Wirtschaft

Der Absturz von Brasiliens reichstem Mann Wie Batista 30 Milliarden verlor

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Eike Batista hat 30 Milliarden Dollar verloren.

(Foto: REUTERS)

Es ist einer der größten Finanzkollapse der Geschichte: Das Milliarden-Imperium von Eike Batista bricht zusammen, sein Öl-Konzern OGX hat Insolvenz angemeldet. Der Tycoon war einst der siebtreichste Mann der Welt – und hat ein Vermögen von 30 Milliarden Dollar in nur einem Jahr verloren.

Geschwindigkeit war schon immer das Lebenselixier von Eike Batista. Mit 24 kaufte er seine erste Goldmine. In den 90ern fuhr er Rennboote, heiratete ein Playmate, seine Söhne nannte er Olin und Thor, wie den nordischen Gott. Die atemberaubende Geschwindigkeit, mit der er sein Imperium schuf, zeigte sich auch im Namen seiner Firmen: Jedes von Batistas Unternehmen endet auf X. Ob Schiffe (OSX), Energie (MPX), Kohle (CCX), Immobilien (REX) oder Gold (AUX): Das X stand für Batistas Versprechen, die Gewinne in kurzer Zeit um ein X-faches zu steigern. Mit dem gleichen Tempo ist Batista nun abgestürzt.

"Ich bin ohne Zweifel in dieser Geschichte der größte Verlierer", sagte Batista, dessen Mutter in Hamburg geboren wurde, kürzlich in einem der rar gewordenen Interviews dem "Wall Street Journal". Batistas Absturz ist zweifellos einer der größten finanziellen Zusammenbrüche der Geschichte: Einst war er der reichste Mann Brasiliens, laut "Forbes"-Ranking der siebtreichste Mann der Welt. Bis 2015 wolle er der reichste Mann der Erde werden, 100 Milliarden Dollar schwer, tönte Eike Batista gegenüber Bloomberg News. Er hat das Kunststück vollbracht, ein Vermögen von über 30 Milliarden Dollar in nur einem Jahr zu verspielen.

Wunder vor Brasiliens Küste

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Batista (li.) mit Brasiliens Staatschefin Dilma Rousseff.

(Foto: REUTERS)

OGX, das Flaggschiff seiner nach ihm benannten Holding EBX, hat Insolvenz angemeldet. Es ist die größte Pleite Lateinamerikas. Mit OGX wollte Batista einen sagenumwobenen Schatz heben: Ölvorkommen in der Tiefsee vor der brasilianischen Küste, die Ex-Präsident Lula da Silva einst "ein Geschenk Gottes" nannte. Der US-Vermögensverwalter Blackrock, die Allianz-Tochter Pimco, Exxon, IBM, General Electric und selbst Mubadala, der Staatsfonds aus Abu Dhabi, investierten Milliarden. Dass Batista keinerlei Erfahrung im Ölgeschäft hatte, störte niemand.

Schließlich hatte Batista die richtigen Verbindungen und machte riesige Versprechen: Sein Vater Eliezer Batista da Silva war einst Chef von Vale, heute einer der größten Minenkonzerne der Welt, der damals noch dem brasilianischen Staat gehörte. Mehr als eine Million Barrel Öl wollte sein Sohn mit OGX täglich fördern. Ihre potentiellen Reserven bezifferte Batistas Firma auf fast fünf Milliarden Barrel, mehr als ein Drittel der Gesamtbestände von Petrobras, Brasiliens halbstaatlichem Ölgiganten.

Doch das Wunder in der brasilianischen Tiefsee erwies sich als Hirngespinst: 2012 musste OGX einräumen, die ehrgeizigen Produktionsziele weit zu verfehlen. Die Aktien von OGX, die 2008 im größten Börsengang der brasilianischen Geschichte auf den Markt gekommen waren, verloren 90 Prozent ihres Wertes. Und Batista mit ihnen sein Milliardenvermögen. Richtig eng wurde es für Batista aber erst Anfang Oktober: OGX konnte Zinsen von 45 Millionen Dollar für laufende Anleihen nicht mehr zahlen und begann mit seinen Gläubigern zu verhandeln. Um die Erforschung seiner Ölfelder zu finanzieren, hatte sich OGX mit rund 3,6 Mrd. Dollar verschuldet.

Rezept für ein globales Desaster

Auch die anderen Firmen in Batistas Imperium drohen nun zusammenzubrechen. Denn um auch an wirklich jeder Stufe des Öl-Booms zu verdienen, hat Batista um OGX herum ein ganzes Netz von Unternehmen gestrickt: OGX sollte Bohrplattformen von seiner Schiffsfirma kaufen. Neben Öl sollte OGX auch Gas für seine Energiefirma MPX liefern. Und um das Öl abzutransportieren baut seine Logistikfirma LLX einen Superhafen von der Größe Manhattans, von dem aus auch seine Minenfirma MMX Erze verschiffen soll.

Batistas Profitkreislauf wird nun zum Teufelskreis. Investoren auf der ganzen Welt, die seinen Firmen insgesamt 10 Mrd. Dollar geliehen haben, droht deshalb bei einer Pleite von OGX ein böses Erwachen. Deutschlands Stromriese Eon ist mit rund 38 Prozent inzwischen der größte Anteilseigner von Batistas Versorger MPX, der mittlerweile Eneva heißt.

Die Schuld an dem Desaster gibt Batista anderen: Seine Manager – die Batista vorher noch sein "Dream Team" genannt hatte – hätten ihn hinters Licht geführt. "Sie haben mir brillante Berichte geliefert und mich überzeugt, große Investitionen zu machen." Er habe nicht die Erfahrung gehabt, ihre Einschätzungen infrage zu stellen.

Erfahrung darin, Schuld von sich zu weisen, hat Batista nicht nur im Berufsleben: Sein 21jähriger Sohn überfuhr im März einen Tagelöhner in einem Armenviertel von Rio – mit dem McLaren Mercedes, den sein Vater gewöhnlich im häuslichen Wohnzimmer parkte. Über Twitter beschwerte sich Batista, der Mann habe das Leben seines Sohnes riskiert.

Quelle: ntv.de, mit dpa

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