Wirtschaft

Erneuter Todessturz vom Dach Unruhe bei Foxconn-Tochter

Die Arbeitsbedingungen in chinesischen Elektronik-Fabriken kommen nicht aus den Schlagzeilen. Ein weiterer Todesfall, noch dazu unter bislang ungeklärten Umständen, genügt, um das auch für die westlichen Markeninhaber unangenehmes Thema zurück ins Licht der Öffentlichkeit zu holen.

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Das Auge der Öffentlichkeit zwingt Foxconn zunehmend, auch bei Tochterunternehmen und Zulieferern auf neue Standards zu pochen.

(Foto: REUTERS)

Ein Mitarbeiter des iPhone-Produzenten Foxconn ist in Südchina aus bislang ungeklärter Ursache aus dem sechsten Stock eines Wohngebäudes zu Tode gestürzt. Die Polizei habe die Ermittlungen beim Foxconn-Tochterunternehmen Chimei Innolux in Foshan aufgenommen, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua.

Foxconn hatte erst im Juni nach zehn Selbstmorden in seinen Fabriken die Löhne angehoben. Die Fälle warfen ein Schlaglicht auf die Arbeitsbedingungen bei dem taiwanischen Unternehmen, das für Apple unter anderem das iPhone zusammenbaut. Nach Angaben von Foxconn-Mitarbeitern sind dort 24-Stunden-Schichten ohne Pause keine Seltenheit. Das Unternehmen beschäftigt derzeit mehr als 800.000 Menschen.

Arbeitsrechtler machten für die Suizidserie schlechte Arbeitsbedingungen bei niedrigen Löhnen verantwortlich. Foxconn-Chef Terry Gou erklärte hingegen, keiner der Selbstmorde habe mit der Arbeit zu tun gehabt. Der IT-Konzern, der neben Apple auch für eine ganze Reihe weiterer namhafter Elektronikkonzerne tätig ist, kündigte dennoch eine Lohnerhöhung in China um fast 70 Prozent an.

Nachdenkliche Computer-Käufer

Erst vergangene Woche hatte ein Bündnis von europäischen Nichtregierungsorganisationen (NGOs) eine Online-Kampagne gestartet, die auf miserable Arbeitsbedingungen bei der Produktion von digitalen Geräten in Billiglohnländern aufmerksam machen soll. "Diese Geräte haben ein sehr cooles Image - wir wollen deutlich machen, unter welch menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen sie produziert werden", sagte die zuständige Projektreferentin bei der österreichischen NGO Südwind Agentur in Wien, Andrea Ben Lassoued.

Die Kampagne mit der Bezeichnung "Procure IT Fair" (etwa: "Schafft faire IT an") richtet sich an die Verantwortlichen, die in Hochschulen für die Beschaffung von digitaler Technik zuständig sind. Diese werden aufgefordert, bei ihren Kaufentscheidungen auch soziale Kriterien zu berücksichtigen. Zu Beginn der Aktion hatten sich mehr als 1500 Unterstützer eingetragen, die Kampagne strebt 10.000 an. Letztlich richte sich der Aufruf an alle Käufer eines Computers, auch an die privaten Verbraucher, sagte Ben Lassoued.

Die großen Markenhersteller elektronischer Hardware hätten ihre Produktion vollständig in internationalen Zulieferketten ausgelagert, erklärte Ben Lassoued. Standorte seien in China, Thailand, Malaysia, Vietnam, Mexiko oder anderen Billiglohnländern zu finden. Die Arbeitsbedingungen der dort zumeist eingesetzten Frauen seien geprägt vom Verzicht auf Arbeitsverträge, Niedrigstlöhnen, Zwangsüberstunden, dem Verbot von Gewerkschaften und unzureichendem Schutz vor Vergiftungen. Dies führe bis hin zu Tod durch Erschöpfung, sagte die Projektreferentin. Die Kampagne berief sich ausdrücklich auf das Beispiel von Foxconn und den dort herrschenden Arbeitsdruck.

Ben Lassoued kritisierte, dass es inzwischen bei einer Vielzahl von Produkten wie zum Beispiel Kaffee Angebote mit Herstellungsbedingungen nach sozialen Kriterien gebe. "Aber es gibt noch keine fair produzierten Computer."

Quelle: n-tv.de, mmo/AFP/dpa/rts