Wirtschaft

Angst vor dem Domino-Effekt Wenn Griechenland pleitegeht

Die Eurozone versucht mit Milliardensummen, die Pleite Griechenlands zu verhindern. Athen will massiv sparen und Staatsbesitz verkaufen. Doch erreicht ist bisher wenig. In Europa wird deshalb das bisher Undenkbare gedacht: das Euro-Land in die Insolvenz zu schicken. Was wären die Folgen?

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Die Zeit drängt. Die griechische Regierung kann nach eigenen Angaben die Löhne der Staatsbediensteten und die Renten noch bis Ende Oktober bezahlen. Das Land braucht deshalb dringend die nächste Tranche der milliardenschweren Finanzhilfen, ansonsten ist das Land pleite.

In der Eurozone mehren sich vor diesem Hintergrund die Stimmen, die eine geordnete Insolvenz des Landes für die am wenigsten schlechte Lösung halten. Auch die Bundesregierung schließt einen Bankrott angeblich nicht mehr aus.

Doch was passiert, wenn Griechenland wirklich pleitegeht? Die Folgen sind zwar nur schwer vorherzusagen. Fest steht allerdings, dass ein Bankrott nicht für Griechenland, sondern für die gesamte Eurozone Folgen hätte.

Banken als Problem

Eine Pleite bedeutet zunächst, dass Athen seine finanziellen Verpflichtungen nicht mehr erfüllen kann. Das könnte beispielsweise die Bezahlung von Beamten, die Auszahlung von Pensionen oder Sozialleistungen betreffen – und die ohnehin angespannte Lage noch verschärfen.

Auch für die griechischen Banken hätte ein Staatsbankrott Folgen. Denn die Europäische Zentralbank will im Falle eines Zahlungsausfalls von den Banken keine griechischen Staatsanleihen als Garantien akzeptieren und ihnen kein Geld mehr leihen. Damit stünden die Banken vor dem Zusammenbruch. Bürger und Firmen bekämen keine Kredite mehr – es droht damit eine Blockade der griechischen Wirtschaft.

Außerdem könnte Griechenland seinen Schuldendienst nicht mehr leisten. Athen müsste dann mit seinen Gläubigern darüber verhandeln, wie mit den Schulden umgegangen wird. In der Regel bleibt den Gläubigern nichts anderes übrig, als auf einen Teil des Geldes zu verzichten. Griechenland bekommt dann zwar eine Chance, sich zu restrukturieren. Allerdings wird es nach der Insolvenz höhere Zinsen am Anleihemarkt zahlen als Länder mit vergleichbarer Wirtschaft.

Die Schwierigkeiten bleiben

Ein Schuldenschnitt erleichtert zwar die Schuldenlast, doch er würde das Grundproblem Athens nicht lösen: Griechenland würde sich weiterhin in einer finanziellen Schieflage befinden. Das Land hat keine konkurrenzfähige Wirtschaft und gibt - wie viele andere Staaten auch - strukturell mehr aus als es einnimmt. Damit wäre Griechenland auch nach einer Pleite noch lange nicht auf dem richtigen Weg, sondern würde wohl nach einiger Zeit wieder vor unlösbaren Defiziten stehen.

Eine Pleite Griechenlands würde zudem nicht auf das Land beschränkt bleiben. Die Gläubiger müssten auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten. Besonders deutsche und französische Banken sind stark in griechischen Staatsanleihen engagiert. Nicht nur die  Europäische Zentralbank fürchtet, dass einige Institute in ernste Schwierigkeiten geraten können. Als mahnendes Beispiel gilt die Pleite der US-Bank Lehman Brothers, die die gesamte Finanzwelt erschütterte.

Damit nicht genug - eine Pleite Griechenlands könnte einen Domino-Effekt auslösen. Mit hoher Wahrscheinlichkeit würden die Refinanzierungskosten für andere Euro-Länder in die Höhe steigen. Schließlich müssten Investoren nach dem ersten Staatsbankrott eines Euro-Landes fortan damit rechnen, dass auch andere Länder pleitegehen können.

Euro oder Drachme?

Unklar ist auch, ob Griechenland bei einer Pleite den Euro behält oder die Drachme wieder einführt. Die Rückkehr zu einer nationalen Währung hätte für das Land den Vorteil, dass es mit einer Abwertung konkurrenzfähiger wird und damit die Konjunktur ankurbeln kann. Auf der anderen Seite steht wachsende Inflationsgefahr. Zudem müsste Griechenland seine Euro-Schulden in einer weicheren Währung tilgen.

Auch bei diesem Szenario gilt: Die größte Gefahr für die Eurozone ist der Domino-Effekt. Nicht nur in Griechenland würden Anleger versuchen, ihr Geld in Sicherheit zu bringen. Auch in Spanien und Portugal wäre das der Fall, wenn Sparer damit rechnen müssen, dass ihr Land die Eurozone verlässt und sie bald eine weichere Währung in den Händen halten.

Damit könnte es in mehreren Ländern Europas zu einem Ansturm von Bankkunden auf ihre Einlagen geben. Das könnte ohnehin schon taumelnden Banken europaweit in die Pleite treiben – mit ungewissen Konsequenzen.

Quelle: ntv.de