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Berggruen hinterlässt ein Trümmerfeld Der Blender lässt Karstadt in Ruhe

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(Foto: picture alliance / dpa)

Nicolas Berggruen verschenkt den Rest seiner Karstadt-Beteiligung an einen neuen Investor. Damit geht ein jahrelanges Missverständnis endlich zu Ende. Schade, dass es erst jetzt dazu kommt.

Karstadt hat ein gewaltiges Problem weniger. Nicolas Berggruen zieht sich vollständig aus der Warenhauskette zurück und verschenkt seine Beteiligungen an den österreichischen Investor René Benko. Doch bei aller Erleichterung: Dieser Schritt kommt viel zu spät.

Denn der einst als "Retter" gefeierte Berggruen hinterlässt Karstadt in einem fürchterlichen Zustand: Die Zahlen sind tiefrot, alleine im vergangenen Geschäftsjahr erwirtschaftete Karstadt einen Verlust von 124 Millionen Euro. Die neue Chefin Eva-Lotta Sjöstedt warf vor einigen Wochen entnervt hin, weil sie sich von Berggruen - freundlich ausgedrückt - nicht ausreichend unterstützt fühlte. Und während die 17.000 Angestellten um ihren Job bangen, kündigt der Aufsichtsratschef "schmerzhafte Einschnitte" an.

Was hat Berggruen während seines Engagements bei Karstadt eigentlich zustande gebracht? Nicht viel. Er steckte kaum Geld in das Unternehmen, das er im Juni 2010 zu einem symbolischen Preis von einem Euro aus der Insolvenz übernommen hatte. Schlimmer noch: Es wird kolportiert, dass er von den Filialen Millionen für die Nutzungsrechte des Namens "Karstadt" verlangt. Derweil verkaufte Berggruen die Filetstücke - die Mehrheit an den Luxushäusern wie dem Berliner KaDeWe und den Sportgeschäften - an Benko.

Das erinnert eher an Heuschrecke als an Philantrop. Aber zumindest ein Versprechen hielt Berggruen: Eine "aufregende Zeit" hatte er den Karstadt-Mitarbeitern angekündigt. Dazu ist es zweifelsohne gekommen.

Von daher dürfen sich die Angestellten darüber freuen, dass sich Berggruen endlich zurückzieht. Doch es ist völlig unklar, wie es weitergeht. Bisher hat ihnen niemand gesagt, welche konkreten Pläne der neue Eigentümer verfolgt. Benkos Firma kündigte bisher lediglich an, sie werde sich auf die "Sanierung und die Zukunftsfähigkeit der Karstadt Warenhaus GmbH konzentrieren."

Berggruen hat dafür gesorgt, dass das eine gewaltige Aufgabe wird.

Quelle: ntv.de