Wirtschaft

Dunkle Wolken über dem Export ZEW-Index sackt kräftig ab

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Das sieht nicht gut aus: Die Konjunkturerwartungen der Börsenprofis trüben sich im September sehr viel stärker ein als erwartet. Das Konjunkturbarometer für Deutschland rutscht sogar unter das langfristige Mittel. Analysten deuten nach China.

Der ZEW-Index ist nach dem Sommer kräftig abgesackt: Finanzmarktexperten bewerteten die Aussichten für die deutsche Wirtschaft deutlich schlechter als im Vormonat. Der ZEW-Index der Konjunkturerwartungen fiel im September bereits den sechsten Monat in Folge.

Das Konjunkturbarometer des Mannheimer Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) sank um 12,9 Zähler von zuletzt 25,0 auf 12,1 Punkte (Hinweis: Mobilnutzer finden die Infografik hier). Der ZEW-Index beruht auf einer Umfrage unter 220 Anlegern und Analysten. Der starke Rückgang sorgt unter Experten für Stirnrunzeln: Im Vorfeld befragte Ökonomen hatten im Schnitt lediglich mit einem Rückgang auf 18,4 Zähler gerechnet.

"Die Konjunkturabschwächung in den Schwellenländern dämpft den Ausblick für die exportorientierte deutsche Volkswirtschaft", kommentierte ZEW-Präsident Clemens Fuest die Entwicklung. "Während das Wirtschaftswachstum im zweiten Quartal noch stark von der Außenhandelsnachfrage geprägt war, dürften vom Export künftig weniger positive Wachstumsimpulse ausgehen."

China-Sorgen erreichen Deutschland

Damit wirkt sich offenbar bereits auch die Angst vor einer nachlassenden Wirtschaftsdynamik in China auf die deutschen Konjunkturaussichten aus. Bereits im August hatten sich die ZEW-Konjunkturerwartungen - wie in den vier Monaten zuvor - eingetrübt.

Die unklaren Wachstumsaussichten in China hatten in den vergangenen Wochen erhebliche Unsicherheit an den Märkten ausgelöst. Die Regierung in Peking stemmt sich mit energischen Maßnahmen gegen die um sich greifenden Spekulationen hinsichtlich einer 'harten Landung' der chinesischen Volkswirtschaft.

"Mit Vorsicht genießen"

"Man sollte den ZEW-Index mit Vorsicht genießen. Tatsache ist, dass die niedrigen Rohstoffpreise und der schwache Euro immer noch das beste Doping sind für die deutsche Wirtschaft", sagte Konjunkturexperte Carsten Brzeski von der ING Bank. "Die jüngsten Industriedaten signalisieren, dass die Wirtschaft positiv ins dritte Quartal gestartet ist. Bisher haben weder China noch Griechenland die Erholung der deutschen Konjunktur wesentlich gebremst."

Tatsächlich bewerteten die vom ZEW befragten Finanzmarktprofis die konjunkturelle Lage in Deutschland aktuell erneut besser als im Vormonat: Das entsprechende Barometer stieg um 1,8 Zähler auf 67,5 Punkte. Damit setzt sich bei der Lagebeurteilung der August-Trend fort: Im Vormonat war dieser Teilindex des ZEW um 1,8 Punkte gestiegen.

Zinsen tief, Euro schwach

"Der Rückgang sollte nicht überinterpretiert werden", meinte auch Thomas Gitzel von der VP Bank, Liechtenstein. Offenbar sei die Stimmung schlechter als die Lage. "Deutschland wird im derzeitigen Umfeld keine Wachstumswunder vollbringen können, doch ein deutlicher Wachstumseinbruch ist auf der anderen Seite auch nicht zu erwarten", gab Gitzel Entwarnung. "Die Zinsen sind tief, der Euro ist schwach und die Arbeitnehmer können sich über deutliche Lohnzuwächse freuen. Die Binnenkonjunktur verfügt also über genug Nahrung, um die deutsche Wirtschaft zu stützen."

Helaba-Ökonom Ulrich Wortberg reagierte dagegen deutlich vorsichtiger. "Der deutliche Rückgang des Erwartungssaldos überrascht und er wird nur zu einem kleinen Teil durch die robuste Lageeinschätzung relativiert. Insofern ergibt sich für den Ifo-Geschäftsklimaindex eine negative Indikation."

Quelle: n-tv.de, mmo/DJ/rts

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