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Helfen mit Wut im Bauch Griechenland stresst die EU

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Charmant, aber leichtsinnig: Die EU hat hier einige Erziehungsfehler gemacht.

(Foto: REUTERS)

Da hält man sein Geld schön zusammen, dann klopft es und eine ausgestreckte Hand wartet darauf, gefüllt zu werden. Unverschämtheit. Aber die EU hat keine Wahl.

Griechenland ist beileibe nicht das unbeliebteste Mitglied in der Währungsunion. Als Reiseziel versprach es immer sonnige Urlaube, und die Schummeleien beim EU-Beitritt wurden zwar mit einem Stirnrunzeln quittiert, aber mehr als ein vergleichsweise sanftes Schelten war von der EU nicht zu vernehmen. Und was war mit der Korruption, die seit Jahrzehnten im Verwaltungsapparat wütet und die Proteste der machtlosen Gesellschaft dagegen? Schön war das alles ja nicht gerade, aber noch unter pubertären Auswüchsen zu verbuchen.

Auch dieses Land würde sicherlich eines Tages reifen, Verantwortung übernehmen und endlich sparen wie es sich gehört. Und sind die Euro-Münzen mit den Eulen darauf nicht hübsch? Ganz zu schweigen, dass die Griechen das mit den Olympischen Spielen 2004 doch noch in letzter Minute hingekriegt haben. Na also, geht doch. Gut, das Schwimmstadion hatte kein Dach, die Bäume wurden so spät gepflanzt, dass sie nicht den geplanten Schatten spenden konnten und Arbeiter kamen aufgrund des Zeitdrucks beim Bau ums Leben, aber ansonsten: Prima.

Defizitlüge fliegt auf

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Die Olympiade war doch schön, oder?

(Foto: picture-alliance/ dpa/dpaweb)

Mehr als fünf Jahre später muss sich die EU ernsthaft fragen lassen, ob sie nicht schon viel früher und vor allem viel strenger hätte eingreifen müssen. Die Regierung von Giorgos Papandreou hat gebeichtet, dass Athen jahrelang falsche Defizitzahlen nach Brüssel gemeldet hat. Statt der in der EU maximal erlaubten drei Prozent liegt das Defizit bei mehr als zwölf Prozent. Unter verschiedenen Regierungen - konservativen wie sozialistischen – wurde das Geld mit vollen Händen ausgegeben. In der Reihe der säumigen Regierungschefs steht dabei auch Papandreous Vater Andreas. Jetzt reagierte die EU-Kommission endlich und stellte den griechischen Haushalt unter ihre Kontrolle – ein einmaliger Vorgang in der EU-Geschichte.

In Athen selbst bleibt der Führungsriege unter dem Druck von EU und EZB nichts anderes übrig, als die haushaltspolitische Notbremse zu ziehen und hektisch alle möglichen Maßnahmen zu verkünden: Das Rentenalter soll angehoben, Steuerschlupflöcher gestopft und vor allem die Gehälter im öffentlichen Dienst einfroren werden. Doch das Volk rebelliert gegen die geplanten Kürzungen. Die Staatsbediensteten holen die Trillerpfeifen heraus und streiken. Flughäfen, Ministerien, Ämter und Schulen arbeiten nicht – ein ganzes Land legt sich selber lahm und gibt einen Vorgeschmack darauf, wie die notwendigen Reformen angenommen würden.

Finanzsystem gefährdet – mal wieder

Bei der EU hat man derweil nach dem ersten Schock die Fassung zurück gewonnen, nun wird über die nötigen Hilfen gesprochen. Auch wenn Griechenland eindrucksvoll bewiesen hat, mit Geld nicht umzugehen zu können  – der EU, und allen voran Deutschland als eines der Familienoberhäupter, bleibt gar nichts anderes übrig, als dem Land unter die Arme zu greifen. Denn es geht leider nicht darum, Griechenland die Suppe, die es sich eingebrockt hat, selber auslöffeln zu lassen. Es geht – erneut – darum, eine Finanzkrise zu verhindern.

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"Mutti" in Sorge: Bundeskanzlerin Merkel muss sich etwas für Griechenland einfallen lassen.

(Foto: dpa)

Auch wenn Griechenland nur einen kleinen Anteil am europäischen Bruttoinlandsprodukt hat, die Finanzsysteme sind heutzutage viel zu eng verknüpft, als dass man ein EU-Mitglied fallen lassen kann. Bei einer griechischen Staatspleite würden die gesamten europäischen Staatsanleihen in Mitleidenschaft gezogen – der Crash auf dem Anleihenmarkt wäre in diesem Fall laut Experten vorprogrammiert. Ganz zu schweigen davon, dass Griechenland andere Wackelkandidaten wie Spanien, Portugal und Irland mitreißen würde.

Die Frage ist also nicht, ob Griechenland geholfen wird, sondern wie. Auf dem Sondergipfel in Brüssel werden die Staats- und Regierungschefs am Donnerstag dieses Problem diskutieren. Die Bundesregierung arbeitet bereits an einem Hilfspaket, auf dem in großen Buchstaben "Stabilität des Euros" steht. Wenn Athen Hilfen erhalte, dann "nur unter strengen Auflagen und wenn die griechische Regierung den Staat tiefgreifend reformiert", heißt es aus Berlin.Wie genau Griechenland im Zaum gehalten werden soll, ist noch nicht klar – zumal die EU dringend einen Präzedenzfall schaffen muss, um andere leichtsinnige Familienmitglieder wie Portugal, Irland und Spanien zu ermahnen. Denn die "PIGS", wie sie von Analysten getauft wurden, könnten sonst die ganze Familie auseinanderbringen.

Quelle: n-tv.de

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