Wirtschaft

Banken in Schieflage Zypern bereitet Hilferuf vor

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In der Rezession: In Nikosia geht ein Mann an einem geschlossenen Geschäft vorüber.

(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Seit Tagen bereitet Zypern die Eurozone darauf vor, und bald ist es wohl soweit: Das Land wird Hilfe für seinen Bankensektor beantragen. Da die Regierung Sparauflagen möglichst vermeiden will, soll der Löwenanteil des Geldes aber aus Russland kommen.

Das klamme Zypern wird die Europäische Union wohl in Kürze um eine milliardenschwere Geldspritze für seinen Bankensektor bitten. Der Inselstaat werde dies "wahrscheinlich in der kommenden Woche tun", zitierte die Nachrichtenagentur Reuters einen EU-Diplomaten. Außerdem werde Zypern bei Russland um einen Kredit zwischen 3 und 5 Mrd. Euro ersuchen. Damit würde die Hilfe der Eurozone etwa ein Volumen von 1 Mrd. Euro haben.

Die Wirtschaft und die Banken Zyperns sind eng mit dem benachbarten Griechenland verflochten, dessen Wirtschaft und Finanzbranche sich in einer beispiellosen Krise befinden. Außerdem hatten die zyprischen Banken im Zuge des Forderungsverzichts gegenüber Griechenland hohe Abschreibungen vornehmen müssen.

Das Land steckt tief in der Rezession. Von Anfang Januar bis Ende März schrumpfte die zyprische Wirtschaft um 0,4 Prozent. Es war das dritte Minus-Quartal in Folge. Auf Jahresbasis beträgt der Rückgang 1,6 Prozent - und Aussicht auf Besserung ist nicht in Sicht. Die Notenbank geht davon aus, dass die Wirtschaft werde 2012 um 1,1 Prozent schrumpft.

Die Zeit drängt

Finanzminister Vassos Shiarly hatte am Dienstag darauf hingewiesen, dass sein Land so schnell wie möglich einen Kredit für die Rekapitalisierung seiner Banken benötigt. "Ich habe ausgerechnet, dass es noch 278 Stunden bis zum 30. Juni sind", sagte Shiarly vor Reportern in Athen. Die Popular Bank, das zweitgrößte Finanzinstitut der Insel, muss bis zu diesem Tag frisches Kapital erhalten. Dabei geht es um etwa 1,8 Mrd. Euro, was 10 Prozent der zyprischen Wirtschaftsleistung entspricht.

Zypern hatte sich erst voriges Jahr 2,5 Mrd. Euro von Russland geliehen. Sollte wieder Geld aus Russland fließen, würde das in der EU wohl zu Kritik führen - nicht zuletzt, weil Zypern zum 1. Juli die Ratspräsidentschaft der Europäischen Union übernimmt. Das Land macht nur 0,2 Prozent der gesamten Wirtschaftskraft in der Euro-Zone aus.

Die Gründe für das Engagement der Russen liegen für Experten auf der Hand: Auf Zypern seien große russische Öl-, Metallurgie- und sonstige Konzerne eingetragen, die einen Teil ihres Geldes in zyprischen Banken deponierten, sagte ein Analyst. "Deshalb will Russland den Konkurs dieser Banken nach Kräften verhindern."

Um den bilateralen Kredit Russlands werde Zypern sich noch in dieser Woche bemühen, sagte der EU-Diplomat. Der Antrag auf EU-Hilfe solle wahrscheinlich nach dem Modell Spaniens erfolgen, das Finanzhilfen für seinen Bankensektor beantragt hatte – zugleich aber betonte, dass der Staat selbst keine Hilfe der Euro-Partner benötige. Zypern will damit wie Madrid strenge Auflagen der Kreditgeber vermeiden.

Quelle: ntv.de, jga/rts/DJ/dpa

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