Wirtschaft

Wirtschaftlich desolate DDR War die Treuhand an der Ost-Misere schuld?

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Viele DDR-Betriebe wurden "abgewickelt" - ein Synonym für geschlossen.

(Foto: imago/Winfried Rothermel)

Hat die Treuhand ihren Job schlecht gemacht oder war einfach nichts mehr zu retten von der maroden DDR-Ökonomie? 30 Jahre nach der Wende entbrennt die Debatte neu.

Der frühere Ost-Beauftragte der Bundesregierung, Rolf Schwanitz, hat den Eindruck zurückgewiesen, am Zusammenbruch der Wirtschaft und an der Massenarbeitslosigkeit in Ostdeutschland trage die Treuhandanstalt eine Mitschuld. Trotz allen Fleißes und Improvisationstalents der Beschäftigten habe die DDR kurz vor der Zahlungsunfähigkeit gestanden, ihre Betriebe seien nicht konkurrenzfähig gewesen, schrieb der Sozialdemokrat in einem Beitrag für die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung".

Es sei eine - auch von SPD-Mitgliedern gepflegte - Legende, dass die DDR-Wirtschaft von Westdeutschen mit Hilfe der Treuhand zur Marktbereinigung vernichtet worden sei. "Man denke nur an die Illusion, das mit dem Volkseigentum wörtlich zu nehmen und die Ostdeutschen über verbriefte Anteilsrechte am Treuhandgewinn zu beteiligen. Dort blieben am Ende aber nur Schulden. Hätte man Mitte der neunziger Jahre die Treuhandhinterlassenschaft, den Erblastentilgungsfonds, nicht gesamtdeutsch getragen, sondern versucht, ihn auf die Ostdeutschen zu verteilen, wäre dort jeder mit etwa 22.000 D-Mark Schulden belastet worden." Schwanitz war von 1998 bis 2002 Ost-Beauftragter der rot-grünen Bundesregierung.

In der gleichen Zeitung vertritt VW-Managerin Hiltrud Werner jedoch die Meinung, dass die frühere DDR in den Jahren nach der Wiedervereinigung "systematisch deindustrialisiert" wurde. Die Treuhand habe das Volkseigentum verramscht, beklagte die in Thüringen aufgewachsene Werner. Dabei hätten manche Abenteurer aus dem Westen ihren Reibach gemacht. Die Treuhandanstalt war nach der Wiedervereinigung beauftragt, die staatlichen DDR-Betriebe zu privatisieren.

Quelle: n-tv.de, sba/dpa