Kolumnen

Inside Wall Street Raucher unter Beschuss

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Zweifelsohne elegant - doch auch schöner Rauchen ist nicht gesund

(Foto: REUTERS)

In den USA wird das Rauchen aus dem öffentlichen Leben gedrängt. Für Schlagzeilen sorgt nun die Supermarktkette CVS. Sie verbannt Tabakwaren aus dem Sortiment. Langfristig könnte sich der Schritt auszahlen.

Rauchen ist ungesund. Jedes Kind weiß das. In den USA zieht nun die zweitgrößte Drogeriekette des Landes Konsequenzen: Ab Oktober wird CVS in seinen 7600 Läden keine Zigaretten mehr verkaufen - und verzichtet damit auf rund zwei Milliarden Dollar Umsatz, auf ein paar Millionen Gewinn. Dennoch könnte die Kette am Ende als Gewinner dastehen.

Die Anleger sahen zunächst nicht, wie der freiwillige Ausstieg aus einem lukrativen Segment der Kette nutzen könnte. Für die CVS-Aktie ging es am Mittwoch ins Minus - das konnte auch Präsident Barack Obama nicht ändern. Der hatte sich am Morgen zur Sache geäußert und dem Unternehmen zu einer mutigen Entscheidung im Interesse der Volksgesundheit gratuliert. Vorstandschef Larry Merlo nannte Obama in seinem Statement sogar persönlich. Ungewöhnlich, sollte man meinen, schließlich kommentiert das Weiße Haus sonst keine Unternehmensmeldungen.

Plötzlich Liebling des Weißen Hauses

Doch was CVS entschied, könnte richtungsweisend für das Unternehmen sein, das sich als wichtiger Partner im Gesundheitssystem sieht und folglich nicht die Produkte verkaufen will, die den Kunden mehr schaden als alle anderen. CVS dürfte zunächst von den Schlagzeilen und einem definitiv positiven Imagewandel profitieren.

Viel wichtiger aber: Es scheint, als mache sich das Unternehmen in Washington beliebt, wo über einen wachsenden Anteil des US-amerikanischen Gesundheitssystems entschieden wird. Analysten in den USA vermuten, dass die Regierung mit dem weiteren Fortschritt von "Obamacare" Partnerschaften sucht, die letztlich milliardenschwer sein dürften.

Mit dem freiwilligen Ausstieg aus dem Tabakhandel hat sich die Nummer zwei der Drogeriebranche über Nacht zum Liebling des Weißen Hauses gemausert - davon kann man nur profitieren.

Wie reagiert die Konkurrenz?

Nun fragen sich Beobachter, wie die Reaktion der Konkurrenz ausfallen wird. Walgreens und Rite Aid, die beiden größten Mitbewerber, haben bereits erklärt, die Produktpalette regelmäßig nach aktuellen Gesichtspunkten zu bewerten und besonders bei Tabakwaren die Vor- und Nachteile eines weiteren Verkaufs zu prüfen. Es könnte sein, dass nach dem Vorstoß von CVS die Einsicht in die Nachteile des Tabakverkaufs bald überwiegen. Eine solide Partnerschaft mit der Regierung dürfte den Unternehmen mehr bringen als ein paar Millionen Dollar.

Zumal die Umsätze seit Jahren ohnehin rückläufig waren. Der Anteil der Raucher in der US-Bevölkerung ist seit 1965 von 43 Prozent auf aktuell nur noch 18 Prozent gefallen. Allein in den vergangenen zehn Jahren sind die Umsätze mit Tabakwaren in den USA um fast ein Drittel eingebrochen. Die Supermarktketten Target und Wegmans haben den Verkauf von Zigaretten bereits vor Jahren eingestellt und sich in ihrer Entscheidung unter anderem auf die schwächere Nachfrage bezogen.

Völlig unklar ist wohlgemerkt, welchen Einfluss der Tabakstop bei CVS auf das Rauchverhalten der US-Amerikaner haben wird. Die Aktien der großen Tabakhersteller, Lorillard, Reynolds American und British American Tobacco, verloren zwar zunächst Punkte. Analysten halten das aber für eine Überreaktion der Anleger. Denn zum einen läuft nur ein relativ geringer Teil der Umsätze über die Drogerien, während der Löwenanteil der Glimmstängel in Supermärkten stattfindet. Andererseits ist nicht davon auszugehen, dass Raucher ihren Konsum einschränken, nur weil ein bestimmter Anbieter den Verkauf einstellt - schließlich gibt es genug andere Läden, die Zigaretten weiter ianbieten.

Tabak-Aktien wie Gift im Depot

Langfristig dürften Tabak-Aktien dennoch kein attraktives Investment sein. Die Branche steht politisch und gesellschaftlich unter Dauerbeschuss, da Rauchen immer noch die Nummer Eins unter den vermeidbaren Todesursachen ist und jedes Jahr 480.000 US-Amerikaner das Leben kostet. Auf immer mehr öffentlichen Plätzen ist Rauchen mittlerweile verboten, um Nichtrauchern die passive Belastung zu ersparen.

In New York wurden zuerst die Büros und der Nahverkehr rauchfrei, dann die Restaurants und Bars, mittlerweile darf nicht einmal am Strand und in Parks geraucht werden - wer gerne raucht, muss sich im Big Apple wie ein Aussätziger fühlen. Eine ähnliche Politik geht in vielen US-amerikanischen Städten um, und über die nächsten Jahre wird sie Rauchen immer unpopulärer machen und die Branche langsam, aber sicher ins Aus stoßen. CVS kann sich dann rühmen, zu den Vorreitern gezählt zu haben.

Quelle: ntv.de