Wirtschaft

Washington bald zahlungsunfähig? US-Berater erschreckt Anleger

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Kein Mann leichtfertiger Worte: Austan Goolsbee (rechts), hier bei einer Podiumsdiskussion im vergangenen November.

(Foto: REUTERS)

Die finanzielle Situation der USA bereitet den Experten zunehmend Kopfzerbrechen. Ein hochrangiger Wirtschaftsberater des US-Präsidenten untermalt Forderungen nach einer Anhebung des Schuldenlimits mit einer dramatischen Warnung: Das Land könnte schlimmstenfalls seine Anleihen nicht mehr bedienen. Das hätte katastrophale Folgen.

Ein Top-Wirtschaftsberater von US-Präsident Barack Obama hat vor einer drohenden Zahlungsunfähigkeit seines Landes gewarnt. Sollte die Obergrenze für die Staatsverschuldung nicht wie von der Obama-Regierung verlangt angehoben werden, "würden wir im Kern unsere Anleihen nicht mehr ordnungsgemäß bedienen können", sagte Austan Goolsbee im US-Fernsehen. Goolsbee ist Vorsitzender von Obamas Rat der Wirtschaftsberater. "Dies wäre noch nie dagewesen in der Geschichte der Vereinigten Staaten", fügte er hinzu.

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Starren Auges blickt dieser Weißkopfseeadler, Wappentier der USA, in eine schuldenbeladene Zukunft.

(Foto: REUTERS)

"Die Folgen für unsere Wirtschaft wären katastrophal, das wäre eine schlimmere Wirtschaftskrise als jene, die wir 2008 gesehen haben", warnte Goolsbee. Die Obergrenze für die gesamte US-Staatsverschuldung liegt derzeit bei 14,3 Billionen Dollar (10,8 Billionen Euro). Derzeit sind die USA nur noch 400 Mrd. Dollar von der Grenze entfernt.

Die Begrenzung der US-Staatsverschuldung geht zurück auf ein Gesetz aus dem Jahr 1917. Zuvor musste das Finanzministerium sich jede Kreditaufnahme einzeln im Kongress genehmigen lassen. Die jüngste Anhebung des "Debt Ceiling" genannten Schuldenlimits stammt aus dem Februar 2010.

Goolsbees Warnung von einem möglicherweise drohenden Zahlungsmoratorium für US-Staatsanleihen muss vor dem innenpolitischen Hintergrund betrachtet werden. Sie dient wohl in erster Linie als Drohkulisse in einer stark parteipolitisch geführten Debatte. Eine etwaige Reaktion an den Märkten dürfte alles andere als beabsichtigt sein.

Höhenangst auf dem Schuldenberg

Konservative Haushaltspolitiker im Kongress sind gegen eine weitere Anhebung und argumentieren, der US-Schuldenstand sei bereits hoch genug. Die Republikaner werden nach ihrem Wahlerfolg im November im neuen Jahr die Mehrheit im Repräsentantenhaus übernehmen.

Gleichwohl deuten die Worte des Wirtschaftsberaters an, dass die Sorgen aus der europäischen Schuldenkrise jederzeit auf die USA übergreifen könnten. Angesichts der stark ansteigenden Verschuldung waren bereits früher entsprechende Warnungen im Kreis der Ratingagenturen laut geworden.

Staaten finanzieren einen Teil ihrer Ausgaben über Kredite, die sie am internationalen Kapitalmarkt aufnehmen. Dazu geben sie Anleihen aus, die von institutionellen und privaten Anlegern gekauft werden. So erhalten die Staaten frisches Geld, während die Anleger ihrerseits Zinsen auf ihr angelegtes Kapital erhalten.

Die hohen Schulden der Staaten in der Folge der Wirtschaftskrise lassen bei Anlegern rund um den Globus die Sorge wachsen, ob die Staaten dabei ihren Verpflichtungen noch nachkommen können. Bislang waren davon vor allem kleinere Staaten mit geringerer Wirtschaftsleistung betroffen. In Europa wurden bisher Griechenland und Irland von den anderen EU-Staaten vor der Zahlungsunfähigkeit gerettet.

Quelle: n-tv.de, mmo/AFP

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