Kolumnen

Inside Wall Street Die Macht trägt Bart

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Dieser Bart lässt manche Kollegen vor Neid erblassen.

(Foto: REUTERS)

Die Hipster erobern die Wall Street: Auch Banker und Börsianer erfreuen sich in New York an Gesichtsbehaarung. Und wie im angesagten Stadtteil Brooklyn gilt: Je üppiger, desto besser.

An der Wall Street wächst etwas… und es sind nicht die Kurse. Mehr als die stärksten Indizes legt zur Zeit die Gesichtsbehaarung bei Managern und Tradern zu, vom Dreitagebart über den Brooklyn-Hipster-Look bis zur ausgewachsenen Matte ist auf dem Parkett alles zu sehen - und nicht nur dort.

Einen Steinwurf entfernt von der New York Stock Exchange thront Lloyd Blankfein als Chef von Goldman Sachs - auch er trägt seit neuestem einen weißen Stubbelbart. In Manhattans Midtown empfängt Investorenlegende Carl Icahn mit Bart, und viele Meilen weiter, im Weißen Haus, tritt Präsident Obamas Sprecher Jay Carney bärtig vor die Presse. Die New York Times hat dem Phänomen jüngst einen Aufmacher gewidmet: "Der Brooklyn-Bart wird Mainstream", jubelt das Blatt über den unerwarteten Fashion Trend.

Denn lange Zeit waren Bärte in den amerikanischen Machtzentralen aus der Mode. Der letzte US-Präsident mit Bart war William Howard Taft, dessen schnauzerbewehrte Amtszeit 1913 zu Ende ging. Vor ihm gaben sich Bartträger im Oval Office die Klinke in die Hand: Roosevelt und Cleveland trugen Schnauzer, Chester Arthur einen kunstvollen Kotelettenbart, und der Vollbart zierte seit Abraham Lincoln fast alle Präsidentengesichter: Ulysses Grant, Rutherford Hayes, James Garfield, Benjamin Harrison.

Schönheitschirurgen freuen sich

Was seinerzeit das Aus der Bärte brachte, ist heute nicht nachvollziehbar. Allein, unter den Mächtigen ging der Trend zur glatten Rasur… bis im hippen New Yorker Stadtteil Brooklyn die Fashionistas den Bart neu entdeckten. Zunächst trugen ihn die Kreativen, dann die jungen Papas im Park, und seit diesem Winter ist die Welle komplett an die Wall Street und in die Schaltzentralen der Macht geschwappt. Die männlichen Moderatoren beim Fernsehsender NBC ließen sich Bärte wachsen, und in Hollywood tragen nicht mehr wie einst die Bösewichter, sondern Trendsetter wie Jon Hamm und Robert Pattinson.

In New York geht der Trend zum Bart mittlerweile so weit, dass Schönheitschirurgen neue Geschäfte wittern. "Gesichtshaar-Transplantationen" seien immer mehr gefragt, sagt Dr. Jeffrey Epstein, der in Manhattan eine eigene Praxis unterhält. Bis zu 8500 Dollar zahlen Männer, um spärlichem Bartwuchs nachzuhelfen. Sie sehen im Bart nicht nur Ausdruck von Männlichkeit, sondern immer mehr ein Statussymbol – da zahlt mancher, bei dem von selbst nichts sprießt. Epstein pflanzt zur Zeit zwei bis dreimal wöchentlich künstliche Bärte.

Auf dem New Yorker Parkett scheint bisher niemand zu chirurgischer Hilfe gegriffen zu haben. An den Handelsschranken von Knight und Barclay wächst es dicht und dichter.

Quelle: n-tv.de