Kolumnen

Inside Wall Street Der Fed-Schreck

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(Foto: AP)

Die geldpolitische Zeitenwende in den USA rückt näher: Notenbankchef Bernanke bereitet die Märkte darauf vor, dass die Notenbank ihren extrem laxen geldpolitischen Kurs in Kürze beenden könnte. An der Wall Street geben die Kurse nach.

Alle Mann festhalten… die Fed schickt die Wall Street auf Talfahrt. Am Mittwoch bekamen Anleger einen kleinen Vorgeschmack darauf, was ihnen noch blühen wird, wenn die Notenbank das Markt-Doping der letzten Jahre einstellt. Es geht runter, und zwar steil. Mehr als 200 Punkte verlor der Dow Jones zur Wochenmitte, ein paar tausend Punkte stehen auf dem Spiel.

Notenbankchef Ben Bernanke, der sich doch sonst oft unklar ausdrückt und die Märkte über schwammige Formulierungen rätseln lässt, sprach diesmal recht deutlich – und zwar zu Anlegern, die schon im Vorfeld erklärt hatten, worauf sie im Statement der Notenbank achten wollten. Man wollte (wieder einmal) sehen, ob Bernanke irgendwelche Hinweise auf ein nahes Ende der marktfreundlichen Geldpolitik liefern würde. Er lieferte.

Zurzeit, so Bernanke, kaufe die Fed monatlich noch immer Staatsanleihen im Wert von 85 Milliarden Dollar, doch scheine sich die konjunkturelle Lage in den USA nun langsam zu verbessern. Das ist – für Fed-Verhältnisse unmissverständlich – die Ankündigung, das sogenannte "quantitative easing" langsam zurückzunehmen und möglicherweise sogar wieder an eine Anhebung der Zinsen zu denken. Der Alptraum der Wall Street, deren Rallye seit Jahren davon lebt, dass die Banken kostenlos Geld aufnehmen, dieses aber nicht weiterverleihen, sondern am Markt investieren. Mit der kostenlosen Kohle dürfte es bald vorbei sein.

Arbeitslosenquote im Blick

Die Fed rechnet laut ihrem Ausblick vom Mittwoch damit, dass die Arbeitslosenquote bereits 2014 auf 6,5 Prozent fallen könnte. Noch im März war ein solches Szenario nicht vor 2015 erwartet worden. Das ist wichtig für die Wall Street, denn die Marke von 6,5 Prozent hatte die Notenbank schon vor Jahr und Tag als Schwelle ausgegeben, bei der man Unterstützung aus dem Markt nehmen könnte. Sollte das ein Jahr früher passieren als ursprünglich geplant, hätten auch die Banken ein Jahr früher kein Geld mehr, um ihre Luftikusrallye weiterzuführen.

Nun sei eine Arbeitslosenquote von 6,5 Prozent nicht direkt der Auslöser für eine Zinsanhebung, so Bernanke, sondern nur eine Schwelle. Doch für Anleger ist unmissverständlich klar: Das Ende naht. Zumal die Notenbank auch sonst einen optimistischen Konjunkturausblick gibt und ein Wirtschaftswachstum von mehr als 3 Prozent in 2014 und 2015 erwartet.

Ein genauer Fed-Kurs ist dennoch nicht abzusehen. Denn ein interessanter neuer Faktor spielte in den letzten Tagen in die Fed-Diskussionen auf dem Parkett: In einem TV-Interview vor seiner Berlin-Reise hat Präsident Barack Obama recht deutlich erklärt, dass Bernanke nach Ablauf seiner Amtszeit im Januar wohl ausscheiden wird – zurzeit ist offen, wer ihm auf den Chefsessel folgt. Unter den Anwärtern sind seine aktuelle Stellvertreterin Janet Yellen, von der wohl kein Kurswechsel zu erwarten wäre, aber auch der frühere Finanzminuster Timothy Geithner, sein Amtsvorgänger in der Clinton-Regierung, Larry Summers, Obama´s Wirtschaftsberaterin Christina Romer und einige Akademiker.

Welchen Einfluss hat die persönliche Karriereplanung von Bernanke auf den Kurs der Fed? Will der oberste Notenbanker die Stützräder noch einklappen, bevor er das Feld räumt? Welchen Einfluss haben seine potenziellen Nachfolger zurzeit? An der Wall Street gibt es viele Fragen und wenige Antworten – kein gutes Umfeld für die Aktienkurse.

Quelle: ntv.de

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