Kolumnen

"Toughe Entscheidungen" Frauenpower? Fehlanzeige.

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An der Wall Street werden die Geschäfte in der Regel von Männern gemacht.

(Foto: REUTERS)

Die Führung amerikanischer Konzerne ist Männersache. Nur wenige Top-Jobs sind von Frauen besetzt. Und wenn es nach den Männern geht, wird sich daran nur wenig ändern.

Wer in der New York Stock Exchange im Aufzug unterwegs ist - etwa um von dem fensterlosen Kellerzimmer der TV-Reporter in die lichtdurchflutete Chefetage zu kommen - der sieht auf dem kleinen Bildschirm die Geschichte der Wall Street vorbeiziehen. Buttonwood Agreement, der Umzug ins eigene Gebäude, der erste Aktienticker, der Beginn des elektronischen Handels… für 1967 steht da: Muriel Siebert, erste Frau auf dem Parkett.

Siebert starb vor zwei Jahren, doch an der New York Stock Exchange lebt ihr Geist fort. Natürlich gibt es heute zahlreiche Frauen auf dem Parkett, ob als Market Maker, in der Börsenaufsicht oder im Management... wie ja auch sonst überall in Amerika immer mehr Frauen in Spitzenpositionen sind. Während Hillary Clinton mit großer Zuversicht in den Wahlkampf um das Weiße Haus geht, kann das Land fast stolz darauf sein, wie sich Frauen in Corporate America etabliert haben.

Doch der Schein trügt. Aktuelle Zahlen zeigen, dass Frauen noch immer nur einen Bruchteil der Verantwortung tragen - die meisten Top Jobs sind nach wie vor von Männern besetzt. Wie ungleich die Verteilung ist, wissen nicht einmal Insider. In einer aktuellen Umfrage schätzten Manager, dass wohl 23 Prozent der Konzerne im Fortune 500 von Frauen gelenkt werden. In Wahrheit sind es magere 4,2 Prozent. Unter ihnen sind wohlgemerkt einige Superstars: Mary Barra von General Motors, Indra Noori von PepsiCo, Marissa Mayer von Yahoo... sie tauchen in den Wirtschaftsblättern so oft auf, dass leicht ein Zerrbild entsteht. Die Damen repräsentieren nur eine verschwindend kleine Zahl mächtiger Frauen in ihrer Branche.

Eine schöne Illustration dieses Problems findet sich übrigens auf Google: Wer dort nach "CEO" sucht und auf die Bildleiste klickt, findet dutzende mehr oder weniger mächtige Männer – die erste Frau? "CEO Barbie", eine Erfindung des amerikanischen Satiremagazins "The Onion".

Akuter Frauenmangel herrscht übrigens nicht nur im Chefsessel, sondern auch in den Vorständen. Zwar sind in den meisten Boards beide Geschlechter vertreten, doch Frauen spielen oft eine untergeordnete Rolle. Etwa beim Sportausrüster Quiksilver, wo Elizabeth Dolan lange Jahre als einzige Frau im Vorstandsgremium saß. Jüngst kündigte sie und schrieb sich im Fortune-Magazin den Frust von der Seele. Sie sei regelmäßig von ihren männlichen Kollegen übergangen worden, wichtige Entscheidungen habe man ohne sie gefällt. Als etwa CEO Andy Mooney geschasst werden sollte, stimmten die Männer unter sich ab – Dolan erfuhr erst später von der Personalie. Die Begründung: Die Kollegen trauen Dolan eine "toughe Entscheidung" nicht so recht zu, zumal sie Jahre vorher schon einmal mit Mooney gearbeitet hatte. Da ganze wäre wohl zu emotional...

Quelle: n-tv.de

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