Wirtschaft

Drastischer Zinssprung vom Tisch Wall Street bejubelt satte Erleichterungsrally

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So gut wie am Freitag war die Laune an der Wall Street schon lange nicht mehr.

(Foto: picture alliance / Xinhua News Agency)

An den Finanzmärkten gibt es derzeit viele Gründe zur Sorge. Doch robuste Konjunkturdaten, eine abschwächende Inflation und eine klare Zinskommunikation der US-Notenbank sorgen an der Wall Street für gute Laune. Vor allem Bankenwerte freuen sich über satte Kurssprünge.

Die nachlassende Furcht vor drastischeren Zinserhöhungen der US-Notenbank Fed gibt der Wall Street Auftrieb. Außerdem hellten ermutigende Konjunkturdaten und Firmenbilanzen die Stimmung auf. Der US-Standardwerteindex Dow Jones schloss am Freitag 2,2 Prozent höher auf 31.288 Punkten. Der technologielastige Nasdaq rückte 1,8 Prozent auf 11.452 Punkte vor. Der marktbreite gefasste S&P 500 legte 1,9 Prozent auf 3863 Punkte zu.

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Erleichtert reagierten Investoren auf die Aussagen zweier führender US-Notenbanker, die sich für eine Zinserhöhung von 0,75 Prozentpunkten in zwei Wochen aussprachen. Nach den überraschend hohen US-Inflationsdaten vom Dienstag hatten sie einen Schritt von einem vollen Prozentpunkt befürchtet. "Die Debatte über eine Zinserhöhung um 100 Basispunkte hält den Markt in Atem", sagte Peter Cardillo, Chef-Volkswirt des Vermögensberaters Spartan.

Konjunkturdaten geben Auftrieb

Positiv bewerteten die Börsianer zudem die überraschend robusten Konjunkturdaten. Der Einzelhandel steigerte seine Umsätze im Juni stärker als erwartet. Ferner verbesserte sich die Stimmung in den Industrieunternehmen im Bundesstaat New York im Juli überraschend und deutlich. Zudem schwächte sich der Preisauftrieb von in die USA importierten Gütern im Juni erneut ab.

Unterdessen zog der Ölpreis wegen schwindender Hoffnungen auf ein Ende des Angebotsengpasses wieder an. Die US-Sorte WTI verteuerte sich um rund zwei Prozent auf 97,67 Dollar je Barrel (159 Liter). Unmittelbar vor dem ersten Besuch von Joe Biden als US-Präsident in Saudi-Arabien sagte ein US-Regierungsvertreter, eine baldige Ausweitung der Ölfördermengen durch das Königreich sei vorerst nicht zu erwarten. Der Kursverfall der vergangenen Wochen beraube Biden wichtiger Argumente für seine Forderung nach einer höheren Produktion, sagte Analyst Stephen Brennock vom Brokerhaus PVM Oil Associates.

Citigroup führt Rally der Finanzwerte an

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Positiv werteten Investoren die Zahlen der Citigroup. Wegen Rückstellungen für faule Kredite brach der Quartalsgewinn zwar auf 4,5 von 6,19 Milliarden Dollar ein. Experten hatten allerdings einen größeren Rückgang befürchtet. Sowohl die Zins- als auch die Gebühreneinnahmen hätten positiv überrascht, kommentiert Analyst Ken Usdin von der Investmentbank Jefferies. Gleiches gelte für die Kapitalquote. Citi-Aktien sprangen daraufhin um mehr als 13 Prozent in die Höhe.

In ihrem Windschatten gewannen die Titel des Rivalen Wells Fargo über sechs Prozent, obwohl sich dessen Quartalsgewinn überraschend deutlich auf 3,1 Milliarden Dollar halbierte. Die Erwartungen seien aber so niedrig, dass viele Anleger dies als Chance zum Einstieg werteten, sagt Aktienhändler Dennis Dick vom Brokerhaus Bright Trading. Dieses Muster werde man in der laufenden Bilanzsaison sicher öfter beobachten.

Auch die Papiere von Blackrock überwanden ihre Anfangsschwäche und stiegen um knapp zwei Prozent auf 600,37 Dollar. Der Gewinn des weltgrößten Vermögensverwalters schrumpfte um 30 Prozent. An seiner langfristig positiven Beurteilung ändere sich aber nichts, schreibt Analyst Greggory Warren vom Research-Haus Morningstar. Er halte daher an seinem Kursziel von 850 Dollar fest.

Ein Medienbericht über geplante Preiserhöhungen bei dem auf Sportereignisse spezialisierten Streamingdienst ESPN+ ermunterte Anleger zum Einstieg bei Walt Disney. Die Aktien des Unterhaltungskonzerns verteuerten sich um 3,7 Prozent. Dem Magazin "Variety" zufolge sollen die Gebühren um 43 Prozent oder drei Dollar pro Monat steigen.

Quelle: ntv.de, chr/rts

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