Wirtschaft

Fibonacci hilft auf die Sprünge Wie weit kann der Dax noch laufen?

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(Foto: picture alliance / dpa)

Angetrieben von der Geldpolitik der Notenbanken eilt der Aktienmarkt von Rekord zu Rekord. Der Dax dringt in neues Territorium vor. Um Kursziele zu bestimmen, bietet sich ein Ansatz an, dessen Wurzeln bis in das 12. Jahrhundert zurückreichen.

Der Technischen Analyse wird oft ein hohes Maß an Subjektivität vorgeworden. Genaue Vorgaben, an welchem Punkt Trendlinien und Widerstände liegen, gibt es nicht. Entscheidend für den Erfolg ist vor allem die Erfahrung. Eine wichtige Ergänzung stellen sogenannte Fibonacci Retracements dar, denn hier spielt die Mathematik eine große Rolle.

Fibonacci existiert fast überall

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Chart 1: Fibonacci-Retracements

Um das Konzept zu verstehen, ist ein kurzer Blick in die Geschichtsbücher notwendig. Im 12. Jahrhundert entdeckte der italienische Mathematiker Leonardo da Pisa die Fibonacci Zahlenfolge. Dabei berechnet sich jede weitere Zahl aus der Summe der beiden vorhergehenden Werte. Die Zahlenfolge beginnt mit 1, 1, 2, 3, 5, 8, 13, 21, 34, 55, 89, 144 und geht bis unendlich. Jede einzelne Zahl entspricht in etwa dem 1,618-fachen der vorhergehenden Zahl, und gleichzeitig dem 0,618-fachen der folgenden Zahl sowie dem 0,382-fachen der übernächsten Zahl.

Interessant ist, dass sich die Zahlen und Verhältnisse sehr häufig auch in der Natur finden. So bilden bei Sonnenblumen die Einzelblüten ein System zweier Spiralen mit 55 rechtsdrehenden und 34 linksdrehenden. In der Musik besteht eine Oktave aus 13 Tasten mit 5 schwarzen und 8 weißen. Auch im Universum oder der Architektur finden sich weitere Beispiele.

Psychologie und Technische Analyse

In den 20er-Jahren des vorherigen Jahrhunderts wurde der Ansatz wesentlich populärer, als der Wissenschaftler Ralph Nelson Elliott unterstellte, dass die Gesetze der Massenpsychologie der Fibonacci-Zahlenreihe folgen. Da die Börsen zu rund 90 Prozent von der Psychologie bestimmt sind, könnten die Fibonacci-Verhältnisse folglich auch an den Finanzmärkten eine wichtige Rolle spielen. In der Praxis trifft diese Vermutung durchaus zu. Vielfach drehen die Kurse an wichtigen Fibonacci-Niveaus.

In der technischen Analyse werden besonders die 38-, 50- und 62-Prozent-Niveaus stark beachtet. Angewendet auf die Hoch- und Tiefpunkte, können so die zyklischen Schwankungen bereits frühzeitig erfasst werden. Setzt nach einem Aufwärtsimpuls bei einem Basiswert eine Korrektur ein, wird zur Ermittlung der Fibonacci-Retracemenets die vorangegangene Bewegung gemessen. Das Ergebnis wird schließlich um 38-, 50- und 62-Prozent der zuvor ermittelten Länge korrigiert.

Als Faustregel gilt: Reicht der Rücksetzer während einer Aufwärtsbewegung nur bis an das 38-Prozent-Niveau, bleibt der bullische Impuls intakt. Eine Trendwende liegt erst vor, wenn die vorherige Bewegung um mehr als 62 Prozent korrigiert wird. Allerdings ist natürlich auch dieser Ansatz nicht unfehlbar. Fallen aber bereits bestätigte Unterstützungen und Widerstände mit wichtigen Fibonacci-Marken zusammen, steigt deren Bedeutung.

Zwei Volltreffer im Dax-Chart

Angewendet auf den Dax (Chart 1, Fibonacci-Retracements) sieht  die  Ausgangslage wie folgt aus. Als Tiefpunkt dient das Ende der letzten größeren Korrektur von zehn Prozent im Juni 2013 bei rund 7670 Punkten, während der Ausgangspunkt auf der Oberseite das jüngste Rekordhoch bildet. Abgeleitet aus dieser Spanne liegt das 38-Prozent-Korrekturniveau bei rund 9000 Punkten, die 62er-Marke bei 8500 Zählern. Auf diesen Niveaus liegen auch einige wichtige, mittelfristige Unterstützungen. Im Bereich um 8900 / 9000 drehte der DAX seit Oktober 2013 bereits mehrfach wieder nach oben.

Fällt der DAX weiter zurück, wäre dies aufgrund der Relevanz ein sehr bearisches Zeichen. Weitere Verluste bis an das 62 Prozent-Niveau bei 8500 Zählern könnten folgen. Auch hier finden sich einige Hoch- und Tiefpunkte aus 2013 und somit eine Unterstützung. Aus Fibonacci-Sicht ist der Aufwärtsimpuls seit Juli vergangenen Jahres erst als beendet anzusehen, wenn der Dax unter 8500 Punkte fallen sollte.

Kursziele auf unbekanntem Terrain

Derzeit ist der Blick aber eindeutig nach oben gerichtet. Auf allen Zeitebenen weisen die Trends aufwärts. Interessanter ist vorerst die Suche nach weiteren Kurszielen über dem bisherigen Rekordhoch. Auch hier bietet der Fibonacci-Ansatz wertvolle Hilfe. Obwohl der Dax am Gipfel notiert und somit keine bereits bestätigten Widerstände existieren können, lassen sich durchaus mögliche Zielbereiche bestimmen. Zur Anwendung kommen Fibonacci Extensions.

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Chart 2

Die Vorgehensweise ist ähnlich wie bei den Fibonacci Retracements.  Zunächst wird die Distanz zwischen zwei wichtigen Hoch- und Tiefpunkten gemessen.  Dieser Wert wird mit den Fibonacci-Ratios von 0,38 und 0,62 multipliziert. Das Ergebnis wird in einem Aufwärtstrend zum Hochpunkt addiert.

Chart 2 zeigt die Fibonacci Extensions von 138 Prozent bei 10.155 Punkten und 162 Prozent bei 10.370 Zählern. Auch diese Kursmarken sind natürlich nicht in Stein gemeißelt. Die ausgegebenen Ziele stellen lediglich Niveaus dar, an denen mit verstärkten Gewinnmitnahmen zu rechnen ist. Zusammen mit weiteren Hilfsmitteln können so auch oberhalb des Rekordhochs gute Orientierungsmarken identifiziert werden.

Quelle: n-tv.de