Kolumnen

Inside Wall Street Barack Obamas Börsen-Feuerwerk

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Gute Noten für Barack Obama.

(Foto: AP)

Die Wall Street stellt dem US-Präsidenten ein Super-Zeugnis aus. Die Kurse haben unter Obama 140 Prozent zugelegt. Demokraten schneiden deutlich besser ab als Republikaner. Die Frage ist, warum?

Traditionell ziehen die Medien Bilanz, wenn ein Präsident die ersten hundert Tage hinter sich hat. Das ist ziemlich unsinnig, denn viel lässt sich in drei Monaten nicht erledigen. Barack Obama sitzt nun seit 2000 Tagen im Weißen Haus - das sind mehr als sechs Jahre, und da kann man eher über Erfolg und Misserfolg urteilen. Von der Wall Street gibt es ein gutes Zeugnis.

Nehmen wir eine Zahl vorweg: Seit Barack Obamas Amtsantritt im Januar 2009 haben die US-amerikanischen Aktienmärkte um 141 Prozent zugelegt. Das ist die drittbeste Zwischenbilanz aller US-Präsidenten. Noch besser ging es der Wall Street nur unter Bill Clinton und Roosevelt - interessanterweise führen damit drei Demokraten die Liste an, während republikanische Präsidenten eher abgeschlagen sind. Selbst Ronald Reagan, dessen Wirtschaftspolitik in den Achtzigern von den Republikanern fast religiös verehrt wird, schaffte nur ein Plus von 88 Prozent. George W. Bush musste ein Minus von 9 Prozent einstecken, schlechter war nur Richard Nixon mit einem Abschlag von 17 Prozent.

Nun stellt sich die Frage, ob ein Präsident überhaupt Anteil an der Entwicklung der Börsen hat oder ob ihm eher eine Zuschauerrolle zukommt. Die Wahrheit liegt wohl in der Mitte: Der Präsident schafft gemeinsam mit Kongress und Organen wie der Notenbank das Umfeld, in dem Corporate America arbeitet - dazu gehört die allgemeine Wirtschafts- und Finanzpolitik, das Steuerwesen, die Notenbank, ein Stück weit mit Sicherheit auch die Außenpolitik.

Die Märkte direkt beeinflussen kann er hingegen nicht. Vielmehr dürfte ausgerechnet Obama vieles gar nicht gefallen, was in seiner Amtszeit für dicke Kursgewinne gesorgt hat. Ein Großteil der Rallye der letzten Jahre beruht etwa auf der Strategie der Banken, das umsonst geliehene Geld von der Fed nicht etwa zu verleihen und damit die Konjunktur in Schwung zu bringen, sondern auf eigene Rechnung zu investieren. Letzten Endes kam ja die Niedrigzinspolitik vor allem der Finanzbranche zugute und nicht unbedingt dem ganzen Land.

Demokraten machen den Kursen Beinen

Doch zurück zu Geschichte und Statistik: Demokratische Präsidenten kommen am 2000. Tag ihrer Amtszeit auf ein durchschnittliches Kursplus von 132 Prozent - republikanische Präsidenten kommen auf 33 Prozent. Und die Bilanz ist genau so klar, wenn man sich von der (recht willkürlich gewählten) Marke verabschiedet und sich gleich auf die ganze Amtszeit bezieht. Dadurch können auch Präsidenten wie Jimmy Carter und George H.W. Bush berücksichtigt werden, die nur eine Amtszeit hatten und damit keine 2000 Tage im Weißen Haus waren.

Für alle Präsidenten seit 1933 haben die Statistiker folgendes ermittelt: Bei Republikanern beträgt das durchschnittliche Kursplus pro Tag 0,022 Prozent - bei Demokraten ist es mit 0,042 Prozent doppelt so hoch. Die letzten drei Präsidenten liegen an beiden Enden des Spektrums: Mit einem Tagesplus von 0,083 Prozent führt Bill Clinton die Liste der Börsensieger an, gefolgt von Barack Obama mit 0,071 Prozent - absoluter Verlierer ist George W. Bush mit einem Tagesabschlag von 0,012 Prozent.

Während die Zahlen hieb- und stichfest sind, kann man über die Gründe dieses börsenpolitischen Phänomens trefflich spekulieren. Zu einfach wäre es, den Demokraten magische Kräfte im Umgang mit der Wirtschaft zuzuschreiben. Damit bliebe zudem unberücksichtigt, dass die Wall Street seit eh und je über Demokraten schimpft und allein die negative Grundeinstellung der Anleger gegenüber dem politischen Umfeld zu Verkäufen führen sollte.

Interessanter ist, sich die Präsidenten und ihre Amtszeit individuell anzuschauen. Es fällt auf: Demokraten übernahmen das Ruder oft in Krisenzeiten. FDR etwa begann seine Präsidentschaft, nachdem der republikanische Vorgänger Hoover in seiner Amtszeit den großen Crash erlebt hatte. Barack Obama trat an, nachdem unter Bush die Banken implodiert waren und die USA in einer massiven Finanzkrise steckten. Damit ist weniger die Frage, ob Demokraten gut sind für die Wirtschaft - vielmehr scheinen republikanische Präsidenten schlecht zu sein.

Zumindest einen Gedanke legt das nahe: Die Politik der Republikaner nutzt grundsätzlich eher den Reichen und spreizt die Schere zwischen Arm und Reich. Das schadet der Masse, nutzt aber auch der etablierten Oberschicht nur kurzfristig, denn die Wirtschaft lebt nicht nur von Managern und Großverdienern - sie braucht auch Kunden mit Kaufkraft. Eine stabile Mittelschicht ist der Grundpfeiler einer funktionierenden Konjunktur, und die wird von republikanischen Präsidenten traditionell benachteiligt.

Quelle: ntv.de