Wirtschaft

Öffentlicher Dienst verhagelt Bilanz US-Jobwachstum lahmt

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(Foto: AP)

Der Arbeitsmarkt in den USA kommt auch zum Jahresschluss nicht in Fahrt. Zwar schaffen Unternehmen neue Jobs, doch der Sparkurs im öffentlichen Dienst lässt die Bilanz schwächer ausfallen als im Vormonat. Die Arbeitslosenquote stagniert unerwartet. Doch die Daten enthalten auch positive Überraschungen.

Die US-Wirtschaft hat im Dezember etwas weniger neue Stellen geschaffen. Die Zahl der Beschäftigten außerhalb der Landwirtschaft stieg nach Angaben des Arbeitsministeriums um 155.000. Das waren 6000 weniger als noch im November. Ökonomen hatten diesmal mit einem Plus von 150.000 gerechnet.

Im Monatsvergleich enttäuschte die Zahl der neuen Stellen insbesondere auch deshalb, weil das Ministerium die November-Stellen spürbar nach oben korrigierte. Statt ursprünglich veröffentlichter 146.000 neuer Arbeitsplätze wurden im November 161.000 Stellen geschaffen.

Neue Stellen wurden im Dezember vor allem im Gesundheitssektor, dem Gaststättengewerbe, der Industrie und im Bau geschaffen. Im verarbeitenden Gewerbe entstanden 25.000 zusätzliche Jobs, am Bau 30.000. Der unter Spardruck stehende öffentliche Dienst baute dagegen Stellen ab, und auch die Entwicklung bei den Einzelhändlern belastete die Statistik. "Das steht etwas im Widerspruch zu den guten Einzelhandelsumsätzen", merkte ING-Volkswirt Rob Carnell an.

Schwache Quote

Eine weitere negative Überraschung stellte die Arbeitslosenquote dar. Sie verharrte auf 7,8 Prozent, nachdem Ökonomen im Schnitt mit einem leichten Rückgang auf 7,7 Prozent gerechnet hatten. Die Quote liegt damit deutlich über dem Schnitt der vergangenen 60 Jahre von sechs Prozent. Ursache für die im Verhältnis zum Stellenaufbau enttäuschende Arbeitslosenquote ist die getrennte Ermittlung im Rahmen von Haushaltsumfragen. Diese ergab einen Anstieg der Stellen um lediglich 28.000, während die Zahl der Erwerbspersonen, die dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen, um 192.000 gestiegen sind. Im Vormonat war diese Zahl um 257.000 gefallen, was zu einem unerwarteten Rückgang der Quote geführt hatte.

Aktuell befinden sich 12,2 Millionen Amerikaner auf der Suche nach einem Job. "Unsere Wirtschaft wächst, aber sie boomt nicht", sagte Ökonom Jim O'Sullivan von High Frequency Economics. "Die US-Wirtschaft quält sich so durch", sagte Tom di Galoma von Navigate Advisors. Experten zufolge hat der Haushaltsstreit viele Unternehmen von Investitionen und Neueinstellungen abgehalten. Durch ihn drohen Steuererhöhungen und staatliche Ausgabenkürzungen, die das Wachstum der weltgrößten Volkswirtschaft dämpfen dürften.

Längere Arbeit, mehr Lohn

Günstig fielen aus gesamtwirtschaftlicher Sicht die Zahlen zu Arbeitsvolumen und Löhnen aus. Die durchschnittliche Wochenarbeitszeit erhöhte sich von 34,4 auf 34,5 Stunden, was zusammen mit einer höheren Beschäftigtenzahl einen höheren Output erwarten lässt.

Die durchschnittlichen US-Stundenlöhne erhöhten um 0,07 Dollar auf 23,73 Dollar, während Ökonomen einen Zuwachs um 0,05 Dollar auf 23,68 erwartet hatten. ING-Ökonom Carnell sagte, dieser Anstieg sei aus Sicht der Arbeitnehmer auch nötig, um den in den nächsten Monaten anstehenden Anstieg der Lohnsteuern auszugleichen.

Nach Prognose der Industriestaaten-Organisation OECD wird die US-Wirtschaft 2013 mit 2,0 Prozent ähnlich schnell wachsen wie in diesem Jahr mit 2,2 Prozent. 2014 soll sich das Tempo auf 2,8 Prozent erhöhen. Gebremst werden dürfte die Erholung am Arbeitsmarkt von der Regierung, die voraussichtlich ab März kräftig Ausgaben kürzen muss. Experten rechnen deshalb damit, dass Stellen etwa beim Militär und in staatlichen Bildungseinrichtungen gestrichen werden.

Quelle: n-tv.de, nne/dpa/rts/DJ

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