Kolumnen

Inside Wall Street Apple-Aktie ignoriert Nackt-Selfies

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(Foto: REUTERS)

Dutzende Nacktfotos von Prominenten wie Jennifer Lawrence und Rihanna tauchen im Internet auf - und prompt wird über Sicherheitslücken bei Apple spekuliert. Doch der Börse ist das egal: Die Aktie erklimmt ein neues Rekordhoch.

Wer weiß, ob Jennifer Lawrence ihre tolle Figur ablichten wollte oder nur den neuen Bikini. Völlig klar ist, dass die Schauspielerin ihr iPhone gegen den Spiegel hielt für ein schnelles Selfie... jetzt geht der Schnappschuss um die ganze Welt, gemeinsam mit einem Dutzend anderer privater Fotos, auf der man auch den Busen der 24-Jährigen sehen kann. Schuld soll eine Sicherheitslücke bei Apple sein.

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Jennifer Lawrence ist, wie auch Kirsten Dunst, Kate Upton, Lena Dunham und ein paar andere Hollywood-Mädels, zum Opfer von Hackern geworden. Über eine Lücke in "Find your iPhone" – eine App, die eigentlich der Sicherheit der User dienen soll – sollen Foto-Diebe ganze Alben privater Bilder heruntergeladen und ins Netz gestellt haben.

Auf den sozialen Netzwerken wurde der Coup schnell zum Top-Thema. Und doch: Allzu viele Neugierige werden die Bilder gar nicht gesehen haben, denn sie sind nur schwer auffindbar. Das liegt vor allem an Jennifer Lawrences Anwälten, die juristisch gegen jeden vorgehen wollen, der die Bilder veröffentlichen würde - jetzt trauen sich nicht einmal die üblichen Verdächtigen ran. Selbst Schundblätter wie "Us" oder "National Enquirer" berichten ganz nüchtern und sparen sich den Link auf die Fotos.

Die Opfer selbst erfahren im Netz abwechselnd Zuspruch und Spott. Die Onlinegemeinde scheint überwiegend der Meinung zu sein, dass sich eben nicht nackt fotografieren solle, wer keine Nacktfotos von sich im Netz finden wolle. So einfach ist das - wer heute noch von absoluter Sicherheit und von Privatsphäre im Netz ausgeht, der ist schlicht naiv.

Neues iPhone kommt

Das ist wohl auch der Hintergrund, warum die Aktie von Apple unmittelbar nach dem Skandälchen keinen Druck verspürte. Munter kletterte das Papier auf ein neues Allzeithoch. Angetrieben wird die Aktie zur Zeit von der Euphorie der Investoren vor einem "Media Event" am nächsten Dienstag, bei dem aller Wahrscheinlichkeit nach das iPhone 6 vorgestellt werden soll. Es gibt Gerüchte über zahlreiche neue Funktionen, Bildschirmgrößen und - nicht zuletzt - eine bessere Kamera, die ja auch für anderes zu gebrauchen ist als für Nackt-Selfies.

"Die Leute werden nicht aufhören ein iPhone zu benutzen, nur weil bei ein paar Promis Hacker eingedrungen sind", meint Dave Aitel vom Computer-Sicherheitsspezialisten Immunity. Im Gegenteil: Die Nutzer scheinen heute mehr denn je gewillt zu sein, ihre Privatsphäre zu opfern, um dafür möglicherweise an kostenlose Leistungen zu gelangen. Bestes Beispiel: SnapChat hat jüngst einen Filter eingeführt, der die Nutzer ortet – die Informationen können umgehend für lokal relevante Werbung genutzt werden. Gestört hat sich daran bisher niemand.

Überhaupt sind zumindest die Amerikaner mit Informationen zu Person und Privatleben etwas freizügiger als etwa Kunden in Deutschland. Über die Verpixelung einfacher Wohnhäuser bei Google Maps kann man etwa in Amerika nur lachen... und die USA sind und bleiben für Apple der wichtigste Absatzmarkt. Hier sprach sich indes schnell herum, dass Apple die Sicherheitslücke geschlossen hat. Dafür gibt es Applaus, und die Marke dürfte letztlich von "Selfie-Gate" eher profitiert haben.

Quelle: ntv.de