Wirtschaft

Feuer in Kalifornien Viele Cannabis-Bauern stehen vor dem Ruin

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Die Feuer in Kalifornien zerstören auch viele Cannabisplantagen. Das Smaragd-Dreieck ist die größte Anbauzone für Hanf im US-Bundesstaat.

(Foto: REUTERS)

Es sind die schlimmsten Waldbrände, die Kalifornien je erlebt hat. Und sie drohen einen großen Teil der ersten legalen Marihuana-Ernte für den breiten Verkauf zu vernichten. Anders als die Weinbauern können die Hanfbauern keine Entschädigung erwarten.

Die Waldbrände in Nordkalifornien lassen die Cannabis-Träume vieler Marihuana-Bauern buchstäblich in Rauch aufgehen. In acht Bezirken wurde des Ausnahmezustand verhängt, darunter in Napa, Sonoma und Mendocino.

78.000 Hektar Land hat die Feuersbrunst, die bereits über 30 Menschenleben forderte, im berühmten Smaragd-Dreieck vernichtet - am schlimmsten hat es die Weinbauregion Sonoma getroffen. Hier sind auch die meisten Todesopfer zu beklagen. Etwa 3500 Häuser und Unternehmen wurden zerstört, darunter nicht nur Weingüter, sondern auch viele Cannabis-Plantagen.

Das Geschäft mit Cannabis boomt in Amerika. Kalifornien gilt als einer der größten und wichtigsten Märkte. Marktforscher prognostizieren, dass hier im Jahr 2020 Marihuana im Wert von mehr als sechs Milliarden Dollar verkauft werden wird. Im Januar soll Gras erstmals zu puren "Freizeitzwecken" legal in den Handel kommen. Per Volksentscheid hatte die Bevölkerung vergangenen November für die generelle Legalisierung gestimmt. Marihuana für den medizinischen Gebrauch ist hier an der Westküste der USA seit 20 Jahren erlaubt.

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Ein Cannabis-Bauer auf einer intakten Plantage in Kalifornien.

(Foto: REUTERS)

Nicht nur die Flammen stellen eine Gefahr für die Ernte dar, sondern auch die Rauchentwicklung, weil der Hanf dadurch anfälliger für Schimmel wird, was gewisse gesundheitliche Risiken birgt für Menschen, die Cannabis zu medizinischen Zwecken verwenden. Die Bauern, deren Felder oder deren Ernte jetzt vernichtet wird, stehen vor dem Ruin. Denn ungeachtet der Legalisierung im November bewegt sich die Milliarden-Branche in der juristischen Grauzone.

"Niemand hat eine Versicherung", zitiert der Sender CNN Nikki Lastreto, Sekretärin der Mendocino Cannabis Industry Association. "Sie können ihr Haus versichern, aber nicht ihre Ernte." Schuld ist das geltende Bundesgesetz: Danach ist Marihuana weiterhin eine illegale Droge. Das heißt, Versicherern sind Marihuana-Geschäfte schlicht verboten.

Das gilt für alle Bundesstaaten, die den Marihuana-Konsum legalisiert haben, das heißt für Kalifornien genauso wie für Colorado, Washington, Alaska und Oregon. Alle haben mittlerweile für die Freigabe der Droge für den Eigenbedarf gestimmt. Auch in der Hauptstadt Washington D.C. ist Kiffen erlaubt. Der Einsatz zu medizinischen Zwecken ist bislang in 25 Staaten der USA legalisiert.

Keine Versicherungsanspruch

Der Schaden für die betroffenen Bauern durch die Feuersbrunst dürfte immens sein. Derek Peterson, Chef von Terra Tech, der Marihuana anbaut und verkauft, schätzt, dass Landwirte über fünf Millionen US-Dollar in ihre Anlagen investieren und bis zu drei Millionen US-Dollar für den Anbau der Ernte ausgeben. Fallen die Plantagen dem Feuer zum Opfer, ist es ein wirtschaftlicher Totalschaden. Einen Versicherungsanspruch gibt es nicht.

Wie viele der 10.000 bis 15.000 Farmen abgebrannt sind oder Schaden durch Rauch genommen haben, lässt sich noch nicht sagen. Dafür sei es noch zu früh, sagte Josh Drayton, Sprecher der California Cannabis Industry Association CNN. Er erwartet allerdings, dass "die Verwüstung größer sein wird, als es alle erwarten". Farmer, die noch nicht alles verloren haben, ernteten aus Furcht vor dem Verlust ihrer Ernte vorzeitig, damit die Pflanzen nicht verbrennen oder von Rauch verdorben werden, berichtet eine Farmerin.

Die Cannabis-Bauern, die ihre Ernte nicht retten können, bleiben auf dem Schaden sitzen. Viele werden ihre abgebrannten Gewächshäuser und Bauernhöfe nicht wieder aufbauen können. Staatliche Zuschüsse haben sie nicht zu erwarten. Der Einzelhandel indes dürfte die Verluste verkraften. Ein Engpass im Januar ist nicht zu befürchten, heißt es. Dafür gibt es zu viele Farmen im ganzen Land.

Kalifornien will im Januar Verkaufs- und Anbausteuern auf den Verkauf von Marihuana erheben und so - wie alle anderen US-Bundesstaaten - von der Legalisierung der Droge finanziell profitieren. In welcher Höhe, ist noch nicht bekannt. Die Finanzbehörden arbeiten noch daran.

Quelle: ntv.de