Wirtschaft

Brisante Signale US-Vorlaufindikatoren mahnen zur Vorsicht

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Deutliche Schwäche bei den kleinen Aktienwerten als Warnsignal: Händler im Jahr 2000 an der Londoner Rohstoffbörse (Archivbild).

(Foto: Reuters)

Abgesehen von den Tech-Werten behaupten sich die wichtigsten Aktienmärkte noch in Schlagweite zu ihren Rekordständen. Klassische Warnsignale sind noch nicht zu erkennen. Aber unter der Oberfläche sieht es bei einigen exotischeren Indizes schon anders aus.

Wenn für Aktien Kurs-Gewinn-Verhältnisse von mehr als 400 aufgerufen werden, ist eine Korrektur nur eine Frage der Zeit. Bei einigen US-Biotechwerten wurden solche Bewertungsrelationen vor wenigen Wochen aufgerufen, seitdem setzte ein erster Abverkauf ein. Zeitweise notierten Indizes wie der Nasdaq Biotech oder Nasdaq Internet-Index um gut 20 Prozent unter ihren jüngsten Hochs und somit an der Schwelle zu einem Bärenmarkt. Die Verunsicherung schwappte zuletzt auch auf die Standardwerte über.

Tradesignal® ist eine eingetragene Marke der Tradesignal GmbH. Nicht autorisierte Nutzung oder Missbrauch ist ausdrücklich verboten.

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(Foto: Tradesignal)

Klare Schwächesignale liegen in den richtungsweisenden US-Indizes aber noch nicht vor, die Aufwärtstrends sind intakt. Unterhalb der oft im Fokus stehenden Indizes mehren sich aber inzwischen die Warnsignale. Kapital wird verstärkt aus eher risikoreichen Werten abgezogen und in Blue Chips teilweise reinvestiert.

Weniger Risiko ist Trumpf

Der erste Chart zeigt die Entwicklung der amerikanischen Small Caps im Russell 2000 (rot) und die Entwicklung der 1000 Unternehmen mit der höchsten Marktkapitalisierung (Russell 1000, blau) in den vergangenen Jahren. Darunter ist die Relative Performance der beiden Aktienindizes dargestellt. Steigt die blaue Linie an, weisen die spekulativeren Small Caps eine Outperformance auf, Investoren gehen somit ein erhöhtes Risiko ein. Seit einigen Wochen kann eine deutliche Schwäche bei den kleinen Werten beobachten werden, die Linie weist entsprechend stramm Richtung Süden. Eine ähnliche Situation lag Mitte 2011 vor, als die breiten Aktienmärkte vor ihrer letzten größeren Korrektur standen.

Ähnlich Signale sind auch bei den klassischen zyklischen Aktien zu beobachten. Papiere aus der Software-, Maschinenbau-, Transport- oder Automobilbranche entwickeln sich ebenfalls seit einigen Wochen schwächer als Aktien aus dem Pharma-, Versorger oder Nahrungsmittelsektor. Im zweiten Chart ist neben dem S&P 500 in Grün die Relative Performance der zyklischen Werte im Vergleich zu den nicht-zyklischen Papieren zu sehen (blaue Linie). Laufen die Zykliker besser, steigt die blaue Linie, während eine bessere Performance der eher defensiven nicht-zyklischen Aktien durch eine fallende Linie dargestellt wird. Die Markierungen in den vergangenen Jahren zeigen deutlich, dass besonders dann Vorsicht angebracht ist, wenn sogenannte Divergenzen vorliegen. Bildet der S&P neue Hochpunkte aus, während gleichzeitig das Ratio der zyklischen zu den nicht-zyklischen Aktien niedrigere Hochpunkte ausbildet, steigt die Wahrscheinlichkeit für eine Korrektur. Ein gutes Beispiel lieferte der Chart auch hier in der ersten Jahreshälfte 2011. In den vergangenen Wochen zeigten die zyklischen Papiere ebenfalls eine deutliche Schwäche, entsprechend deutlich fällt die Linie abwärts, währen der breite Aktienmarkt neue Rekorde erzielte.

Die Würfel werden bald fallen

Beide Charts senden erste Hinweise, dass strategische Investoren bei den spekulativen Werten an der Wall Street Gewinne realisieren. Bisher fließt das Geld zumindest teilweise in die Blue Chips. Die Vergangenheit lehrt aber, dass die Schwächesignale aus den kleineren Indizes früher oder später auch auf den breiten Gesamtmarkt durchschlagen.

Tradesignal® ist eine eingetragene Marke der Tradesignal GmbH. Nicht autorisierte Nutzung oder Missbrauch ist ausdrücklich verboten.

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(Foto: Tradesignal)

Auch beim flüchtigen Blick auf den klassischen Kursverlauf des DAX sind derzeit noch keine größeren Umkehrsignale zu erkennen. Seit rund sechs Monaten konsolidiert der Index innerhalb des langjährigen Aufwärtskanals zwischen 8950 Punkten auf der Unterseite und knapp 9800 Zählern Richtung Norden. Erst wenn eine dieser Marken durchbrochen wird, dürfte ein neuer, nachhaltiger Trend einsetzen. Neben der klassischen Indexanalyse lohnt sich immer ein Blick unter die Oberfläche. Mit der Trendstärke-Matrix (Abbildung 3) ist eine schnelle Einschätzung der aktuellen Relativen Stärke aller 30 DAX-Aktien möglich. Jedes Indexmitglied wird über einen Balken repräsentiert, der Informationen über den mittelfristigen Trend liefert. Verläuft der Vier-Wochen-Durchschnitt (21-Tage-Linie) steigend, liegt ein kurz- bis mittelfristiger Aufwärtstrend vor, die Balkenfarbe ist grün gefärbt. Aktien in einem Seitwärtstrend werden mit grauen Balken dargestellt, während rote Markierungen einen fallenden Trend signalisieren.

Zuletzt rutschten immer mehr Papiere in kurzfristige Abwärtstrends, was auch nicht überrascht. Zu lange schon halten sich viele Aktienkurse unter dem Vier-Wochen-Durchschnitt auf, und ziehen diesen irgendwann mit nach unten. Die Matrix ist so entwickelt, dass kleinere Schwankungen nicht gleich zu einer Änderung der Balkenfarbe führen. Erst wenn der Mittelwert der vergangenen vier Handelswochen deutlich zu fallen beginnt, schwenkt die Börsenampel um.

Chronische Bullen können also nicht unbedingt darauf hoffen, dass der Farbwechsel sich bald wieder ins Positive umkehrt, auch wenn in einer Woche erfahrungsgemäß viel passieren kann. Die Momentaufnahme zeigt aber, dass es um die 30 Einzelwerte nicht allzu gut bestellt ist. Mit 15 roten Balken laufen die Hälfte der Blue Chips in einem Abwärtstrend. Eine Erholung ist jederzeit möglich, genügend Potential wäre vorhanden. Allerdings gilt es auch zu beachten, dass noch kein Extremniveau vorliegt. Denn mit BASF, Deutscher Telekom, Henkel und K+S ist sogar bei vier Werten der Blick nach oben gerichtet, der Rest läuft ohne klaren Trend. Vor allem die jüngsten Gewinne bei den drei Indexschwergewichten Allianz, BASF und Bayer stützen derzeit den DAX. Alle drei Werte zählen zu den stärksten Aktien und kaschieren die Schwäche am Gesamtmarkt.

Quelle: ntv.de