Karriere

Selbstvermarktung im Netz So machen Sie sich zur Marke

exp111.jpg

Wer sich selbst erfolgreich vermarkten will, muss sich zunächst über die eigenen Stärken klar werden.

(Foto: imago/Westend61)

Bewerbungsmappen an Personalabteilungen schicken? Macht man vielleicht als Praktikant. Wer als Führungskraft Karriere machen will, lässt sich lieber finden. Dabei sollte man nichts dem Zufall überlassen.

Nehmen wir an, Sie können sich einen neuen Laptop aussuchen. Zur Auswahl stehen zwei ähnliche Geräte, das eine von einem bekannten Markenhersteller, das andere ein No-Name-Produkt. Wahrscheinlich werden Sie sich für den Rechner mit dem bekannten Namen entscheiden. Warum? Weil Sie sich auf die Qualität der Marke verlassen. Was das mit Ihrer Karriere zu tun hat? Womöglich so einiges. Das Markenprinzip können Sie nämlich auch für sich als Person nutzen. Sich als Führungskraft von anderen Kandidaten abzuheben, wird immer wichtiger, denn die Rekrutierungswege haben sich geändert.

Vorbei sind die Zeiten, als Lebenslauf und Arbeitszeugnisse, zwischen den Deckeln der Bewerbungsmappe abgeheftet, auf den Schreibtischen der Personalabteilungen landeten und dort als einzige Orientierungshilfe für die erste Auswahl dienten. Wer heute Aufmerksamkeit auf sich ziehen will, muss sich online präsentieren und positionieren. Wir sagen Ihnen, wie Sie sich selbst zur Marke machen und sich auch erfolgreich so verkaufen.

1. Finden Sie heraus, wer Sie sind

imago63848993h.jpg

Marathon ist Ihr Hobby? Dann könnte Ausdauer Teil Ihrer Marke sein.

(Foto: imago/Westend61)

Auf Ihrer Visitenkarte stehen Ihr Name und Ihre Jobbezeichnung. Aber nicht, wer Sie sind. Überlegen Sie, welche Eigenschaften Sie dorthin gebracht haben, wo Sie gerade stehen. Für welche Aufgaben hat man Sie ausgewählt und warum? Bei welchen Themen wird Ihr Rat gehört? Welche Kompetenzen und welche Charaktereigenschaften zeichnen Sie aus? Auch persönliche Stärken, die nicht unmittelbar mit Ihrem Beruf zusammenhängen, können eine Rolle spielen. Gehen Sie beispielsweise als Ausdauersportler gern an Ihre Grenzen? Haben Sie in verschiedenen Kulturkreisen gelebt? Dann kann auch Durchhaltevermögen oder interkulturelle Kompetenz Teil Ihres Markenkerns werden.

Verlassen Sie sich nicht allein auf Ihre Selbstwahrnehmung, sondern finden Sie auch heraus, wie Sie auf andere wirken. Hören Sie sich also bei Freunden, Familie und in Ihrem beruflichen Umfeld um, was man an Ihnen besonders schätzt. Gehen Sie unvoreingenommen mit den Meinungen um. Es geht hier schließlich um Ihre Außenwirkung, und die können nun einmal nur andere beurteilen.

Aus allen genannten Eigenschaften ergibt sich ein vielseitiges Bild Ihrer selbst. Um daraus ein scharfes Profil zu formen, müssen Sie Schwerpunkte setzen. Suchen Sie sich also die drei oder vier markantesten Elemente heraus und bringen Sie diese mit Ihren Leistungen in Verbindung. Denken Sie daran, dass alles, was Sie für sich postulieren, auch belegbar sein sollte. Wenn Sie sich beispielsweise über Ihren analytischen Sachverstand und Ihr diplomatisches Geschick definieren und als durchsetzungsstark gelten, dann könnte sich das darin manifestieren, dass Sie häufig für das Management von Veränderungsprozessen eingesetzt werden.

Formulieren Sie dann aus den Eigenschaften Ihren "Markenkern" als persönliches Mantra. So können Sie sich im Alltag auf das besinnen, was Sie ausmacht und Ihre beruflichen Aktivitäten danach ausrichten.

