Wirtschaft

Euro-Stärke Weidmann warnt vor kurzsichtiger Reaktion

Der feste Euro sorgt zwar für Besorgnis. Bundesbank-Chef Weidmann spricht sich aber gegen Schnellschüsse seitens der EZB aus. Er reagiert auf Äußerungen von EZB-Präsident Draghi, der weitere geldpolitische Lockerungen angekündigt hatte.

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(Foto: REUTERS)

Die Europäische Zentralbank (EZB) muss den Euro-W echselkurs nach Aussage von Bundesbank-Präsident Jens Weidmann genau beobachten, weil ein hoher Wechselkurs die ohnehin niedrige Inflation drückt. Sie sollte dabei aber nicht aus den Augen verlieren, dass der hohe Wechselkurs die Kehrseite einer für die Wirtschaft nützlichen Entwicklung ist, sagte Weidmann bei einer Konferenz in Frankfurt.

"Im Euroraum haben wir es gegenwärtig mit einer Phase ausgesprochen niedriger Inflationsraten zu tun, die voraussichtlich noch einige Zeit lang andauern wird. Bei seinen geldpolitischen Entscheidungen wird der Rat der Europäischen Zentralbank deshalb auch die weitere Wechselkursentwicklung genau beobachten", sagte Weidmann.

EZB-Präsident Mario Draghi hatte nach der jüngsten Ratssitzung wiederholt vor einem zu starken Euro gewarnt und für die Juni-Sitzung relativ unverblümt eine weitere geldpolitische Lockerung angekündigt und außerdem die Möglichkeit von Devisenmarktinterventionen erwähnt.

Weidmann machte deutlich, dass er von derartigen Verbalinterventionen nicht viel hält: "Sie können den Wechselkurs mit Worten beeinflussen - die Frage ist nur, wie nachhaltig das ist", sagte er.

Krisenländer profitieren

Nach entsprechenden Äußerungen von EZB-Ratsmitgliedern rechnen Beobachter damit, dass die EZB im Juni ihren Leitzins leicht senken und den Satz für Bankeinlagen bei der EZB negativ machen wird. Besonders letzteres könnte den Euro-Wechselkurs drücken, denn negative Zinsen machen Investitionen in Euro weniger attraktiv. Weidmann machte in seiner Rede aber darauf aufmerksam, dass gerade die Krisenländer des Euroraums derzeit von einer hohen Nachfrage nach ihren Staatsanleihen profitieren, denn das verbessere ihre Finanzierungsbedingungen.

"Dieses veränderte Kapitalanlageverhalten dürfte zum steigenden Außenwert des Euro beigetragen haben, während es jedoch gleichzeitig die Finanzierungsbedingungen merklich lockerte", sagte Weidmann. Dem kurzfristig dämpfenden Effekt einer Währungsaufwertung stehe der positive Wachstumseffekt aufgrund günstigerer Finanzierungsbedingungen gegenüber.

"Mittel- bis langfristig betrachtet dürfte dabei wohl der expansive Finanzierungseffekt überwiegen. Es wäre also kurzsichtig, nur einseitig die Wechselkursentwicklung in den Blick zu nehmen und die stimulierenden Effekte der sinkenden Staatsanleiherenditen außen vor zu lassen", sagte Weidmann.

Quelle: n-tv.de, wne/DJ

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