Wirtschaft

Wiederaufbau in Libyen Wirtschaft wittert gute Geschäfte

Noch ist Libyens Diktator Gaddafi nicht endgültig besiegt, doch die deutsche Wirtschaft bringt sich bereits in Stellung. Beim Wiederaufbau des Landes hoffen die Unternehmen auf lukrative Geschäfte, vor allem beim Ausbau der Infrastruktur.

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Die BASF-Tochter Wintershall ist seit 1958 in Libyen aktiv.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die deutsche Wirtschaft hat Libyen stärkere Investitionen in Aussicht gestellt. "Bei stabilen politischen Rahmenbedingungen sehe ich gute Chancen für das Engagement deutscher Unternehmen in Libyen", sagte der stellvertretende Bereichsleiter Internationales des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Felix Neugart. "Das unberechenbare Umfeld und fehlende Rechtssicherheit haben bislang vor allem Mittelständler von Geschäftsaktivitäten in Libyen abgehalten. Das Interesse deutscher Firmen ist aber da." Chancen böten sich vor allem beim Ausbau der Infrastruktur. "Die ist - gemessen am Reichtum des Landes - unterentwickelt", sagte Neugart. 

Auch der Afrika-Verein der deutschen Wirtschaft macht sich für Investitionen in dem Land stark, das nach dem Einzug der Rebellen in der Haupstadt Tripolis vor einem Machtwechsel steht. "Wir werden unsere Mitgliedsunternehmen dazu aufrufen, sich dort zu engagieren und den Wandel zu unterstützen", sagte Geschäftsführer Hans Meier-Ewert. Der Übergangsrat der vor dem Sieg über Gaddafi stehenden Rebellen bestehe aus "integren Leuten". "Die sollten unsere volle Unterstützung haben", sagte Meier-Ewert, der Ende Juli mit 20 deutschen Unternehmensvertretern in Benghasi weilte und mit hochrangigen Vertretern des Übergangsrats zusammentraf. "Die deutsche Technologie hat in Libyen einen erstlassigen Ruf. Wir sind als Geschäftspartner extrem geschätzt."         

Hilfsgüter notwendig

Kurzfristig sei das Land aber erst einmal auf humanitäre Hilfe angewiesen. "Es ist erst einmal notwendig, das Land mit Medikamenten und anderen Hilfsgütern zu versorgen", sagte Meier-Ewert, dessen Verein im September eine Libyen-Veranstaltung plant und dabei Spenden für den Wiederaufbau sammeln will.   

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Die RWE-Tochter Dea fördert seit 2003 in Libyen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Dem Verein zufolge sind etwa 100 deutsche Firmen in Libyen aktiv, darunter Siemens, Wintershall und RWE Dea. "Die meisten Anlagen stehen unversehrt da", sagte der Experten. "Sie können in zwei, drei Wochen wieder hochgefahren werden."         

Libyen gehörte vor dem Bürgerkrieg zu den wenigen Ländern, aus denen der langjährige Exportweltmeister Deutschland mehr Waren bezieht als dort absetzt. 2010 fanden Waren im Wert von 3,1 Milliarden Euro den Weg nach Deutschland - das waren gut zehn Prozent mehr als 2009. Damit belegt Libyen Platz 38 in der Rangliste der wichtigsten deutschen Importländer. Gekauft wurden fast ausschließlich Erdöl, Erdgas sowie Mineralöl- und Kokereiprodukte. "Das Land ist in den vergangenen Jahren einer unserer wichtigsten Öllieferanten gewesen", sagte DIHK-Experte Neugart. "Es bleibt als Energielieferant interessant."    

Umgekehrt setzten deutsche Unternehmen in dem nordafrikanischen Land Waren im Wert von knapp einer Milliarde Euro ab. Gefragt waren in Libyen vor allem die klassischen deutschen Exportschlager: Maschinen und Fahrzeuge.

Quelle: n-tv.de, rts

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