2. Werden Sie, wer Sie sein wollen

imago67742175h.jpg

Manche Arten von Wissen lernt man nicht im Kursen oder aus Büchern, sondern aus Beobachtung.

(Foto: imago/Westend61)

Wenn Sie wissen, wer Sie sind und was Sie können, stellt sich die nächste Frage: Wie werden Sie der oder die Beste darin? In jeder größeren Firma gibt es eine Spezies von Fach- und Führungskräften, die den anderen um Längen voraus sind: die sogenannten "Deep Smarts". Über die Jahre haben sie eine Expertise entwickelt, die ihnen hilft, schnelle und kluge Entscheidungen zu treffen. Das betrifft die strategische Ebene ebenso wie die taktische. Wenn es um spezifisches Fachwissen geht, sind diese Experten die erste Anlaufstelle.

Niemand wird mit diesen Fähigkeiten geboren. Deep Smarts sind das Produkt ihrer Ausbildung, Denkweise und Erfahrung. Ihre spezifische Intelligenz lässt sich nicht über Bücher oder Fortbildungen lernen, sondern durch Beobachten, Analysieren und Nachahmen. Informelles Lernen nennt man diese Methode, die beispielsweise auch im Handwerk Anwendung findet. Bei Führungskräften ist OPPTY die verbreitete Methode. Die Abkürzung steht für "observation, practice, partnering and joint problem solving, and taking responsibility".

Zusammengefasst funktioniert das so: Sie suchen sich einen Experten, dessen Fähigkeiten Sie übernehmen wollen. Ihn beobachten Sie auf Schritt und Tritt und analysieren, was er tut. Wie geht er mit Menschen um, wie kommuniziert er, wie ist seine Körpersprache? Wie verhält er sich in bestimmten Situationen? Versuchen Sie diese Verhaltensweisen jetzt gezielt selbst anzuwenden – allerdings im geschützten Modus, also mit Supervision und Feedback.

Dann beginnt der partnerschaftliche Teil: Sie arbeiten eng mit Ihrem Vorbild zusammen. Dabei vergleichen Sie, was Sie tun und was der Experte tut. Zuletzt übernehmen Sie selbst die Verantwortung und versuchen, das Gelernte in Ihrer eigenen Arbeit umzusetzen.

3. Machen Sie sich einen Namen

Sie sind gut in dem, was Sie tun und das wissen Sie auch. Aber wie vermitteln Sie das den Leuten außerhalb Ihrer Firma? Indem Sie die Macht des Internets nutzen und sich einen Ruf als Experte machen. Das ist heute sehr viel einfacher als früher, als man nur auf den Zufall oder persönliche Verbindungen hoffen konnte, um als Experte "entdeckt" zu werden. Heute haben Sie die Sache selbst in der Hand.

Ein erster Schritt: Legen Sie sich ein aussagekräftiges Profil in den einschlägigen Netzwerken zu. Auf Karriereplattformen wie Experteer kann man sich Headhuntern auf ganz diskrete Weise präsentieren. Achten Sie darauf, dass Ihr Profil vollständig ist und arbeiten Sie auch hier Ihren "Markenkern" heraus.

Danach verschaffen Sie sich Gehör. Diskutieren Sie mit, wenn es um "Ihr" Thema geht. Hier kommen auch Plattformen wie Twitter infrage. Wenn Sie sich nicht darauf beschränken wollen, in Foren oder Kommentarspalten mitzumischen, schaffen Sie sich Ihre eigene Plattform, per Webseite oder (Video-)Blog. Hier sollten Sie natürlich nicht nur hochwertige Inhalte publizieren, sondern auch zielgruppengerechte. Ihr privater Blog über Modellbau oder Ihre Triathlonaktivitäten mag noch so professionell aufgezogen sein, wird Ihnen aber wenig nutzen, wenn Sie eine Karriere in der Versicherungsbranche oder als Markenrechtler verfolgen.

Wichtig, egal ob Sie bloggen oder twittern: Bleiben Sie dran! Haben Sie es geschafft, einen Kreis an Followern oder Lesern für sich zu gewinnen, halten Sie diese auch mit regelmäßigen Einträgen bei der Stange. So festigen Sie Ihren Ruf als Experte auch dauerhaft.

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema