Wirtschaft

Anleger-Sorgen nach der Prokon-Pleite Wie riskant sind Genussscheine?

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Das Windrad steht still: Verlieren die Prokon-Anleger ihr gesamtes Kapital?

(Foto: dpa)

Beim Windparkbetreiber Prokon ist nun der Insolvenzverwalter im Haus und die Anleger stehen mit ihren Genussscheinen möglicherweise vor einem Totalverlust. Hätten sie es besser wissen können?

1,4 Milliarden Euro haben mehr als 75.000 Anleger bei Prokon investiert. Sie warten mit Sorge auf die Ergebnisse der Arbeit des Insolvenzverwalters. Nachdem der Konzern schon länger keine Ergebnisse mehr vorgelegt hat, muss Insolvenzverwalter Dietmar Penzlin klären, wie die Firma das Genussrechtskapital investiert hat und welche Vermögenswerte noch vorhanden sind. "Erst dann kann beurteilt werden, wie werthaltig das Prokon-Vermögen ist und ob für die Genussrechteinhaber Verwertungschancen bestehen" erklärte die Schutzgemeinschaft der Kleinanleger (SdK). Genussscheininhaber befürchten das Schlimmste, dabei hat eine nüchterne Chance-Risiko-Abwägung bereits zur Vorsicht gemahnt. Wenn hohe Renditen versprochen werden, sollte immer das Risiko beachten und im Falle von Genussrechten heißt dieses Risiko für den Käufer dieser Papiere Insolvenz und damit Totalverlust.

Zwischen Baum und Borke

Denn Genussscheine sind eine Anlageform zwischen Aktie und Anleihe. Sie verbriefen ein Recht auf die Rückzahlung des Nominalwertes und zum Bezug der regelmäßigen Ausschüttung. Sie hängt üblicherweise vom Jahresgewinn des emittierenden Unternehmens ab. Und entscheidend für den Fall einer Pleite: Die Scheine sind nachrangige Papiere. Das bedeutet, dass die Verbindlichkeiten im Falle einer Insolvenz erst nach den Forderungen der anderen Fremdkapitalgläubiger bedient werden. Für dieses höhere Risiko ist die Verzinsung entsprechend größer als bei Anleihen. Im Gegensatz zu einem Aktionär haben die Genussscheininhaber jedoch kein Mitspracherecht bei der Geschäftsführung.

Der Emittent ist entscheidend

Genussscheine sind aber nicht generell eine riskante Anlageform. Vielmehr hängt das Risiko von dem Emittenten ab, also dem Unternehmen ab, das die Papiere begibt. Vorteilhaft ist es zudem, wenn die Papiere an der Börse gehandelt werden. Ein Blick auf die meistgehandelten Genussscheine an der Börse Stuttgart zeigt, dass etliche in den vergangenen Jahren kräftig gestiegen sind. So sind die Papiere des Medienkonzerns Bertelsmann in den vergangenen drei Jahren kräftig geklettert. Der Konzern profitiert nicht zuletzt von der guten Geschäftsentwicklung bei dem Fernsehsender RTL Group an dem Bertelsmann 75,1 Prozent hält. Starker Nachfrage erfreuten sich zuletzt auch die Genussscheine der Medizintechnikfirma Drägerwerk.

Es kommt also immer darauf an, was in der Hülle Genussschein steckt. Im Falle von Prokon ein risikobehafteter Betreiber von Windparks, der mit hohen Renditeversprechen die Anleger gelockt hat. Um ähnliche Probleme wie bei Prokon künftig zu vermeiden, müssen sich Anleger den Emittenten der Genussscheine noch viel genauer anschauen.

Quelle: ntv.de