträge gewartet, jetzt zieht ThyssenKrupp die Reißleine. Der Standort wird geschlossen. Das Aus für den Transrapid ist das allerdings noch nicht. Das Unternehmen hofft weiter auf Aufträge aus dem Ausland.

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Das Transrapid: mehr Projekt als Wirklichkeit. Hier der TR09, ein Transrapid für eine ursprünglich einmal geplante Strecke in München.

(Foto: picture alliance / dpa)

Zwei Jahre nach der Abkehr von der geplanten Transrapid-Strecke in München zieht der Industriekonzern ThyssenKrupp Konsequenzen: Zum Jahresende wird das Werk der ThyssenKrupp Transrapid GmbH mit 62 Beschäftigten in Kassel geschlossen. "Seit der Absage des Projekts München 2008 gab es keine Folgeaufträge mehr. Deshalb hat die Geschäftsleitung beschlossen, die Kapazität zu senken", sagte eine Sprecherin des Mutterkonzerns in Essen und bestätigte damit einen Bericht der "Hessischen Allgemeinen" ("HNA"). Damit wird in der von Misserfolgen geprägten Geschichte des Magnetflitzers ein neues Kapitel aufgeschlagen.

Abschied auf Raten

Das Aus für den einst als Meisterwerk der deutschen Technologie gefeierten Superzug mit Spitzengeschwindigkeiten von theoretisch mehr als 500 Kilometern in der Stunde ist das noch nicht, wie die Sprecherin betont. Allerdings geht es für ThyssenKrupp in Zukunft nur noch um die Beisteuerung von Ingenieursleistungen. Möglicherweise könnte sich der Konzern sogar noch ganz aus dem Projekt verabschieden. Seit geraumer Zeit wird über einen Verkauf der Transrapid-Lizenzen in die Volksrepublik nachgedacht.

Derweil hofft das Unternehmen aber weiter auf Aufträge aus dem Ausland. Erst vor gut zwei Wochen hatte Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) betont, er sehe weiter gute Exportchancen für den Hochgeschwindigkeitszug. Unter anderem stehe in China noch die Entscheidung über eine Verlängerung der Strecke von Schanghai nach Hangzhou aus. Gespräche würden zudem mit Brasilien, der Türkei und den USA geführt.

Auch am Standort München baut das Transrapid-Unternehmen Stellen ab. 22 von 36 Mitarbeitern sollen aber weiterbeschäftigt werden. "Dort sitzt das Ingenieurs-Knowhow für sämtliche Transrapid-Kernkomponenten", betonte die Sprecherin. Auch die internationale Vermarktung werde von München aus weiter betrieben.

Bislang fährt der Magnetgleiter nur auf einer kommerziellen Strecke: In Schanghai. In Deutschland scheiterten geplante Transrapid- Strecken immer wieder an den zu hohen Kosten. Schon 1989 hatte die Bundesregierung grünes Licht für den Bau einer Strecke zwischen den Flughäfen Düsseldorf und Köln/Bonn genehmigt. Das Vorhaben wurde nach der Wiedervereinigung fallengelassen.

Zwanzig Jahre auf dem Abstellgleis

Im Jahr 2000 wurden Pläne für eine Verbindung zwischen Berlin und Hamburg begraben. Nach jahrelangen Vorarbeiten zog der damalige Bahnchef Hartmut Mehdorn einen ernüchternden Vergleich zwischen Transrapid und ICE. Er sagte damals in einem Interview: "Wir wären dann schlappe zwanzig Minuten langsamer als der Transrapid. Und das man für zwanzig Minuten Zeitersparnis zwölf Milliarden Mark ausgeben muss, das will uns nicht so richtig in den Kopf."

2008 scheiterte der bislang letzte Versuch, in Deutschland mehr als nur die Teststrecke im Emsland zu etablieren. Das Prestige- Projekt des früheren bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber (CSU), der den Münchner Hauptbahnhof per Transrapid mit dem Flughafen verbinden wollte, entpuppte sich als viel zu teuer.

Der Personalabbau bei der ThyssenKrupp Transrapid GmbH soll nach Unternehmensangaben sozialverträglich erfolgen. Eine Beschäftigungsgesellschaft sei eingeschaltet worden.

Quelle: n-tv.de, dpa

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